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Afrika

Deutscher Kaffee aus Afrika

Der Trend zum Offshore-Farming hält an: Reiche Länder und private Investoren kaufen Anbaufläche in armen Ländern, um dort Nahrungsmittel zu produzieren. Dabei ziehen die armen Länder den Kürzeren, sagen Kritiker.

Kaffeepflanzen (Foto: dpa)

Deutsche Kaffee-Firmen pachten Land in Uganda

"Investieren Sie in Argrarwirtschaft – eine lohnende Anlage für den Energie- und Lebensmittelbedarf einer wachsenden Welt-Bevölkerung" verkündet eine Werbebroschüre der Unternehmensforschung der Deutschen Bank. Die Kunden sollen ihr Geld allerdings nicht in der deutschen Landwirtschaft anlegen. In den ärmeren Ländern, in Afrika, Asien, Lateinamerika, in Osteuropa und sogar bei den armen Nachbarn innerhalb der EU sind Investoren, Unternehmen und ganze Staaten auf der Suche nach fruchtbaren Anbauflächen im großen Stil.

Insider sprechen von einem regelrechten Jagdfieber, angetrieben aus unterschiedlichen Motiven. Saudi-Arabien, Japan, China, Korea, Libyen und Ägypten müssen Nahrungsmittel importieren, um den Bedarf der Bevölkerung zu decken. Seit Monaten sind hochrangige Beamte dieser Länder unterwegs, um über diplomatische Kanäle fruchtbares Ackerland in Uganda und im Sudan, in Brasilien, Kambodscha oder Pakistan zu kaufen oder zu pachten. Aber auch private Unternehmen und Investoren suchen auf allen Kontinenten nach günstig zu erwerbenden Agrarflächen, um ihr Geschäft zu machen, sei es in der Nahrungsmittelindustrie oder der Pflanzenproduktion für Biokraftstoffe.

Landpacht bedeutet auch: Zugang zu Wasser

Auch deutsche Unternehmen sind dabei. Einige zieht es nach Russland, Rumänien oder Bulgarien. Und die Prokon GmbH und Co KG verfügt bereits über 10.000 Hektar in Tansania, die Münchner Firma Flora Ecopower ist in Äthiopien engagiert. Laut UN-Schätzungen wurden seit 2005 zwischen 15 und 20 Millionen Hektar von Entwicklungsländern an andere Staaten oder private Investoren verkauft oder verpachtet. Das entspricht einem Fünftel der europäischen Ackerflächen.

Bauer in Afrika (Foto: AP)

Wird das Land verpachtet droht den lokalen Bauern die Vertreibung

Ein Geschäft, das aus verschiedenen Gründen meist zu Lasten der Bevölkerung in den ärmeren Regionen gehe, sagt die international tätige Menschenrechtsorganisation FIAN (Food First Informations- und Aktionsnetzwerk). Ein Grund sei die immer knapper werdende Ressource Wasser. "Viele Konzerne sichern sich sich durch den Zugang zu Land natürlich den Zugang zu Wasser, das ist ein höchst strategisches Gut", sagt Roman Herre von FIAN. Experten befürchten, dass Wasser in Zukunft sehr viel knapper sein wird als fossile Treibstoffe. Schon jetzt sei der fehlende Zugang zu Land und zu Wasser das größte Problem für die Kleinbauern weltweit, sagt Herre.

Arbeitsplätze entstünden bei der Bewirtschaftung der verkauften oder verpachteten Flächen für die Bevölkerung in der Region nur wenige. Experten und Landarbeiter würden – so etwa die Praxis der Chinesen in Afrika - eingeflogen. Den ansässigen Bauern droht die Vertreibung der von Ihnen genutzten Flächen, wie Peter Baleke Kayiira, der schon 2001 vor der ugandischen Armee flüchten musste. Die Regierung Ugandas hatte einer deutschen Kaffeefirma zugesagt, auf dem Land seines Dorfes eine Plantage anzulegen. "Vor unserer Vertreibung ging es uns sehr gut, wir konnten uns selbst versorgen und hatten sogar Überschüsse, die wir verkauften. Jetzt geht das nicht mehr." Sie können sich nur noch eine Mahlzeit am Tag leisten, berichtet er, und die Kinder könnten nicht mehr zur Schule gehen. "Wenn das so weiter geht, werden wir bald Sklaven sein."

Geschäftemachen unter Ausschluss der Öffentlichkeit

Bei der Anbahnung solcher Geschäfte und der Festlegung der Bedingungen wird die lokale Bevölkerung meist nicht beteiligt. So auch in Madagaskar, wo die Regierung Anfang des Jahres stürzte, weil bekannt geworden war, dass sie die Hälfte der Anbaufläche einem südkoreanischen Konzern für 99 Jahre zur Pacht überlassen wollte. Kein Einzelfall, sagt der FIAN –Experte, einen ähnlichen Fall gab es auch in Kenia. "Dort hat das arabische Emirat Katar größere Flächen Land bekommen für das Versprechen, eine Investition zu tätigen, einen lokalen Hafen auszubauen." Kenia ist seiner Meinung nach ein klassisches Beispiel, weil dort wie in vielen anderen Ländern die lokale Bevölkerung bei den Deals außen vor gelassen wird, die Verträge meistens nicht bekannt sind und nur durch Zufall an die Öffentlichkeit geraten.

Sofern sich die Investoren in solchen Verträgen – wie von Japan beim jüngsten G8-Gipfel gefordert – um Sozialverträglichkeit bemühen und Arbeitsplätze oder Infrastruktur-Maßnahmen versprechen, bleiben das oft leere Versprechen, die auch nicht einklagbar sind, so die Erfahrung bei FIAN. Hinzu kommt, dass die Agrarproduktion in industriellem Umfang auch Umweltbelastungen im großen Ausmaß mit sich bringt. Wenn man sich anschaue, dass beispielsweise die Weltbank vier Milliarden Euro in das Agrobusiness pumpen will und man davon ausgehen kann, dass diese großflächigen Landnahmen einhergehen mit monokulturellem Anbau, dann könne man davon ausgehen, dass der Wasserverbrauch extrem hoch sein wird, dass der Pestizideinsatz sehr viel stärker sein wird, und Düngemittel sehr stark eingesetzt werden. Die alles sei extrem klimaschädlich.

Kleinbauern als Entwicklungshindernis?

Thilo Hoppe (Foto: Thilo Hoppe)

Für die Unterstützung von Kleinbauern: Thilo Hoppe

Seit der jüngsten Nahrungsmittelkrise vom Frühjahr 2008 wächst zumindest in der deutschen und in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit die Erkenntnis, das vor allem die lokale kleinbäuerliche Landwirtschaft in den Ländern des Südens vernachlässigt worden ist. Ein gerechter und sozial verträglicher Zugang zu Land und Wasser und echte Partizipation der lokalen Bevölkerung gehörten zum Menschenrecht auf Nahrung, dass völkerrechtlich bindend sei, und das die Regierungen garantieren müssten, sagt Experte Herre.

Konsequenzen für die Hungerbekämpfung fordert auch Thilo Hoppe, Bundestagsabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen, und Vorsitzender des Bundestagsausschusses für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Er habe bei vielen Debatten im deutsche Bundestag erlebt, dass manche gerade die Kleinbauern in Entwicklungsländern als Entwicklungshemmnis angesehen haben. "Die stehen doch den großen Plantagen für die Cash-Crops, also die Produkte, die ins Exportgeschäft gehen, im Wege. Jetzt hat man aber erkannt, dass die Versorgung für die eigene Bevölkerung in den Entwicklungsländern sträflich vernachlässigt wurde." Wenn die Preise für die eingeführten Nahrungsmittel, die man importieren muss, nach oben schnellen würden, dann wären diese Volkswirtschaften ungeheuer verletzlich. "Jetzt wird ja zum Glück der Schwerpunkt wieder darauf gelegt, die Kleinbauern wieder zu unterstützen, ihren Beitrag zur Ernährungssicherung anzuerkennen." Aber diesen Worten müssten auch Taten folgen, sagt Hoppe.

Autorin: Ulrike Mast-Kirschning

Redaktion: Sarah Mersch

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