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Wirtschaft

Chinesische Generalin und deutsche Technik

Die deutsche Wirtschaft ist mit der Asien-Pazifik-Region eng verflochten und verdient dort gutes Geld. Jetzt hält sie eine Konferenz in Hongkong ab. Von dort berichtet Manuela Kasper-Claridge.

Es dauert nur 15 Stunden, bis die Santa Maria entladen ist. 1200 Container, davon viele mit Frischeprodukten wie Obst und Gemüse, werden weiter zum chinesischen Festland transportiert. Die Umschlagzeit im riesigen Hafen von Hongkong muss kurz sein. Jede Stunde mehr kostet viel Geld und oft stehen die Schiffe schon in der Warteschlange, um in den Hafen Hongkongs einlaufen zu dürfen. "Der Hafen ist Gateway nach China. Viele Ladungen nach Südchina werden über Hongkong transportiert", erzählt Stefan Kirschner vom Logistikunternehmen Hamburg Süd. Das Unternehmen zählt sich zu den zehn größten Containerreedereien der Welt und beschäftigt in Hongkong 180 Mitarbeiter sowie viele Subunternehmer. "Hongkong hat den Vorteil, dass hier die Geschäfte schnell und recht unbürokratisch abgewickelt werden können, auf dem chinesischen Festland ist das oft aufwendiger", erzählt Kirschner. Er leitet die Geschäfte seit vielen Jahren und kennt sich im China-Geschäft bestens aus.

Kirschen für China

In den nächsten Wochen steht er vor der Herausforderung, seine Schiffe schneller fahren zu lassen. Allein fünf Containerschiffe werden vom chilenischen Valparaiso mehrmals nach Hongkong fahren, um frische Kirschen nach China zu liefern. "Die Chinesen lieben diese Kirschen besonders zum Neujahrsfest, aber sie verderben leicht, deshalb muss es schnell gehen", erzählt Kirschner augenzwinkernd und schwärmt von den "Cherry weeks", die zusätzlichen Umsatz bringen. Kirschner hat keinen Anlass zum Klagen. Trotz insgesamt schwächeren Wachstums wird weiterhin viel aus China heraus transportiert, darunter Elektrogeräte und Spielzeug, und die Chinesen importieren auch fleißig.

Jede Stunde ein neuer Wolkenkratzer

China Stadtansicht Hongkong (picture-alliance/Ton Koene)

Wolkenkratzer aus Platzmangel

Wer heute in Hongkong unterwegs ist, hat den Eindruck, dass sich die Skyline fast stündlich verändert. Der knappe Platz wird mit immer neuen Hochhäusern zugebaut. Und weil es so eng ist, geht es meist in die Höhe. Mitten in der Stadt entsteht die U-Bahn, die Entlastung für den dichten Verkehr bringen soll. Auf 1100 Quadratkilometern leben mittlerweile siebeneinhalb Millionen Menschen. Durch Aufschüttungen im Meer versucht man weiterhin zusätzlich Land zu gewinnen.

Die Regierung der 'Sonderverwaltungsregion Hongkong', so die offizielle Bezeichnung, ist bemüht, den Standort attraktiv zu halten. Gregory So, Hongkongs Handels- und Wirtschaftsminister, wirbt mit warmen Worten: "Hongkong ist wirtschaftsfreundlich, wir haben ein einfaches Steuersystem mit niedrigen Sätzen, einen freien Warenverkehr, es gibt Meinungsfreiheit, eine erstklassige Infrastruktur und eine einzigartige Vernetzung sowohl global als auch regional und zum chinesischen Festland."

Asien-Pazifik-Region im Fokus

China Sigmar Gabriel in Hongkong (picture-alliance/dpa/B. von Jutrczenka)

Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel kommt von der China-Reise direkt nach Hongkong

Gregory So freut sich über die rund 1000 Teilnehmer, die zur 15. Asien-Pazifik-Konferenz der Deutschen Wirtschaft angereist sind. Vom 3.11.- 5.11.2016 werden deutsche und asiatische Teilnehmer intensiv über die Region diskutieren. Die Themenpalette ist vielfältig: es geht um die digitale Vernetzung der Industrie, um den Ausbau der Infrastruktur, aber auch um die Chancen für grüne Technologien.

Bundeswirtschaftsminister Gabriel ist da, Premierminister Sri Lankas sowie Minister aus Australien, Indonesien, Malaysia, Neuseeland und Thailand, und viele Unternehmenschefs, darunter Thomas Enders von Airbus, Joe Kaeser von Siemens und viele Mittelständler, die auf ihrem Gebiet Weltmarktführer sind. Darunter der umtriebige Martin Herrenknecht, dessen Tunnelbohrmaschinen nicht nur am U-Bahn Bau beteiligt sind, sondern auch an der neuen Verbindung zwischen dem Hongkonger Flughafen und dem chinesischen Festland. Die Straßentunnel sollen eine wichtige Rolle beim Ausbau der Infrastruktur des Internationalen Flughafens von Hongkong spielen.

Größe zählt

Die weltgrößte Tunnelbohrmaschine mit einem Durchmesser von 17,6 Metern wurde hierfür vom Unternehmen Herrenknecht entwickelt. Der Einstieg zu den Röhren ist von außen bereits sichtbar, die Tunnel verlaufen 50 Meter unter der Wasseroberfläche und sind noch in Arbeit. Ende 2018 sollen die Autos zwei- und dreispurig durch die Röhren fahren. Ausführendes Unternehmen ist das chinesisch-französische Joint Venture Dragages - Bouygues. Die 4,2 Kilometer langen Tunnel könnten ohne die Technik aus Baden-Württemberg aber wohl nicht gebaut werden. "So ein Projekt hat man nur ein- oder zweimal im Leben", schwärmt Martin Herrenknecht und man spürt seine Begeisterung für die innovative Technik, die hier erstmals in dieser Dimension eingesetzt wurde. "Zwei Jahre dauerte allein die Vorbereitung", erzählt er.

Die einzigartige Tunnelbohrmaschine wurde von den Ingenieuren fast zärtlich auf den Namen Qin Liangyu getauft. Dies war eine chinesische Generalin, die im 17. Jahrhundert die Ming-Dynastie erfolgreich gegen Feinde verteidigte und sich damit viel Respekt erwarb. Genau wie die Tunnelbohrmaschine aus Baden-Württemberg .Deren Feinde sind allerdings nur die geologischen Gesteinsformationen im südchinesischen Meer.