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Aktuell Deutschland

Deutsches Dumpingfleisch und die Folgen

Vor der weltgrößten Agrarmesse Grüne Woche in Berlin fällt der Blick auf den Gastgeber: Immer mehr billiges Fleisch kommt aus Deutschland - bei immer weniger Bauern. Dabei ist der heimische Markt längst gesättigt.

In Deutschland wird immer mehr Schweine - und Geflügelfleisch zu immer günstigeren Preisen produziert. Das stellt der sogenannte Fleischatlas fest – und zeigt sich auch beim Blick in einen beliebigen Werbeprospekt eines Lebensmittelhändlers: So bietet aktuell ein großer Discounter ein Kilogramm gemischtes Schweine- und Rinderhackfleisch für 3,39 Euro an.

Den "Fleischatlas" haben der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) und die Grünen-nahe Heinrich-Böll-Stiftung bereits zum dritten Mal seit der #links:16510605:Premiere 2013# herausgegeben. Die Produktion von Schweinefleisch stieg demnach von 3,7 Millionen im Jahr 1994 auf heute 5,5 Millionen Tonnen, beim Geflügelfleisch von 350.000 auf eine Million Tonnen.

Zugleich gebe es immer weniger Bauernhöfe. Der Zuwachs basiert laut der Untersuchung ausschließlich auf Massenproduktion in Megaställen. Kleine Erzeuger könnten nicht mehr mithalten. In den vergangenen 15 Jahren hätten vier von fünf Betrieben die Tierhaltung aufgeben, während gleichzeitig bis zu 50 Prozent mehr Fleisch produziert worden sei. Ein Großteil davon gehe in den Export.

"Wir haben einen Prozess, von dem alle betroffen sind und von dem zunehmend immer weniger profitieren", kritisierte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger. In Deutschland werde eine Tierhaltung betrieben, die die Tierquälerei fördere, gegen gängige Regeln verstoße und keine Existenzen mehr sichere.

Insgesamt mache die Landwirtschaft in Deutschland nur noch weniger als ein Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung aus und beschäftige gerade einmal 1,5 Prozent der Erwerbstätigen. Die Tierhaltung sei ihr wichtigster Produktionszweig: Von über 50 Milliarden Euro, die die deutschen Landwirte und Landwirtinnen erwirtschaften, entfallen der Studie zufolge etwa 11 Milliarden Euro auf die Milcherzeugung und knapp 13 auf die Fleischproduktion.

Auch wer was wo in Deutschland konsumiert, zeigt der "Fleischatlas":

Immer mehr billiges Fleisch wird produziert und konsumiert - dabei wäre der Verbraucher in Deutschland durchaus bereit, mehr zu bezahlen. Das zumindest ergab eine anlässlich der bevorstehenden weltgrößten Agrarmesse "Grüne Woche" vorgestellte Umfrage für den Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). Knapp zwei Drittel der Bundesbürger würden demnach mehr ausgeben, wenn sie sicher gehen könnten, dass Standards zum Wohl der Tiere bei der Produktion eingehalten wurden.

Die Verbraucherschützer fordern deshalb eine staatliche Kennzeichnung, genau wie Umwelt- und Landwirtschaftsverbände, die zu einer Großdemonstration zu Beginn der "Grünen Woche" in Berlin aufgerufen haben. Bundesregierung und Agrarindustrie setzten auf steigende Exporte vor allem von Fleisch und Milch zu Dumpingpreisen, kritisiert das Demo-Bündnis. Dafür solle die deutsche Landwirtschaft für den Weltmarkt getrimmt werden. Dieser Wettbewerb ruiniere Bauern nicht nur hierzulande - sondern auf der ganzen Welt.

bor/uh (epd, dpa)