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Ostmitteleuropa

Deutsche Firmen verlassen Polen

- Flaute auf dem deutschen Markt zwingt Investoren zum Rückzug

Warschau, 8.2.2003, NEWSWEEK POLSKA, poln.

Auf einem Feld in der Nähe der Verkehrsstraße Berlin - Poznan (Posen) steht eine leere Schokoladenfabrik. Noch vor kurzem war das Fließband rund um die Uhr in Betrieb und voll von Schokoladen der Marke "Alpen Gold". In den Firmenlagern standen Kartons voller Süßigkeiten der deutschen Firma Stollwerck. Heute gibt es weder den Konzern noch seine Erzeugnisse in Polen.

Im letzten Jahr verabschiedete sich nicht nur der Konzern Stollwerck von Polen sondern auch vier weitere große deutsche Firmen, nämlich die Brauereien Bitburger und Holsten, der Tabakkonzern Reemtsma und das Finanzinstitut Bankgesellschaft Berlin. Alle diese Firmen verkauften ihre Anteile im Wert von über einer Milliarde Dollar. Diese Summe macht ein Siebtel des Wertes der gesamten deutschen Investitionen in Polen in den letzten zwölf Jahren aus.

Es ist scheinbar auch kein großes Ereignis: Fünf von insgesamt 212 deutschen Firmen, die von der Agentur für Zusammenarbeit mit dem Ausland (PAIZ) registriert wurden, zogen sich aus Polen zurück. Die Deutschen belegen nach den Franzosen (11,5 Milliarden Dollar) und den Amerikanern (8 Milliarden Dollar) den dritten Platz in bezug auf die Höhe des in Polen investierten Kapitals. Das Problem besteht jedoch darin, dass diese eine Milliarde Dollar, die aus Polen weggebracht wurde, von den 300 Millionen Dollar nicht ausgeglichen werden kann, die von deutschen Firmen in den ersten sechs Monaten 2002 in Polen investiert wurden.

Der Grund für den Rückzug ist immer derselbe, nämlich die Rezession. Die einen gehen weg, weil die Geschäfte in Polen nicht die erwarteten Profite brachten und die anderen, weil ihre Mutterfirmen in der Heimat Probleme haben. Die Flaute in der deutschen Wirtschaft hält seit zwei Jahren an. (...) "Deutschland wird von einer tiefen Krise heimgesucht und die inneren Probleme verursachen auch den Rückgang der Investitionen im Ausland", erklärt Tomasz Wiacek von der polnisch-deutschen Wirtschaftskammer. (...)

Als die Firma Stollwerck ihre Schokoladenfabrik in der Ortschaft Janki im Jahre 1995 baute, lag das Wirtschaftswachstum in Deutschland bei 2,5 Prozent. Der Verkaufswert dieser Firma belief sich damals auf fast 780 Millionen Euro. Aus diesem Grunde konnte sie sich die Investition in Polen in Höhe von 20 Millionen Euro ohne Probleme leisten. Schon im Jahre 2001 sank der Marktwert der Firma Stollwerck erheblich und man musste die Offensive im Osten stoppen. Die Fabrik wurde dann für 150 Millionen Zloty (etwa 37,5 Millionen Euro) an den Konzern Jakobs-Suchard verkauft.

"Als sich die Deutschen zurückzogen, gaben sie auch zu, dass sie sich jetzt um die Fabriken im eigenen Lande kümmern müssen und dass sie sich die Investitionen in Polen nicht mehr leisten können, obwohl die hiesige Fabrik immer noch Gewinne machte wie z.B. der Gewinn von acht Millionen Zloty in den ersten acht Monaten 2001" sagt Tomasz Otomanski, der ehemalige Direktor der Stollwerck-Fabrik.

Es gibt keine Zweifel daran, dass die Bankgesellschaft Berlin, die im Mai 2001 einen Internetservice unter dem Namen "Inteligo" gründete, sich aus Polen aufgrund der Probleme im eigenen Lande zurückziehen musste. Im August 2002 wurden die Anteile der Bankgesellschaft Berlin an die polnische Bank PKO BP verkauft. (Sta)

  • Datum 12.02.2003
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  • Permalink http://p.dw.com/p/3GFy
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