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Wirtschaft

Deutsche Automobilindustrie entdeckt Indien

In Indien wurden im vergangenen Jahr mehr als 1,3 Millionen Autos zugelassen. Auch deutsche Automobilunternehmen wollen von dem Boom auf dem südasiatischen Subkontinent profitieren.

VW-Vorstandsmitglied Hans-Dieter Potsch, der deutsche Botschafter in Indien Bernd Muetzerlburg und Vilasrao Desmukh, Minister des Bundesstaates Maharashtra

Besiegelt: Investitionsvereinbarung zwischen Volkswagen und dem indischen Bundesstaat Maharashtra

Die Tendenz ist rapide steigend: Indiens Autoproduktion wächst um derzeit 17 Prozent im Jahr. Diese Perspektive lockt auch die deutsche Autoindustrie, die bisher eher auf China als Partner in Asien gesetzt hat. Noch sind deutsche Hersteller auf dem Subkontinent eher marginal vertreten.

DaimlerChrysler will im indischen Bundesstaat Maharashtra eine neue Fabrik bauen. Ab 2009 sollen dort jährlich 5000 Mercedes-Limousinen vom Band laufen. Rund 44 Millionen Euro will der Stuttgarter Autokonzern investieren. Auch Volkswagen hat kürzlich einen Vertrag unterzeichnet für den Bau eines kompletten Autowerks in Indien. Mit 410 Millionen Euro soll das die bisher größte Einzelinvestition in Indien werden. Auch Audi will nachziehen. Und die VW-Tochter Skoda produziert seit zwei Jahren mit Erfolg vor Ort.

"In höherwertige Segmente investieren"

Ein DaimlerChrysler Mitarbeiter hält im Mercedes-Werk in Sindelfingen mit weißen Handschuhen einen Mercedes Stern in der Hand.

Markenbewusst: Deutsche Luxusfahrzeuge sind ein 'Statement'

"Der indische Pkw-Markt hat für uns ein enormes Wachstumspotenzial", meint Thomas Becker, stellvertretender Geschäftsführer des Verbands der deutschen Automobilindustrie. Dies sehe man daran, dass die deutschen Hersteller im Jahr 2006 doppelt so schnell wie der Gesamtmarkt, mit über 33 Prozent gewachsen seien, erklärt Becker. Bisher hätten sie nur einen Marktanteil von gut einem Prozent, aber die Strukturen seien in Veränderung. "Es ist wichtig, dass man frühzeitig auch in den höherwertigen Segmenten dabei ist", meint der Automobilexperte. "In diesen Bereichen sind die Deutschen gut aufgestellt."

Luxusfahrzeuge und Dieseltechnologie, das seien die Trümpfe der deutschen Pkw-Industrie auf dem indischen Automarkt, sagt Dilip Chenoy, Geschäftsführer des Verbands indischer Autohersteller (Society of Indian Automobile Manufacturers, SIAM): "Deutsche Autos werden wegen ihrer Technik und Robustheit geschätzt." Viele von ihnen seien technologisch hoch entwickelte und moderne Diesel-Autos. "Sie zeigen eine sehr gute Fahrleistung und unterscheiden sich sehr von dem traditionellen Image des Diesels", erklärt Chenoy. Das zweite deutsche Marken-Image seien Luxusfahrzeuge, meint Chenoy. "Die Autos selbst sind ein 'statement', eine Aussage, und sie werden deshalb von vielen Managern genutzt."

Luxuskarossen als Statussymbol

Im Luxussegment hält DaimlerChrysler nach eigenen Angaben mehr als 80 Prozent Marktanteil. Diejenigen, die in der sozialen Hierarchie ganz oben angekommen sind, zeigten ihren Status gerne mit einem Mercedes, so Chenoy. "Die Hauptkäufer sind vor allem große Wirtschaftskonzerne. Aber was im Norden von Indien mehr und mehr geschieht ist, dass eine neue Klasse von Unternehmern heranwächst, die eine neue Firma eröffnen und zum ersten Mal in die Wirtschaft gehen, oder aber ein Familienunternehmen erweitern." Sie seien geneigt, diese Autos zu kaufen, so der Geschäftsführer.

Eine junge indische Geschäftsfrau telefoniert in einem Auto.

Auch für Inder sind Luxuskarossen ein Statussymbol

Um bis zu zehn Prozent wächst Indiens Wirtschaft jährlich, es entstehen immer mehr Unternehmen und neue Wirtschaftszweige. Entsprechend stark steigt auch die Nachfrage nach Fahrzeugen. Die Regierung hat sich vorgenommen, das bisher noch mangelhafte Straßennetz zu verbessern und massiv zu erweitern. Vor diesem Hintergrund lohne sich der Aufbau einer eigenen Produktion in Indien, meinen immer mehr deutsche Pkw-Hersteller.

Auch die Zollbedingungen sprechen dafür: Ein großes Problem sind noch die hohen Importzölle auf fertige Fahrzeuge. Viel günstiger sei es, die Einzelteile aus Deutschland nach Indien zu liefern und sie dort in den eigenen Produktionshallen zusammenzusetzen, erklärt VDA-Vizechef Thomas Becker: "Das ist ein Verfahren, das in sehr vielen neuen Wachstumsmärkten als Einstieg in eine Produktion vor Ort gewählt wird." Diese Endmontage "Made in India" ändere nichts an der sprichwörtlichen Qualität, die den deutschen Produkten zugeschrieben wird, so Becker:

Forderung nach Freihandelsabkommen

Die deutschen Fabrikanten wünschen sich, dass im Zuge von Verhandlungen zwischen der EU und Indien in den nächsten Jahren ein Freihandelsabkommen zustande kommt. Damit würden die hohen Einfuhrzölle gesenkt und Investitionshindernisse abgebaut. Die deutsche Pkw-Industrie wäre in der Lage, eine größere Bandbreite von Modellen zu wettbewerbsfähigen Preisen auf dem indischen Markt anzubieten.

Umgekehrt könnte Indien leichter Autos und Fahrzeugteile nach Europa exportieren. "Wir sehen Indien als ernstzunehmenden Player im globalen Automobilgeschäft", so der stellvertretende Geschäftsführer. Indien werde ein starker Wettbewerber sein, der sich auch bereits in Westeuropa engagiere. Gleichzeitig sei das Land aber auch ein erheblicher Markt mit Chancen für Deutschland. "Deswegen tun wir auch alles um die Kooperation zwischen deutschen Unternehmen und indischen Partnern zu unterstützen", erklärt Becker. "Die Offenheit auf beiden Seiten ist sehr groß so dass wir durchaus positiv in die Zukunft blicken."

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