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Wirtschaft

Autoindustrie rast "mit einmaliger Geschwindigkeit" in die Krise

Die deutsche Autoindustrie rechnet für 2009 mit dem schlechtesten Jahr seit der Wiedervereinigung. In den USA drohen sogar Pleiten der drei großen Auto-Konzerne General Motors, Ford und Chrysler.

Wie hier bei Opel in Rüsselsheim sieht die gesamte Autoindustrie schlechten Zeichen entgegen (dpa)

Wie hier bei Opel in Rüsselsheim sieht die gesamte Autoindustrie schlechten Zeichen entgegen

Die Zahl der neu zugelassenen Autos werde 2009 erneut zurückgehen und auf etwa 2,9 Millionen schrumpfen, prophezeite der Verband der Automobilindustrie (VDA) am Mittwoch (03.12.2008). Das wäre die schlechteste Bilanz seit der Wiedervereinigung. Am Dienstag hatte das Kraftfahrtbundesamt mitgeteilt, die Zahl der Neuzulassungen in Deutschland sei im November dramatisch eingebrochen: ein Rückgang von 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

VDA: "negative Folgen für die Beschäftigung"

Verbandspräsident Matthias Wissmann sprach von einer Krise mit einmaliger Geschwindigkeit und Ausprägung. Da viele Hersteller angesichts der schwindenden Nachfrage ihre Produktion drosselten, werde der Nachfrageschwund auch negative Folgen für die Beschäftigung haben. Verlängerte Werksferien und das Auslaufen von Zeitarbeitsverträgen seien nur der erste Schritt, sagte Wissmann. In den vergangenen Monaten hätten die deutschen Unternehmen bereits 1850 Beschäftigte aus der Stammbelegschaft abgebaut. Je länger die Krise dauere, umso schwerwiegender würden die Auswirkungen, sagte Wissmann.

Weniger Neuzulassungen: BMW-Neufahrzeuge warten am Verladekai in Bremerhaven (dpa)

Weniger Neuzulassungen: BMW-Neufahrzeuge warten am Verladekai in Bremerhaven

Eine merkbare Entspannung erwartet der Hersteller- und Zuliefererverband erst 2010. Dann sei wieder mit einer wachsenden Zahl von Neuzulassungen zu rechnen. Leicht erholen könnte sich der Markt - unterstützt durch Maßnahmen wie die Aussetzung der KfZ-Steuer und die geforderte Verschrottungsprämie - bereits in der zweiten Jahreshälfte 2009. Neben der schwachen Nachfrage im Inland leiden die deutschen Hersteller auch unter rückläufigen Exporten. Mittlerweile seien die Verkäufe zudem in den als Wachstumsmotoren geltenden Schwellenländern China, Russland und Indien unbefriedigend.

US-Autobauer: "noch schlimmer als erwartet"

Am Dienstag (02.12.2008) war bekannt geworden, dass die Krise der amerikanischen Autohersteller noch schlimmer ist als zuvor bekannt. Die drei Konzerne General Motors, Ford und Chrysler ersuchten den US-Kongress um neue Kredite von insgesamt 34 Milliarden Dollar. Führende Vertreter der "Big Three" legten dem

Tief in der Krise: die US-Autobauer General Motors, Ford und Crysler (DW-Grafik: Peter Steinmetz)

Tief in der Krise: die US-Autobauer General Motors, Ford und Crysler

Kongress in Washington Reformkonzepte vor, nach denen die Hersteller durch ein Bündel von Sparmaßnahmen, den Verkauf von Marken oder durch Fusion den Fortbestand sichern wollen. General Motors (GM) will zusätzlich bis zum Jahr 2012 zusätzlich mehr als 31.500 Arbeitsplätze streichen. Die Chefs der Autobauer boten an, 2009 für das symbolische Gehalt von einem Dollar zu arbeiten. Chrysler und GM erklärten nochmals, ohne Finanzhilfe drohe den Unternehmen zum Jahresende das Aus.

Die Zeit drängt

Die Lage ist akut: Allein General Motors braucht nach eigenen Angaben bis zum Ende des Monats vier Milliarden Dollar, um das Überleben zu sichern. Auch Chrysler braucht die angefragten sieben Milliarden Dollar bis zum Jahresende. Der Grund: Die Autoverkäufe bei allen Herstellern gingen im November den 13. Monat in Folge zurück. Bei GM schrumpfte der Inlandsabsatz im November um 41 Prozent, Ford und Chrysler verkauften jeweils rund 30 Prozent weniger Fahrzeuge.

Der größte US-Autobauer GM ersuchte den US-Kongress um neue Kredite in einer Gesamthöhe von bis zu 18 Milliarden Dollar bis Ende 2009. Der Konkurrent Ford braucht bis zu neun Milliarden, hofft aber, auf das Geld nicht unbedingt zugreifen zu müssen. Die US-Abgeordneten hatten bisher nur über neue Kredite von insgesamt 25 Milliarden Dollar für die drei großen Autobauer beraten.

Die Konzernzentrale von General Motors in Detroit(AP)

Krisenstimmung in der Konzernzentrale von General Motors in Detroit

GM: "Insolvenz unbedingt verhindern"

Die GM-Ankündigung löste sofort neue Spekulationen über eine drohende Pleite aus. Das "Wall Street Journal" berichtete, die ranghohe Funktionäre der Autoarbeiter-Gewerkschaft UAW befürchteten eine Insolvenz von General Motors noch vor Weihnachten, falls die Milliarden vom Staat nicht kämen. Das Unternehmen selbst betonte, es wolle eine Insolvenz unbedingt verhindern. In Deutschland bereitet sich Opel allerdings schon seit Mitte November auf eine mögliche Insolvenz der Konzernmutter vor und bat für diesen Fall um staatliche Bürgschaften von mehr als einer Milliarde Euro. Die Bundesregierung will bis Weihnachten darüber entscheiden. Im Gegenzug für Bürgschaften verspricht die Opel-Mutter, stärker in umweltfreundliche Modelle wie den Elektrowagen Chevy Volt zu investieren sowie die Kostensenkungen zu beschleunigen. Zudem kündigte GM an, es werde seine Marken Saab und Saturn möglicherweise verkaufen. Auch ein stufenweiser Rückzug von Pontiac werde in Betracht gezogen. In den USA wolle sich der Konzern künftig auf vier zentrale Marken konzentrieren: Chevrolet, Cadillac, Buick und GMC.

Ford: "bis 2011 wieder profitabel"

Ford legte dem US-Kongress ein Konzept vor, nach dem das Unternehmen durch ein Staatsdarlehen über neun Milliarden Dollar bis 2011 wieder profitabel werden soll. Über die nächsten sieben Jahre sollen 14 Milliarden Dollar investiert werden, um den Benzinverbrauch der Ford-Flotte zu senken. Außerdem will das Unternehmen seine fünf Firmenjets verkaufen.

Chrysler: Kooperationspartner gesucht

Chrysler teilte mit, ohne staatliche Hilfe drohe dem Unternehmen im ersten Quartal des kommenden Jahres die Insolvenz. Der Konzern beantrage daher ein Darlehen in Höhe von sieben Milliarden Dollar, das noch vor Jahresende benötigt werde. Chrysler suche weiter nach Kooperationen, Allianzen. Auch wolle sich der Konzern zur Übernahme anbieten. Zuletzt hatte Chrysler Gespräche mit GM geführt. Bis 2010 solle zudem ein mit Elektromotor betriebenes Fahrzeug auf den Markt gebracht werden, teilte das Unternehmen mit.

GM, Ford und Chrysler beschäftigen allein in den USA 250.000 Menschen. Ein Kollaps der drei Konzerne würde Mitarbeiter und Zulieferer hart treffen und die gesamte Konjunktur schwer belasten. (hp)

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