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Politik

Deutsch-iranische Erfolgsstory in Gefahr

Der Streit um Irans Atompolitik belastet die engen deutsch-iranischen Wirtschaftsbeziehungen. Schützt Schröder mit seinen Wahlkampf-Äußerungen am Ende nur deutsche Wirtschaftsinteressen?

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Bereut VW schon seine Investitionen in den Iran?

In deutschen Wirtschaftskreisen ist in letzter Zeit immer öfter besorgt zu hören, dass der anhaltende Streit um die iranische Atompolitik sowie die amerikanischen Drohungen mit Sanktionen oder gar militärischen Interventionen die engen deutsch-iranischen Wirtschaftsbeziehungen zerstören könnten.

IAEO: Demonstration gegen Atomwaffen im Iran

Demonstrationen gegen Atomwaffen im Iran vor dem Hauptquartier der Internationalen Atombehörde IAEO

Dabei ähneln diese einer veritablen Erfolgsstory: Deutschland ist mittlerweile Wirtschaftspartner Nummer eins des Iran. Obgleich der Iran erst an Platz 35 der deutschen Außenhandelsstatistik steht, ist er doch ein vielversprechender Markt mit großem Zuwachspotential.

Regionale Wirtschaftsmacht

Denn der Iran gilt mit seinen knapp 70 Millionen Einwohnern als der größte Markt der Region. Zudem verfügt das Land über ein großes Potential gut ausgebildeter Arbeitskräfte und eine relativ gute Infrastruktur für Produktion und Handel. Der Iran könnte deshalb - und nicht zuletzt dank seiner zentralen Lage - zur wichtigen Drehscheibe für den Handel in der gesamten Region werden und eine ideale Basis für regionale Geschäfte der deutschen Wirtschaft abgeben.

Iran-Exporte unterstützen deutsches Wachstum

Audi Fertigung

Audi zählt zu den großen deutschen Direktinvestoren in den Iran

Aber auch das deutsche Wirtschaftsengagement im Iran selbst ist vielversprechend: Rund zwölf Prozent der internationalen Joint Ventures im Iran entfallen auf Deutschland - mit einem Volumen von immerhin einer halben Milliarde Euro. Weitaus wichtiger sind jedoch die deutschen Exporte in den Iran: Sie haben sich seit dem Jahr 2000 auf fast 3,6 Milliarden Euro verdoppelt. Allein im zurückliegenden Jahr stiegen die deutschen Exporte um ein Drittel an, und in den ersten Monaten dieses Jahres um weitere 40 Prozent. Besonders markant war die Entwicklung beim Maschinenbau: Hier haben sich die deutschen Exporte in den Iran binnen eines Jahres auf 1,2 Milliarden Euro vervierfacht.

Einige deutsche Firmen haben sogar direkt in den Iran investiert: So hat beispielsweise die Linde AG fast eine halbe Milliarde Euro in die iranische Petrochemie investiert. Deutsche Automobilhersteller wie Volkswagen und Audi haben mit Montageanlagen ihren Einstieg ins Iran-Geschäft versucht.

Schröder macht Iran zum Wahlkampfthema

Wahlkampfauftakt in Hannover: Schröder

Schröder macht Iran zum Wahlkampfthema

Deutschland ist aber auch Partner der "E3" - der drei europäischen Staaten, die die Atomverhandlungen mit dem Iran geführt haben. Diese Verhandlungen gerieten allerdings durch den iranischen Neubeginn von Uran-Aufbereitung in eine Sackgasse. Die "E3" hatten sich kurz davor spürbar der amerikanischen Position angenähert, die umfassende iranische Zugeständnisse fordert.

Nur bei der amerikanischen Androhung von Sanktionen oder gar von militärischer Intervention ist man - besonders in Deutschland - zögerlich: Die klare Absage des Bundeskanzlers an eine militärische Option mag mit dem deutschen Wahlkampf zusammen hängen. Sie soll aber bestimmt auch die deutschen Wirtschaftsinteressen gegenüber dem Iran schützen.

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