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Wirtschaft

Deutschland steht nicht vor dem Ausverkauf

Trotz gehäufter Übernahmen deutscher Firmen sei die Angst vor einem Ausverkauf unbegründet, sagt der Vorsitzende des Asien-Pazifik-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft, Hubert Lienhard, im Interview mit der DW.

DW: Gerade findet die Asien-Pazifik-Konferenz der Deutschen Wirtschaft (APK) in Hongkong statt. Warum ist die APK in diesem Jahr aus Ihrer Sicht besonders wichtig?

Lienhard: Wir leben in einer Zeit, in der wir die Sorge haben, dass Protektionismus weltweit wieder zunimmt. In Deutschland gehen zehntausende Menschen wegen TTIP auf die Straße und wir sind der Meinung, dass dies den Gesellschaften und Nationen nicht hilft, weil die Globalisierung, so glauben wir, das Mittel ist, um weltweit Arbeitsplätze zu generieren. Und dass wir hier auf der Konferenz zusammen mit Kollegen und asiatischen Regierungsvertretern darüber sprechen, halten wir für sehr wichtig.

Wo spüren Sie denn diesen Protektionismus im asiatischen Raum?

Hubert Lienhard Asien-Pazifik-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft Archiv 2012 (picture-alliance/dpa/M. Murat)

Hubert Lienhard, Vorstandschef von Voith und Vorsitzender des Asien-Pazifik-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft

Wir sagen schon seit Jahren, dass wir ein sogenanntes "Level Playing Field" haben wollen, also auf Augenhöhe miteinander verhandeln und miteinander umgehen. Nach wie vor gibt es in vielen Ländern Zulassungsbeschränkungen. Deutsche Unternehmen können nur Minderheiten besitzen oder müssen in den Joint-Venture-Zwang gehen - wir wollen dies nicht. Wir sind der Meinung, dass Deutschland eine offene Wirtschaft ist. Jede Investition, die in Deutschland durchkommt, dann hat diese Firma - sei sie chinesisch oder aus einem anderen Land - die gleichen Rechte wie eine deutsche Firma. Wir wollen das im Ausland auch haben.

In Deutschland gibt es auch Rufe: "Macht dicht, verkauft nicht an die Chinesen!" wie zum Beispiel beim Verkauf des deutschen Roboterherstellers Kuka an einen chinesischen Investor. Wie stehen Sie dazu?

Ich bin für einen offenen Markt. ich denke, dass es für uns am besten ist, wenn wir offen sind. Unsere Wirtschaft hängt vom Export ab. Wenn wir nicht mehr exportieren können, können wir unsere Bevölkerung nicht mehr beschäftigen. Insofern ist es wichtig, dass unser Land offen bleibt, wenn wir von anderen Ländern fordern, offen zu sein. Ich verstehe aber auch, dass es Sorgen gibt, dass Deutschland ausverkauft wird. Ich sehe das aber nicht. 80 Prozent aller deutschen Firmen sind im Privatbesitz. Firmen im  Privatbesitz können nur verkauft werden, wenn der Inhaber es will. Insofern kann Deutschland nicht ohne den Willen der Inhaber ausverkauft werden. Wir sollten uns die vorhandenen Zahlen anschauen, dann werden wir feststellen, dass die Sorge um den Ausverkauf unbegründet ist.

Wie sieht es aus, wenn es um Schlüsselindustrien geht? Gerade im Bereich Industrie 4.0 ist das ein großes Thema.

Ich bin der Meinung, dass man keine Wirtschaftspolitik betreiben kann, in der irgendjemand entscheidet, was eine Schlüsselindustrie ist. Die Frage ist doch, ob das, was heute Schlüsselindustrie ist, es morgen auch noch ist. Ich bin nicht der Meinung, dass Regierungen dies feststellen können. Es sei denn, es geht um die nationale Sicherheit. Dafür haben wir Gesetze, die meines Erachtens ausreichen. Wenn sie nicht ausreichend sind, muss man sie entsprechend anpassen.

Hubert Lienhard ist seit 2008 Vorstandsvorsitzender der Voith AG und seit 2014 Vorsitzender des Asien-Pazifik-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft. 
Das Interview führte Manuela Kasper-Claridge (z.Z. in Hongkong).

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