1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Deutschland

Deutsches Rotes Kreuz schickt Hilfskonvoi in die Ukraine

In der Ukraine ist bedingt durch die Krise vieles Mangelware. Das Deutsche Rote Kreuz schickt deshalb jetzt einen Hilfskonvoi. Was die DRK-Mitarbeiter dabei erwartet - die DW hat vor der Abfahrt nachgefragt.

DRK Hilfskonvoi in die Ukraine startet vom Flughafen Schönefeld; Foto: DW

Neun Fahrzeuge, 1400 Kilometer - der DRK-Hilfskonvoi für die Ukraine

Es ist sein erster Hilfskonvoi. Patrick Höhle aus dem hessischen Borken geht noch einmal um seinen weißen 7,5-Tonner herum, wirft einen kritischen Blick auf die Reifen. Der 24-jährige Familienvater wird ihn gleich starten und sich zusammen mit 17 weiteren Mitarbeitern des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) auf den Weg nach Kiew in die Ukraine machen. "Ich habe meinen LKW-Führerschein seit eineinhalb Jahren und bisher nur Tagestouren gefahren", sagt Höhle. "Das wird schon ein bisschen ein Abenteuer." Die Strecke wird ihn durch Polen hindurch führen, zwei Landesgrenzen, insgesamt 1400 Kilometer. Und die Unruhen in der Ukraine? Er zuckt mit den Schultern. "Ich denke bis Kiew ist es doch ziemlich ruhig", sagt der DRK-Helfer und spricht davon, dass sie sich zu Hause doch ein bisschen Sorgen um ihn machen. Dann greift er sich seinen Reiseproviant - eine große Plastiktüte, Brötchen, Aufschnitt und Obst - und verstaut sie in der Fahrerkabine. Zwei Tage dauert die Fahrt, die erste Nacht wollen sie in Warschau verbringen.

DRK Hilfskonvoi in die Ukraine startet vom Flughafen Schönefeld; Foto: DW

Patrick Höhle hofft auf eine sichere Reise nach Kiew

Im DRK-Logistikzentrum auf dem Gelände des Berliner Flughafens Schönefeld brechen an diesem Morgen zwei Sattelzüge, drei Kleintransporter, zwei 12-Tonner, der 7,5-Tonner und ein Rettungswagen nach Kiew auf. Sie transportieren insgesamt 60 Tonnen an Hilfsgütern im Wert von 650.000 Euro. Sieben der neun Fahrzeuge werden ebenfalls in der Ukraine verbleiben. Das Geld für den Konvoi stammt aus dem Etat des Auswärtigen Amtes. Anja Böhnke wird in einem der Busse mitfahren. Die 45-Jährige soll an der Grenze und in der Ukraine dafür sorgen, dass alles glatt läuft. Sie spricht Russisch und ist beim DRK als Länderreferentin auch für die Ukraine zuständig. "Das wird eine anstrengende Fahrt, aber die Sachen werden in der Ukraine wirklich nötig gebraucht", sagt sie.

Erste-Hilfe-Material und Mobilitätshilfen

DRK Hilfskonvoi in die Ukraine startet vom Flughafen Schönefeld; Foto: DW

Länderrefereintin Anja Böhnke begleitet die Lieferung

Bei ihrem letzten Besuch vor Ort hat Anja Böhnke mitbekommen, dass die Leute vom Ukrainischen Roten Kreuz durch die anhaltende politische Krise im Dauerstress sind. Für sie sind die Einsatzkleidung, Schutzhelme, Zelte, Tragen und Notstromaggregate gedacht. Dann möchte man dafür sorgen, dass die Bevölkerung in den Krisenregionen mit Erste-Hilfe-Maßnahmen vertraut gemacht wird und hat 100 Übungspuppen eingepackt, an denen man die Herz-Lungen-Wiederbelebung üben kann. Außerdem werden die rund 400 Sozialstationen des Roten Kreuzes mit Hilfsgütern versorgt. "Krisensituationen treffen die alten, schwachen und behinderten Menschen am härtesten und für die haben wir Rollatoren, Rollstühle und Gehhilfen an Bord."

In der Ukraine wäre das Material, das man geladen habe, nicht zu beschaffen gewesen, erklärt Böhnke, "denn sonst wäre es natürlich einfacher gewesen, das Geld direkt zu überweisen statt eine 200 Meter lange Fahrzeug-Kolonne zu schicken". In Kiew wird die Ladung zunächst in einem Zolllager geprüft und dann - wenn sie als humanitäre Hilfe anerkannt worden ist - an die Mitarbeiter des Roten Kreuzes in der Ukraine ausgehändigt. Die entscheiden dann nach ihren Kriterien, wohin die Hilfsgüter im einzelnen gehen. "Das DRK hat keinen Einfluss auf die Verteilung, das überlassen wir unseren Partnern."

So schnell wie möglich zurück

DRK Hilfskonvoi in die Ukraine startet vom Flughafen Schönefeld; Foto: DW

Sieben der Fahrzeuge des Konvois bleiben in der Ukraine

Vor zwei Monaten, nach einem ersten Unterstützungsflug mit Hilfsgütern aus Berlin, hat sich das Deutsche Rote Kreuz daran gemacht, den Hilfskonvoi zu organisieren. Es sei auch in Deutschland nicht einfach gewesen, die Menge an Rollstühlen und Übungspuppen zusammen zu bekommen, sagen die Organisatoren. Ziemlich schnell hatte das DRK aber das Begleitpersonal für die Fahrzeuge rekrutieren können. "Man hat mich gefragt und dann habe ich gesagt, dass ich mitmache", sagt Höhle, der sich freut, endlich auch einmal international helfen zu können. Für den ehrenamtlichen Trip nach Kiew hat sich der Karosseriebauer ein paar Tage Urlaub nehmen müssen. "Ich bin ziemlich stolz, dass ich dabei bin."

Wenn alles gut geht, werden die meisten deutschen Helfer einige Tage später wieder zurück sein - so schnell wie möglich, aus Sicherheitsgründen, sagen die Organisatoren. Es ist nicht so ganz ohne, in ein Land fahren, das am Rande eines Bürgerkrieges zu stehen scheint. Patrick Höhles Familie muss sogar einen Tag länger auf seine Rückkehr warten, denn er soll einen der beiden Sattelzüge zurückfahren, die nicht Teil der Hilfslieferung sind.

Die Redaktion empfiehlt