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Wirtschaft

Deutsche Wirtschaft kommt kaum voran

An der Rezession knapp vorbeigeschrammt: Nach einem kräftigen Minus Ende 2012 ist die deutsche Wirtschaft im ersten Quartal dieses Jahres wieder gewachsen. Allerdings fällt das Plus sehr mickrig aus.

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Schnecke auf Blatt

Ökonomen sprechen von einer Rezession, wenn eine Volkswirtschaft zwei Quartale hintereinander schrumpft. Nun ist die deutsche Wirtschaft von Januar bis März um 0,1 Prozent gewachsen, nachdem sie im Schlussquartal 2012 um 0,7 Prozent gefallen war. Mit anderen Worten: Deutschland ist einer Rezession nur knapp entgangen.

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Mini-Wachstum in Deutschland

"Die Zahlen stellen schon eine Enttäuschung dar. Die Indikatoren in den ersten Monaten dieses Jahres haben eigentlich auf ein größeres Plus hingedeutet", sagt Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank. So hat die Industrieproduktion im März unerwartet stark um 1,2 Prozent zugelegt. Die Unternehmen erhielten mehr Aufträge. Sogar die Bestellungen aus der Eurozone nahmen zu. Das alles hat sich aber (noch) nicht auf das Bruttoinlandsprodukt ausgewirkt. Schwerer wog, dass die Exporteure unter der schwachen Weltwirtschaft litten und dass die Unternehmen erneut weniger investierten. Schuld daran ist vor allem der ungewisse Ausgang der Staatsschuldenkrise in Europa. "E s zeigt sich eben, dass die Finanzsysteme noch sehr stark belastet sind und dass Unsicherheiten über die politische Zukunft Europas weiter vorherrschen. Wir hatten in diesem Jahr die Unsicherheit in Italien, wir hatten die verkorkste Zypern- Rettung", sagt Kater im Interview mit der DW.

Verbraucher retten Mini-Plus

Dass die deutsche Wirtschaft in diesem schwierigen Umfeld nicht weiter zurückgefallen ist, hat sie allein der Kauflaune der Verbraucher zu verdanken. Auf sie ist auch weiterhin Verlass, meint Jürgen Pfister, Chefvolkswirt der BayernLB: "Der Konsum läuft gut, weil wir einen robusten Arbeitsmarkt und steigende Löhne haben. Das heißt, hier ist noch eine Quelle der Stabilität."

Anders bei den Investitionen. Dass der ifo-Geschäftsklimaindex zuletzt wieder gefallen ist, zeigt, dass die Unternehmenslenker die Zukunft der Währungsunion weiter kritisch beurteilen. Hier könnte das Risiko tatsächlich wieder steigen, sagt Jürgen Pfister zur DW: "Die jetzige Diskussion über Austerität gegen Wachstum ist doch ein gewisses Alarmzeichen, dass die Reformbereitschaft erlahmt."

Michael Grömling vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln erwartet dennoch anziehende Investitionen. "Wir gehen davon aus, dass bei der Investitionstätigkeit in Deutschland die Talsohle im Jahresverlauf 2013 erreicht wird und wir in der zweiten Jahreshälfte Besserung sehen werden", so Grömling gegenüber der DW.

Weltwirtschaft kann helfen

Auf ein wenig Rückenwind kann die deutsche Konjunktur auch von der Weltwirtschaft hoffen. Auch wenn sie ebenso zwischen Stagnation und Wachstum schwanke wie in Europa, sei die Dimension anders, meint Ökonom Kater: "Stagnation bzw. unterdurchschnittliches Wachstum in der Weltwirtschaft geht immer noch mit Zuwächsen in den aufstrebenden Ländern einher, die deutlich höher sind als bei uns."

So wird China immer noch mindestens um sieben Prozent wachsen. Für die deutschen Unternehmen, die vor allem in Asien gut aufgestellt sind, ist das eine gute Nachricht. So geht der Branchenverband der deutschen Exporteure BGA von einem Wachstum der Ausfuhren um drei Prozent aus.

Insgesamt erwartet Jürgen Pfister für Deutschland ein Wirtschaftswachstum von 0,5 Prozent in diesem Jahr: "Damit laufen wir immer noch deutlich besser als unsere Nachbarn im Süden, die alle erhebliche Minusraten aufweisen werden." IW-Experte Grömling traut der deutschen Wirtschaft auch mehr zu: "Für dieses Jahr wird die deutsche Wirtschaft in einer Größenordung von einem halben bis einem Prozent wachsen." Auch die gesamte Eurozone werde dieses Jahr die Talsohle verlassen, ist Grömling überzeugt.

Vorerst muss die Währungsunion allerdings mit der Hiobsbotschaft aus Frankreich leben: Das Euro-Schwergewicht ist mit einem Minus von 0,2 Prozent wieder in die Rezession hineingeschlittert. Für Ulrich Kater bleibt daher die Gesamtbotschaft, "dass eine Erholung unterwegs ist, aber dass sie sehr homöopathisch ausfällt".

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