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Wirtschaft

Bosch – Ideenschmiede der Autoindustrie

Die Machtverhältnisse verschieben sich: Zulieferer machen Automobilherstellern die Kernkompetenzen streitig. Das Zeitalter der Elektromobilität hat begonnen. Marktführer Bosch investiert kräftig in Schlüsseltechnologien.

Hauptsitz der Firma Bosch in der Nähe von Stuttgart (Foto: ap)

Das Sportcoupé schießt mit mehr als 160 Stundenkilometern in die Steilkurve. "Jetzt das Gas halten", sagt der Test-Ingenieur auf dem Beifahrer-Sitz, "bis Tempo 200 kann nichts passieren." Vorgeführt wird an diesem Nachmittag die Wirkung eines Turboladers, der dem eigentlich recht bescheidenen 1,8-Liter-Triebwerk ein beeindruckendes Drehmoment verleiht.

Die Teststrecke ist Teil des Prüfzentrums Boxberg-Windischbuch – idyllisch gelegen in einer ländlichen Region Baden-Württembergs. Wir befinden uns im Reich der Kraftfahrzeugtechnik von Bosch, dem größten Automobilzulieferer der Welt.

Dr.-Ing. Bernd Bohr, Vorsitzender des Bosch Unternehmensbereichs Kraftfahrzeugtechnik (Foto: Bosch)

Dr.-Ing. Bernd Bohr

"Unser Unternehmensbereich Kraftfahrzeugtechnik wird in diesem Jahr mit seinem Umsatz erstmals die Schwelle von 30 Milliarden Euro übertreffen", sagt Bosch-Automotive-Chef Bernd Bohr. "Wir erwarten ein Wachstum von gut zehn Prozent. Nachdem wir in der Kraftfahrzeugtechnik zu Jahresbeginn 167.000 Mitarbeiter hatten, werden es zum Jahresende 177.000 sein."

Effizienzsteigerung als Herausforderung

Wachstumschancen sieht Bohr zukünftig vor allem in der Elektromobilität und der Entwicklung von neuartigen Fahrer-Assistenz-Systemen. Besonders wichtig sei es aber, herkömmliche Benzin- und Diesel-Motoren sparsamer zu machen. "Denn schließen wir den Hybridantrieb ein, werden Diesel und Benziner 2020 weltweit immer noch mehr als 95 Prozent der Neufahrzeuge antreiben", weiß der Manager.

Turbolader zur Effizienzsteigerung von Verbrennungsmotoren auf dem Prüfstand (Foto: Bosch)

Heiße Sache: Turbolader zur Effizienzsteigerung von Verbrennungsmotoren auf dem Prüfstand

Ein Einsparpotential von rund 30 Prozent sieht Bohr noch bei den herkömmlichen Verbrennungsmotoren. Dieses Ziel will Bosch durch Weiterentwicklung der Einspritzsysteme für Diesel- und Benzinmotoren erreichen. Turboaufladung soll kleinere Motoren mit weniger Verbrauch bei gleicher Leistung ermöglichen. Eine neuartige Start/Stopp-Automatik des Motors, die beim Halt an der roten Ampel, aber auch sogar während der Fahrt beim Ausrollen den Antrieb abschaltet, könnte den Verbrauch insgesamt um rund zehn Prozent reduzieren.

Internet und Elektronik

Bei der Vision des unfallfreien Fahrens spielen elektronische Stabilitätsprogramme eine entscheidende Rolle. So werden aufgrund gesetzlicher Regelungen demnächst in Europa, in den USA und Australien keine Neufahrzeuge mehr zugelassen ohne einen Schleuderschutz, wie ihn Bosch als erstes Unternehmen auf den Markt gebracht hat.

Neben Sicherheitsaspekten werde in Zukunft auch das Internet, also die Vernetzung des Fahrzeugs zum wichtigen Verkaufsargument: "Junge Neuwagenkäufer wollen auch im Straßenverkehr am Internet teilhaben", sagt Bohr, "und hier kommen zwei Themen ins Spiel, an denen Bosch gleichermaßen intensiv arbeitet: Infotainment und autonomes Fahren."

Infografik: die größten Autozulieferer 2010 (Grafik: DW, Per Sanders))

Elektromobilität gehört die Zukunft

Und dann wäre da noch das große Thema "Elektromobilität", das sogar die Machtverhältnisse in der gesamten Autoindustrie durcheinander wirbeln könnte.

Noch sitzen die Hersteller im Vergleich zu ihren Zulieferern am längeren Hebel: Die Hersteller vergeben die Aufträge nach ihrer Wahl. Dabei können sie die Preise drücken, denn für einzelne Teile am Fahrzeug stehen in der Regel immer mehrere Lieferanten zur Verfügung.

Das könnte sich vor allem durch neue Erfindungen im Bereich der Elektromobilität bald ändern, meint Willi Diez, Professor für Automobilwirtschaft an der Hochschule Nürtingen-Geislingen. Er sich sicher, dass es künftig Bereiche geben werde, in denen der Hersteller stärker vom Lieferanten abhängig seien als umgekehrt. "Die Batterie ist das Schlüsselelement beim Bau leistungsfähiger Elektrofahrzeuge, genauso wie das Thema Elektromotoren – das sind Felder, wo bisher die Automobilhersteller wenig gearbeitet haben", so der Autoexperte im Gespräch mit DW-WORLD.DE.

Fertigung von Elektromotoren bei Bosch am Standort Hildesheim (Foto: Bosch)

Kernkomponente: Fertigung von Elektromotoren

Und gerade in diesem Zusammenhang sieht Manager Bernd Bohr die Bosch Fahrzeugtechnik besonders gut aufgestellt: "Denn unsere Domäne ist die Elektrik und Elektronik – und deren Wertschöpfungsanteil liegt in bisherigen Fahrzeugen bei 40 Prozent. In künftigen Elektroautos aber wird er 75 Prozent erreichen."

Partnerschaften und Kooperationen

Alleine für Forschung und Entwicklung rund um die Komponenten zur Elektrifizierung des Antriebsstranges wendet Bosch jährlich 400 Millionen Euro auf. Rund 800 Ingenieure arbeiten an diesem Thema. Um die Kosten nicht ausufern zu lassen, sind Partnerschaften gefragt. So werden in einem Gemeinschaftsunternehmen mit dem südkoreanischen Samsung-Konzern Batteriezellen gefertigt.

Infografik Mitarbeiter bei Bosch 2010 (Grafik: DW, Per Sander)

Mit dem wie Bosch in Stuttgart beheimateten Daimler-Konzern ist eine Partnerschaft zur Entwicklung von Elektromotoren bereits beschlossene Sache – ein Premium-Hersteller und der Zulieferer werden bei diesem Projekt auf Augenhöhe zusammen arbeiten. "Das ist schon etwas ganz Besonderes und zeigt natürlich, dass Bosch da eine sehr starke Position hat", sagt Auto-Experte Diez.

Zulieferer auf dem Vormarsch

Die Zulieferer sind ein wesentlicher Bestandteil der Autoindustrie. Ihr Anteil an der Wertschöpfung beim Fahrzeugbau liegt bereits heute über dem der Hersteller. Kommt der Elektroantrieb, wird sich dieser Trend noch verstärken. Als erfolgreichster Autozulieferer der Welt setzt Bosch dabei immer wieder neue Maßstäbe in der Branche.

Fahrzeugtechnik ist der ertragreichste Unternehmenszweig der ständig expandierenden Bosch-Gruppe – er trägt 60 Prozent zum Gesamtumsatz bei. Insgesamt wurden mit Kraftfahrzeug-, Industrie- und Gebäudetechnik sowie mit Gebrauchsgütern wie Haushaltsgeräten im Jahr 2010 mehr als 47 Milliarden Euro Umsatz erzielt. Aus der Hinterhof Firma, die vor 125 Jahren in Stuttgart von dem genialen Techniker und Tüftler Robert Bosch gegründet wurde, ist mittlerweile ein Weltkonzern mit rund 285.000 Mitarbeitern geworden.

Autor: Klaus Ulrich
Redaktion: Henrik Böhme

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