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Fußball

DFB-Elf holt glanzlosen Pflichtsieg

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft erreicht im EM-Qualifikationsspiel gegen den großen Außenseiter Gibraltar nur das Minimalziel: Der Weltmeister siegt, ohne zu glänzen. Torwart Neuer reist verletzt ab.

Das erwartete Torfestival blieb aus: Weltmeister Deutschland hat sich mit einer weiteren Enttäuschung von den eigenen Fans aus dem WM-Jahr verabschiedet. Im letzten Heimspiel des Jahres kam die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw gegen den Fußballzwerg Gibraltar zu einem glanzlosen 4:0 (3:0)-Pflichtsieg, machte damit aber nach den schwachen Auftritten im Oktober in der EM-Qualifikation in der Gruppe D Boden gut. Thomas Müller (12. und 29.) und Mario Götze (38.) sowie Yogan Santos, der ins eigene Netz traf (67.), erzielten vor rund 44.000 Zuschauern im ausverkauften Nürnberger Stadion die Tore für die DFB-Elf.

Bundestrainer Joachim Löw wählte gegen die nicht in der FIFA-Weltrangliste geführten Feierabend-Fußballer vom Affenfelsen eine sehr offensive Aufstellung: Der Weltmeister ging mit der Dreier-Abwehrkette Shkodran Mustafi, Jerome Boateng und Erik Durm sowie den beiden Stürmern Müller und Max Kruse ins Spiel. Für Mustafi vom FC Valencia war es der erste Einsatz seit dem WM-Achtelfinale. Im Mittelfeld gab Sami Khedira sein Comeback. Der 27-Jährige von Real Madrid hatte zuletzt beim 7:1 im WM-Halbfinale gegen Brasilien in der DFB-Elf gestanden.

Spiel auf ein Tor

Die Deutschen Sami Khedira (l.-r.), Max Kruse; Torschütze Thomas Müller und Karim Bellarabi nach dem Treffer zum 2:0 (Foto: Peter Kneffel/dpa)

2:0: Khedira (l.-r.), Kruse, Torschütze Müller und Bellarabi

Von der ersten Minute an konzentrierte sich das Geschehen auf nur eine Spielfeldhälfte. Wie beim Handball lief der Ball um den Strafraum des Außenseiters herum. Gezielt hinein ging es zum ersten Mal, als Khedira einen Pass von Mustafi auf Thomas Müller verlängerte, der das Tor aber verfehlte (4.). Der Führungstreffer war ein Billard-Tor: Nach einer Flanke von Mustafi sprang der Ball vom Pfosten Müller vor die Füße, der mühelos sein 25. Länderspieltor erzielte. Torhüter Jamie Robba, der hauptberuflich in einem Restaurant arbeitet, sah dabei ungeschickt aus.

Die meisten Angriffe der deutschen Mannschaft liefen über die rechte Seite mit dem Leverkusener Karim Bellarabi und Mustafi. Jubilar Boateng näherte sich in seinem 50. Länderspiel dem ersten Tor an: Mit einem Distanzschuss traf der Münchner Innenverteidiger, der in der Defensive beschäftigungslos war, den Außenpfosten (22.). Die erste gelungene Aktion über die linke Seite brachte das 2:0: Lukas Podolskis Hereingabe verwertete erneut Müller. Gibraltar, mit lediglich zwei Profis im Team, kam nach einer halben Stunde zum ersten Mal an den deutschen Strafraum. Auf der Gegenseite erhöhte Götze nach Doppelpass mit Kruse. Kurz vor dem Pausenpfiff prüfte Liam Walker DFB-Keeper Manuel Neuer mit einem Distanzschuss.

Ballbesitz ohne Druck

Auch nach dem Seitenwechsel änderte sich das Bild zunächst nicht: Die DFB-Elf startete einen Versuch nach dem anderen, den vierten Treffer nachzulegen. Doch die Abwehr Gibraltars stand gut. Meist befanden sich bis zu zehn Spieler im eigenen Strafraum, um die Bälle der Deutschen wegzuschlagen. In der 60. Minute brachte Löw Kevin Volland für Sami Khedira. Das Spiel verflachte allerdings ein wenig, erst in der 67. Minute fiel Treffer Nummer vier und dazu war noch ein Eigentor nötig: Podolski brachte den Ball von links aus vollem Lauf in die Mitte, im Fünfmeterraum wehrte Yogan Santos unglücklich ab und stolperte den Ball über die eigene Linie. Dann kam Jonas Hector zu seinem Debüt in der deutschen Nationalmannschaft. In der 72. Minute wechselte der Bundestrainer den Kölner Linksverteidiger für Erik Durm Debüt ein. Lars Bender folgte in der 79. Minute für Toni Kroos.

Yogan Santos (2.v.l.) unterläuft ein Eigentor zum 4:0 für Deutschland (Foto: Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

4:0: Beim Versuch zu klären befördert Yogan Santos (2.v.l.) den Ball über die eigene Linie

In der Folge tat sich die deutsche Mannschaft gemessen an ihren Ansprüchen und Möglichkeiten schwer. Obwohl der Ball nahezu ununterbrochen kontrolliert wurde, kam nach vorne zu wenig Zwingendes zustande. Große Tormöglichkeiten suchte man vergebens, das Spiel plätscherte bis zum Schlusspfiff so dahin. Obwohl Gibraltar von einem Treffer weit entfernt war, konnte Deutschland mit dem 4:0-Sieg nicht uneingeschränkt zufrieden sein.

Entsprechend urteilte auch Bundestrainer Löw: "Ich bin alles andere als zufrieden. Die Mannschaft hat die Erwartungen nicht in dem Maße erfüllt, wie wir uns das gewünscht haben. Wir wollen spielen wie ein Weltmeister, da sind vier Tore zu wenig." Nationaltorhüter Manuel Neuer sagte: "Wir wollen immer das Beste geben, aber es ist schwer, wenn da hinten ein Mannschaftsbus drinsteht. Wichtig war, dass wir in der ersten Halbzeit das eine oder andere Tor gemacht haben." Und Torschütze Götze gab zu: "Wir hätten mehr Tore machen und zwingender spielen müssen, das müssen wir uns ankreiden." Allen Bula, der Nationaltrainer von Gibraltar, durfte sich dagegen freuen: "Ich bin sehr, sehr stolz, wie sich das kleine Gibraltar, der kleinste UEFA-Staat, gegen den Weltmeister gewehrt hat. Wir haben einigen den Mund gestopft, die behaupten, dass wir nicht verdient haben, hier mitzuspielen. Und jetzt kehren wir wieder zurück in unser normales Leben."

Das erfolgreiche Jahr 2014 endet für das Löw-Team mit dem Prestigeduell am Dienstag (20.45 Uhr MEZ, DW-Livestream ab 20.30 Uhr MEZ) bei Europameister Spanien. Mit sieben Punkten aus vier Spielen liegt die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) im Rennen um die Tickets für die Europameisterschaft 2016 in Frankreich aber nur auf Platz drei. Nach den Enttäuschungen

in Polen (0:2)

und

gegen Irland (1:1)

beträgt der Rückstand auf Tabellenführer Polen weiter drei Zähler. Gegen die Spanier wird Torwart Manuel Neuer fehlen. Der Schlussmann vom FC Bayern reiste am Samstag wegen Beschwerden im rechten Kniegelenk aus dem Hotel des DFB-Teams in Nürnberg ab. "Gegen Spanien hätte ich gerne mit der besten Mannschaft gespielt, aber wir wollen bei Manuel kein Risiko eingehen", sagte Bundestrainer Löw und verwies auf die "hervorragenden Alternativen" Roman Weidenfeller und Ron-Robert Zieler.

Alle Ergebnisse der EM-Qualifikationsspiele und die Tabellen finden Sie hier.

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