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Dianas Tod vor 20 Jahren

Dianas Spiel mit den Medien - Faszination Prominenz

Diana war die am meisten fotografierte Frau der Welt, selbst bei ihrem Tod waren Paparazzi live dabei. Das Interesse am Privatleben der Stars hat seitdem nicht abgenommen. Woher kommt das Verlangen nach intimen Details?

DW: War der Tod von Prinzessin Diana ein einschneidendes Ereignis in der Berichterstattung über Prominente?

Brigitte Weingart: In gewisser Weise ja, auch weil die Umstände beinahe zu spektakulär waren, um wahr zu sein. Es wurde viel diskutiert: Wie weit dürfen Medien, wie weit darf die Behelligung öffentlicher Personen gehen? Wo fängt das Recht am eigenen Bild und an einem Privatleben an? Das wurde bei Diana dadurch verkompliziert, dass sie das Spiel mit den Medien ja ihrerseits durchaus mitgespielt hatte. Sie kam dem Klatsch zuvor, indem sie selbst Informationen über ihr Privatleben lancierte. Dass zunächst davon ausgegangen wurde, dass Paparazzi schuld waren an ihrem Tod, hat diese Diskussion trotzdem nochmal auf eine ganz neue Ebene gehoben.

Aber Paparazzi sind nach wie vor aktiv. Es gab diesen kurzen Schockeffekt direkt nach Dianas Tod, aber so etwas hält nicht lange an.

Die Menschen sind eben weiterhin an Prominenten interessiert und wollen Fotos. Wie hat sich diese Faszination mit Prominenten entwickelt? 

Der Zusammenhang zwischen medialer Verbreitung und Berühmtheit ist uralt. Alexander der Große zum Beispiel hat sein Konterfei auf Medaillen prägen und im Land zirkulieren lassen. Die absolutistische Monarchie lebte davon, dass das Bildnis des Königs im ganzen Land präsent war. Er konnte nicht körperlich überall anwesend sein, aber Bildnisse von ihm waren es. Das Stehlen von Bildern durch Fotografen gab es damals natürlich noch nicht, aber Klatsch und Gerede über die Herrscher schon.

London Lady Diana Spencer (picture-alliance/AP Images)

Da war sie noch die schüchterne junge Frau: Lady Diana Spencer 1980, vor ihrer Hochzeit mit Prinz Charles

Die literarischen Kultautoren am Ende des 18. Jahrhunderts, wie Lord Byron beispielsweise, waren die ersten, bei denen Personenkult und Massenpresse zusammenkamen. Mitte des 19. Jahrhunderts kam dann die Fotografie und im 20. Jahrhundert Film und Radio dazu - das waren die Grundlagen der Celebrity-Kultur, wie wir sie bis zum digitalen Umbruch gekannt haben.

Und welche Rolle spielt das Internet bei der Berichterstattung über Prominente nach diesem digitalen Umbruch?

Heute haben Paparazzi Konkurrenz bekommen durch die veränderten Selbstdarstellungsmöglichkeiten der Prominenten in sozialen Medien wie Instagram und Facebook.

In dem Moment, wo Prominente selber extrem private Bilder der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen, unter der Vorgabe einer gewissen Intimität, die man ja zu seinen Followern zu pflegen hat, werden die Paparazzi-Aufnahmen weniger exklusiv und weniger wertvoll.

Woher kommt das Gefühl, dass wir ein Recht auf diese Intimität haben?

Medienforscherin Brigitte Weingart von der Uni Köln (Jonas Mayer)

Weingart forscht unter anderem zu Medienästhetik

Man hat das oft als eine Art Entschädigung für Modernisierung beschrieben: Durch Technologie, urbane Strukturen und unüberschaubare Zusammenhänge entsteht das Bedürfnis nach Nähe - und so werden scheinintime Beziehungen zu Fremden aufgebaut. Der medial vermittelte Zugang zu Prominenten wird mit tatsächlicher Vertrautheit verwechselt.

Wenn ein junger Mensch also in einer fremden Stadt wohnt, oft umzieht und weit von der eigenen Familie entfernt ist, findet er oder sie es besonders schön, das Familienleben von Beyoncé und Jay Z mitzubekommen.

Diese Funktion von Ersatzfamilie spielt da sicher mit rein. Und die Verfügbarkeit der Bilder von Popstars ermöglicht es, dass ich dort meine Emotionen drauf projiziere.

Gerade bei Beyoncé und Jay Z kann man im Übrigen deutlich sehen, dass der Übergang von Alltagsthemen zu politischen Diskussionen über Rassismus oder die Rolle der Frau in unserer Gesellschaft, wie die beiden sie anstoßen, fließend ist. Diese Vielfältigkeit hält mich davon ab, Celebrity-Klatsch nur für etwas Triviales und Unwichtiges zu halten. Noch in der banalsten Homestory über Promipaare kann es zum Beispiel mal darum gehen, dass auch der Vater anpackt und die Windeln wechselt. Es werden also durchaus neue Rollenbilder ins Spiel gebracht.

Prinz Charles und Diana (picture-alliance / dpa)

Auch als glamouröse Prinzessin machte Diana eine gute Figur. Hier 1988 in Paris.

Das war zu Dianas Zeiten noch anders, oder? Sie hat ja viel mit dem Bild der Unschuld und der Opferrolle gespielt - das tun weibliche Prominente heute weniger.

Ich würde Diana da nicht unterschätzen. Ihre ganz eigene Art und Weise, ihr Privatleben zum Gegenstand von Klatschpresse und Berichterstattung zu machen, hat ordentlich dazu beigetragen, dass sie schon zu Lebzeiten als berühmteste, meistfotografierte Frau der Welt galt. Das lag wohl auch daran, dass sie es geschafft hatte, die größtmögliche Exponiertheit als Gattin von Charles mit der Anziehungskraft der Unschuld vom Lande, des scheuen Aschenputtels zu verbinden und bei aller 'Hoheit' gleichzeitig 'eine von uns' zu sein: Königin der Herzen eben. 

Diana ist tatsächlich ein Musterbeispiel dafür, dass wir uns einbilden, die Charaktereigenschaften von Prominenten persönlich zu kennen. Dabei projizieren wir natürlich nur: Diana hatte eben dieses Repertoire an Gesten und Verhaltensweisen, das solche Projektionen, wie zum Beispiel die Annahme über ihre Schüchternheit, herausgefordert hat. Später konnte man lesen, dass sie ihre Nase zu groß fand und den demütigen Blick von unten einfach für eine halbwegs fotogene Pose hielt. Der Effekt war aber, dass sie bei aller königlichen Opulenz zurückhaltend und liebenswürdig wirkte.

Brigitte Weingart ist Professorin für Medienkulturwissenschaft am Institut für Medienkultur und Theater der Uni Köln. Zu ihren Interessengebieten gehören unter anderem Celebrity Studies sowie Gerüchtekommunikation und Klatsch.

Das Interview führte Carla Bleiker.

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