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Kultur

Deutsch-indischer Austausch im Luxusauto

Wenn Deutschland und Indien miteinander handeln, dann tauschen sie nicht nur Waren aus - sondern auch Vorstellungen und Bilder. Wie das funktioniert, hat das deutsch-indische Kulturprojekt "Import-Export" untersucht.

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Import-Export: Ein Mercedes transportiert auch Kultur

Als das Bollywood-Kino 2002 seinen Siegeszug antrat, da veränderte sich auch das Gesicht Indiens in der Welt. Indische Filme, indische Mode, indische Musik waren plötzlich hip - bis hin zum MTV-Clip in Bollywood-Ästhetik. Jetzt liefert Bollywood ein neues Hochglanz-Indien, passend zum erwarteten Aufstieg des Landes zur wirtschaftlichen Supermacht des neuen Jahrtausends.

Kulturaustausch im Mercedes Kunstprojekt Import-Export

Das Plakat zum Kunstprojekt Import-Export

"Hier verbindet sich eine wirtschaftliche Stärke, die im Westen durchaus ängstlich wahrgenommen wird, plötzlich mit einer Aufwertung des Kulturellen", sagen Dorothee Wenner und Merle Kröger. Sie haben als Kuratorinnen ein Kunstprojekt namens "Import-Export" aufgebaut. Sie wollen zeigen, "dass am Transfer von Gütern immer auch Kultur hängt". Künstler, Akademiker, Filmemacher und Journalisten haben mitgemacht und ihre Erkenntnisse in Bombay, Wien und Berlin präsentiert. Ein Buch fasst alles zusammen - zum Beispiel die Auswirkungen der Bollywood-Filmindustrie auf den neuen indischen Mittelklasse-Tourismus nach Europa oder den "Bollywood-Effekt" aus indischer Perspektive.

Indien im Film - und in Wirklichkeit

Der kulturelle Transfer lebt von starken Bildern - und die liefert oft das Kino, wie schon der Film "Der Tiger von Eschnapur" von Fritz Lang aus dem Jahre 1959. Mögen auch koloniale Wunschträume und schwülstige Phantasien den "Tiger von Eschnapur" durchwabern - der Mythos wirkt noch immer nach. "So oft, wie ich jetzt in Indien war und so lange, wie ich mich damit beschäftige: Dieses komische irrationale Moment, das Indien immer noch hat, das geht nicht weg", sagt Dorothee Wenner. Indien und Deutschland würden zwar in vierlerlei Hinsicht zueinander passen. Doch in ihrer Vorstellung würden viele Deutsche eher ein "Projektionsindien" sehen: "Import-Export" deckt die Unterschiede zwischen Indien und Filmindien, zwischen Europa und Filmeuropa, auf.

Ein Mercedes transportiert Kultur

Da die Indienberichterstattung äußerst lückenhaft ist, scheint es umso notwendiger, den Bilderhandel zwischen Indien und Europa genau unter die Lupe zu nehmen. Wie sehen wir Indien - und umgekehrt: Wie sehen uns eigentlich die Inder? Darüber haben Wenner und Kröger einen wunderbaren Dokumentarfilm gedreht. Er heißt "Star Biz" und geht einem der größten Bollywood-Mythen nach: dem Mercedes als Inbegriff aller Träume und persönlichen Utopien.

Kunstprojekt Import-Export

Mit Waren tauschen Indien und Europa auch Lebensgefühl aus

"Gerade in Deutschland denken ja viele immer noch: Deutsche Autoindustrie, das ist Technologie. Da geht es nur darum, wie gut ist der Stahl, die technische Verarbeitung, die Sicherheit und so weiter", sagt Kröger. "Aber das stimmt eben nicht. Auch da sind ganz viele Bilder am Start, die mitlaufen mit diesem Export." Abseits der Verkaufszahlen gilt: Wer einen Mercedes kauft, erwirbt immer auch ein Lebensgefühl.

Handel und Verständigung

Das Beispiel Mercedes in Indien zeigt: Wirtschaft und Kino, Wirtschaft und Kultur sind in der Bilderwelt längst verschmolzen. Kollektive Bilder werden von einem Land zum anderen verschoben, sie beeinflussen die Wirtschaft und die Entscheidungen über Einkäufe und Standorte. Es geht um Milliarden. Wer aber die Kultur des anderen nicht versteht, der hat in dieser Welt keine Chance. Ohne interkulturelle Kompetenz kein Kapital.

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