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Wirtschaft

Deutsche Autobauer stecken fest zwischen Finanzkrise und hausgemachten Fehlern

Die Autoindustrie warnt vor Absatzeinbrüchen. Umweltschützer werfen der Branche vor, für die Krise selbst verantwortlich zu sein: Die Autokonzerne hätte sparsamere Autos bauen sollen. Viele Arbeitsplätze sind gefährdet.

Autokarrosserie (Quelle: DPA)

Daimler verkaufte im Oktober 17 Prozent weniger Fahrzeuge als im Oktober 2007

Mit düsteren Prognosen geht die deutsche Autoindustrie ins nächste Jahr. Der Absatzeinbruch wird sich 2009 noch verschärfen, warnt der Verband der Autoindustrie (VDA). Der Verband geht davon aus, dass im kommenden Jahr nur 2,9 Millionen Neuwagen verkauft werden, so viele wie zuletzt im Jahr 1990.

Deutsche Konzerne in Gefahr

Autofabrik Ford (Quelle: AP)

Noch rollen die Autos bei Ford vom Band

Die Branche ist verunsichert. Bis zu 100.000 Stellen könnten in den nächsten zehn Jahren wegfallen, heißt es, womöglich würden sogar Auto-Giganten wie Daimler und BMW die Krise nicht überleben. Schon jetzt ist der Absatz eingebrochen: BMW zum Beispiel verkaufte im Oktober 10 Prozent weniger Autos als im Vorjahresmonat, VW 8 Prozent und Daimler sogar 17 Prozent.

Und im November brach der deutsche Automarkt nach neusten Berechnungen des Kraftfahrtbundesamtes um rund 18 Prozent ein. "Die Krise wird auch Auswirkungen auf die Beschäftigung haben", warnte VDA-Präsident Matthias Wissman. Schon im September seien im Vergleich zum August 1850 Stellen gestrichen worden, vor allem die von Zeitarbeitern.

Die falsche Produktpalette…

Autofabrik BMW (Quelle: AP)

Zehn Prozent weniger Autos verkauft: BMW

Einzelne Autobauer denken bereits über längere Produktionspausen um Weihnachten und an Ostern nach. Aber steht es wirklich so schlimm um die deutsche Autoindustrie? Für Marc Specowius sind die VDA-Warnungen vor allem "Jammern auf hohem Niveau". So habe zum Beispiel Daimler seine Gewinnprognose für 2008 bisher nicht sonderlich stark senken müssen, argumentiert der Verkehrsexperte der Umweltorganisation Greenpeace – von anfangs 7,7 Milliarden Euro auf immer noch mehr als sechs Milliarden Euro.

Die Autoindustrie in Deutschland sei allerdings dann ernsthaft in Gefahr, wenn sie sich weiter weigere, sparsamere Autos zu produzieren, warnt Specowius: "Die Autoindustrie setzt seit Jahrzehnten auf die falschen Autos." Immer noch seien die angebotenen Autos zu schwer, hätten einen unnötig hohen Verbrauch und würden zu viel CO2 ausstoßen. Kein Wunder also, wenn in Zeiten hoher Benzinpreise keine Autos verkauft werden, findet Specowius.

…oder Folge der Finanzkrise?

Autofabrik Opel (Quelle: AP)

Opel will wegen der Krise beim Mutterkonzern General Motors Staatsbürgschaften

Brancheninsider sind da skeptisch. "Selbst wenn wir nur sparsame Autos gebaut hätten, wäre die Kaufzurückhaltung ähnlich", argumentiert Stefan Reindl, stellvertretender Direktor des Instituts für Automobilwirtschaft an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen (IFA), das unter anderem für den VDA und die Daimler AG arbeitet.

Reindl verweist auf Frankreich: Dort hätten Kleinwagenhersteller wie der Autobauer PSA Peugeot Citroen noch stärkere Absatzeinbrüche als die deutschen Automobilhersteller. Die Absatzkrise sei Folge der allgemeinen Finanzkrise, ist Reindl sich sicher: "Die deutsche Autoindustrie hat den Strukturwandel nicht verpasst."

Autos nicht sparsam genug

Doch selbst wenn die Produktpalette nicht veraltet sein sollte – Tatsache ist, das deutsche Autos eigentlich sparsamer und umweltfreundlicher sein müssten. Denn 1998 hat sich die Autoindustrie freiwillig darauf verpflichtet, den Kohlendioxid-Ausstoß pro gefahrenem Kilometer auf 140 Gramm zu senken. Eingehalten wurde das nicht: 2006 lagen die deutschen Autobauer erst bei 172,5 Gramm.

Umweltschützer fordern deshalb schärfere Abgasregelungen, um die Autobauer zu technischen Innovationen zu zwingen. Eine Chance dafür ist ihrer Ansicht nach gerade vertan worden: Am Montag hatte die EU über eine neue Obergrenze für den Kohlendioxid-Ausstoß von Autos verhandelt. Die EU-Kommission wollte durchsetzen, dass ab 2012 alle Neuwagen nicht mehr als 120 Gramm ausstoßen. Doch die Autoindustrie übte massiv Druck aus, jetzt müssen erst ab 2015 alle Neuwagen den neuen CO2-Werten entsprechen.

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