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Aktuell Amerika

Deutsche Reporter in Ferguson freigelassen

Bei den Protesten in der US-Kleinstadt Ferguson wird den Sicherheitskräften vorgeworfen, mit überzogener Härte vorzugehen. Die bekamen auch drei deutsche Reporter zu spüren, die vorübergehend festgenommen worden waren.

Ferguson kommt nicht zur Ruhe. In der Nacht zu Dienstag verwandelten sich die zunächst friedlichen Proteste stellenweise wieder in Straßenkämpfe. Unterstützt von schwer bewaffnete Soldaten der Nationalgarde, die am Montag in der Kleinstadt aufmarschiert waren, griff die Polizei hart durch. Mit Tränengas und Blendgranaten gingen die Sicherheitskräfte gegen Randalierer vor, die Glas- und Plastikflaschen auf die Sicherheitskräfte warfen und versucht haben sollen, eine Straße zu blockieren. Nach Angaben der Polizei waren zwei Menschen von bewaffneten Demonstranten angeschossen worden.

Auch Molotowcocktails seien geflogen. Die Polizei selbst bestritt, Schusswaffen eingesetzt zu haben. Sie sprach in einer Zwischenbilanz von sechs Verletzten - darunter vier Sicherheitskräfte. Mindestens 31 Menschen wurden festgenommen, auch drei deutsche Journalisten, die über die Proteste Bericht erstatteten. Alle drei Reporter wurden aber nach einigen Stunden wieder freigelassen.

Eklatante Verletzung der Pressefreiheit"

"Die Polizei wollte verhindern, dass wir unseren Auftrag, über die Vorgänge in Ferguson zu recherchieren, erfüllen können - das ist eine eklatante Verletzung der Pressefreiheit", sagte Ansgar Graw von der "Welt". Frank Herrmann, der unter anderem für die "Stuttgarter Zeitung" und den österreichischen "Standard" schreibt, bezeichnete das Vorgehen der Polizei gegen als "völlig absurd". Es diene offenkundig nur dem Zweck, Reporter einzuschüchtern und damit von ihrer Arbeit abzuhalten.

"Scharfe Kritik von Journalistenverbänden

Auch gegen andere Journalisten gingen die Sicherheitskräfte vor. Insgesamt wurden mindestens neun Journalisten in Gewahrsam genommen, darunter Reporter der "Washington Post" und der "Huffington Post" und ein Fotograf von der Agentur Getty. Ein Kamerateam von "Al Dschasira" wurde nach eigenen Angaben mit Gummigeschossen und Tränengas angegriffen. CNN zeigte Bilder eines Fotografen, der nach einem Tränengas-Einsatz verletzt am Boden lag.

Journalistenverbände kritisierten das Vorgehen der Polizei als Eingriff in die Pressefreiheit. Die Organisation Reporter ohne Grenzen zeigte sich "schockiert über die willkürlichen Festnahmen und die Arbeitsbehinderung von Journalisten" und nannte die Festnahmen "völlig inakzeptabel". Auch der Deutsche Journalisten-Verband erklärte, Übergriffe der Sicherheitskräfte auf Journalisten seien nicht zu rechtfertigen. Die Behörden müssten sie ungehindert arbeiten lassen, sagte der Bundesvorsitzende Michael Konken. Der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger sprach von einem massiven Eingriff in die journalistische Arbeit. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International entsandte ein Team von Beobachtern nach Ferguson.

Luftraum über Ferguson gesperrt

Die Proteste in dem mehrheitlich von Schwarzen bewohnten Vorort von St. Louis hatten begonnen, nachdem ein weißer Polizist am 9. August unter bislang ungeklärten Umständen den schwarzen Teenager Michael Brown erschossen hatte. Seitdem gibt es dort beinahe täglich Unmutsbekundungen gegen die Gewalt der vornehmlich aus Weißen rekrutierten Polizeikräfte, wobei die Proteste vor allem nachts immer wieder in Gewalt umschlagen. Das Justizministerium und das FBI ermitteln, wie es zu Browns Tod kam.

Soldaten der Nationalgarde richten ihre Waffen auf Demonstranten (Foto: rtr)

Soldaten der Nationalgarde richten ihre Waffen auf Demonstranten in Ferguson

Angesichts der angespannten Lage in Ferguson rief US-Präsident Barack Obama zur Ruhe auf. Er betonte das Recht auf friedliche Proteste und sagte: "Es gibt keine Entschuldigung für unverhältnismäßige Härte der Polizei". Aber auch Angriffe auf die Polizei und Plünderungen seien nicht hinzunehmen, so Obama.

Mit Blick auf die Festnahmen von Journalisten sagte der US-Präsident: "Hier in den Vereinigten Staaten sollte die Polizei Journalisten nicht schikanieren oder festnehmen, die nur versuchen, ihren Job zu machen und den Amerikanern zu berichten, was sie vor Ort sehen." Obama kündigte an, dass Justizminister Eric Holder am Mittwoch nach Ferguson reisen werde, um sich selbst ein Bild von der Lage zu verschaffen.

Die Führung der Polizei rief die Bürger auf, in Zukunft tagsüber zu demonstrieren, um sich von gewaltbereiten Randalierern abzusetzen. Wegen der andauernden Proteste bleiben die Schulen in Ferguson bis kommenden Montag geschlossen. Die Flugaufsicht FAA ließ den Luftraum über der Stadt für Flüge unterhalb von 900 Metern sperren.

cw/qu (dpa, epd)