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Wirtschaft

Deutschland bleibt Wachstumslokomotive

Am Anfang eines neuen Jahres schlägt die Stunde der Prognosen. Die fallen diesmal für Deutschland eher optimistisch aus. DW-WORLD.DE sich bei dem Mann erkundigt, der 2010 die genaueste Vorhersage abgeliefert hat.

Symbolbild Eisenbahn schiebt Euro (Grafik: DW)

Ob die Lokomotive auch den Euro anschieben kann?

Michael Heise, Chefvolkswirt der Allianz (Foto: dpa)

Michael Heise, Chefvolkswirt der Allianz

Michael Heise, Chefvolkswirt der Allianz, ist vor kurzem von der Financial Times Deutschland zum Prognosekönig des Jahres 2010 gewählt worden. Der Grund: Heise gehörte zu den wenigen Konjunkturexperten, die schon ziemlich früh voraussagten, dass es viel besser kommen würde als die meisten nach der Krise vermuteten. Er interpretierte die Krise nämlich nicht als tiefgreifenden Umbruch, sondern als eine Art Schockstarre nach der Lehman-Pleite, die schon Ende 2009 überwunden sein würde und 2010 zu einem hohen Nachholbedarf mit entsprechenden Pluszeichen führen würde.

Aber, wie das so ist mit Prognosen: Eine erfolgreiche Vorhersage in der Vergangenheit heißt noch lange nicht, dass man auch 2011 zum Prognosekönig wird. "Ich warne ein wenig davor, jetzt die sieben fetten Jahre auszurufen und wundere mich geradezu darüber, dass das teilweise von den gleichen Stimmen kommt, die vor einem oder anderthalb Jahren die sieben mageren Jahre prophezeit haben", sagt Heise heute.

Notorischer Optimist

Hände halten eine blaue Glaskugel (Foto: EU)

Prognosen sind wie der Blick in die Glaskugel, sagen Kritiker

Trotzdem fällt seine Prognose für das neue Jahr optimistisch aus. 1,8 Prozent Wirtschaftswachstum sagt die Bundesregierung für das neue Jahr voraus, Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt legt noch ein paar Pünktchen drauf, auf etwa zwei Prozent. Da gehört Michael Heise dann doch schon wieder zu den Optimisten, denn er traut der deutschen Wirtschaft durchaus ein Wachstum von 2,6 Prozent zu - womit er sich wieder einmal am oberen Rand der Vorhersagen bewegt.

Denn er glaubt, dass auch 2011 die Aufschwungkräfte überwiegen, wenn auch die Dynamik der Konjunkturerholung nachlässt. Allerdings räumt auch Michael Heise ein, dass der weitere Aufschwung mit Risiken behaftet ist: "Die Euro-Krise ist noch nicht gelöst, da können uns noch schwierige Zeiten bevorstehen." Zudem bestehe die Gefahr, dass der Dollar abwerte und die Rohstoffpreise explodierten. "Das könnte uns einen Strich durch die Rechnung machen."

Nur Vorteile durch den Euro

Skulptur des Euro vor dem EZB-Gebäude in Frankfurt (Foto: apn)

Der Euro hat Deutschland nur Vorteile gebracht, sagt Heise

Allerdings bereiten ihm der Dollar und die Rohstoffpreise noch die geringsten Sorgen. Dass die Euro-Krise immer noch nicht ausgestanden ist und dass Europa nicht in der Lage ist, gegenüber den Finanzmärkten geschlossen und mit einer Stimme zu sprechen, das ärgert ihn am meisten. Dabei ist der Euro aus seiner Sicht eine einzige Erfolgsgeschichte. "Wir haben seit der Einführung des Euro, also seit 1999 ein Plus von 13 Millionen Arbeitsplätzen in Europa gegenüber sieben Millionen in den Vereinigten Staaten, also deutlich mehr Arbeitsplätze hinzugewonnen", sagt Heise.

Zudem lag die Inflationsrate in Europa in den elf Jahren im Schnitt bei zwei Prozent, in den USA bei 2,5 Prozent. Auch beim Wechselkurs gegenüber dem Dollar hat der Euro zugelegt. Wichtiger aber ist für den Allianz-Volkswirt, dass der Euro mittlerweile zur unverzichtbaren Reservewährung für viele Zentralbanken geworden ist. "Der Anteil an Währungsreserven, die in Euro gehalten werden, ist von 18 Prozent zum Start der Währungsunion auf 27 Prozent gestiegen", stellt Heise fest - und das sei ein Vertrauensbeweis in den Euro.

Stabiler als die D-Mark

PCK Raffinerie in Schwedt (Foto: dpa)

Abwärtsrisiko Rohstoffpreise

Besonders für Deutschland habe sich der Euro ausgezahlt, sagt Heise. Während die ach so stabile D-Mark in ihrer Geschichte im Schnitt pro Jahr 2,6 Prozent an Wert verloren hat, lag die Inflationsrate beim Euro in Deutschland nur bei 1,5 Prozent im Jahr. Und dank einer zurückhaltenden Lohnpolitik ist es Deutschland gelungen, sein Exportvolumen seit der Einführung des Euro um rund 90 Prozent zu steigern. "Die These, die in vielen Talkshows immer wieder vorgetragen wird, dass Deutschland durch den Euro eigentlich nur Nachteile habe, ist leicht zu widerlegen. Deshalb müssen wir ein eminentes wirtschaftliches Interesse daran haben, dass der Euro stabilisiert wird", sagt Heise.

Das aber vermisst der Chefvolkswirt der Allianz, und da sieht er die Politik in der Pflicht: "Die Märkte warten noch auf wirkliche Erfolge im Sinne der Stabilisierung der Konjunktur in den Peripherieländern und im Sinne der Fortschritte bei der Konsolidierung." Doch für beides gebe es ermutigende Signale, sagt Heise. Seine volkswirtschaftliche Abteilung sagt für Spanien ein Wachstum von rund einem Prozent voraus, für Portugal 0,8 Prozent und für Irland 0,5 Prozent. Und auch Griechenland werde seinen freien Fall von minus 4,6 Prozent im neuen Jahr vermutlich auf minus zwei Prozent mehr als halbieren.

Autor: Rolf Wenkel

Redaktion: Danhong Zhang