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Wirtschaft

Deutsche Autos gefragt wie nie

Totgesagte leben länger: Die von der Wirtschaftskrise arg gebeutelte deutsche Autoindustrie eilt in diesem Jahr von Rekord zu Rekord. Die Gewinne sprudeln - und ein Ende des Booms ist nicht absehbar.

Besucher auf Automobilmesse (Foto: ap)

Die Schlagzeilen sprechen für sich: "Daimler verdient mit seinen Fahrzeugen so viel wie nie zuvor", "Audi verdoppelt Gewinn im ersten Halbjahr", "BMW kann deutlich zulegen". Die Quartalszahlen, die die großen deutschen Autobauer in diesen Tagen vorgelegt haben, strafen alle pessimistischen Prognosen der Vergangenheit Lügen: Natürlich sind Elektronik-Spielzeuge wie iPod und iPad dabei, das Auto als Statussymbol abzulösen. Doch deutsche Autobauer erleben gerade mit ihren Luxuslimousinen goldene Zeiten – vor allem in Russland und in China brummen die Geschäfte wieder.

Konzernzentrale der Daimler AG in Stuttgart (Foto: AP)

Daimler-Hauptsitz in Stuttgart

Daimler erreichte im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres einen Umsatz von 51 Milliarden Euro – ein Plus von zehn Prozent gegenüber dem Vorjahreswert. Der Nettogewinn lag bei 2,9 Milliarden Euro und damit satte 50 Prozent höher als im Vorjahr. Überraschend dabei: Neben dem Mittelklasse-Segment lief es vor allem bei den Geländewagen sehr gut. Die Geländewagen, SUVs genannt, sind vergleichsweise große Spritfresser, denen keine rosige Zukunft vorausgesagt wurde. Die Verkaufszahlen sagen etwas anderes. Zumal auch die SUVs immer effizienter werden und sehr komfortabel sind. Deswegen legt Daimler auch nach und bringt im Herbst die Mercedes-Benz M-Klasse heraus, die Kunden bereits jetzt bestellen können.

Audi jagt Daimler

Audi ist Daimler weiter dicht auf den Fersen und erhöht den Druck im Kampf um den zweiten Platz in der Oberklasse. Die VW-Tochter verdiente in den ersten sechs Monaten deutlich mehr Geld und verkaufte vor allem dank des ungebremsten Booms in Asien so viele Autos wie in keinem Halbjahr zuvor. Unter dem Strich verbuchten die Ingolstädter 1,68 Milliarden Euro, satte 70 Prozent mehr als zwischen Januar und Juni 2010.

BMW Design-Studie (Foto: BMW)

BMW Design-Studie

BMW kann ebenfalls einen starken Gewinnanstieg verbuchen.Vor und nach Steuern fuhren die Münchner mehr als doppelt soviel Ertrag wie im Vorjahreszeitraum ein. Analysten hatten mit nicht ganz so kräftigen Zuwächsen gerechnet. Unterm Strich blieben BMW 1,8 Milliarden Euro in der Kasse. "Wir haben sowohl im zweiten Quartal als auch im ersten Halbjahr neue Spitzenwerte bei Absatz, Umsatz und Ergebnis erzielt", sagte Konzernchef Norbert Reithofer am Dienstag (02.08.2011).

VW auf dem Weg zum Weltmarktführer

Für das größte Aufsehen bei den deutschen Herstellern sorgt der Volkswagen-Konzern: Die Wirtschaftszeitung "Handelsblatt" widmet VW am Freitag (29.07.2011) eine große Titelgeschichte mit der Schlagzeile "Das Wunder von Wolfsburg". Der Konzern, vor zwei Jahrzehnten noch ein Sanierungsfall, sei mittlerweile zum "Star der Autoindustrie" aufgestiegen. Das erste Halbjahr beendete Volkswagen mit einem Nettoergebnis von 6,5 Milliarden Euro und verdiente damit fast so viel wie im Gesamtjahr 2010.

VW-Logo (Foto: ap)

Bald ganz oben?

Damit prescht VW auf seinem Weg zum größten und profitabelsten Autobauer der Welt voran: Im Gesamtjahr will Volkswagen über acht Millionen Autos an die Kunden bringen und damit zum bisherigen Spitzenduo von Toyota und General Motors aufschließen. Die anhaltend hohe Nachfrage in wichtigen Märkten gebe dem Konzern Rückenwind, erklärte VW-Chef Martin Winterkorn. Zwar würden in Europa die Schuldenkrise und das Ende der Abwrackprämien die Nachfrage belasten. In China, Indien, Nord- und Südamerika erwarten die Wolfsburger dafür weitere Zuwächse.

Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister, der das Bundesland im Aufsichtsrat vertritt, nannte die Halbjahreszahlen des Konzerns "mehr als beeindruckend". Wenn Volkswagen so weiter mache, könne das Ziel, bis spätestens 2018 zum größten Autobauer der Welt aufzusteigen, durchaus erreicht werden: "Volkswagen fährt der Konkurrenz weiter davon."

Autor: Klaus Ulrich (dpa, dapd, rtr)
Redaktion: Henrik Böhme

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