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Asien

"Deutsch an 1000 Schulen" in Indien geplant

Ein ehrgeiziger Plan: Bis 2017 soll an 1.000 Schulen in Indien Deutsch als erste Fremdsprache eingeführt werden. Deutschland verspricht sich davon einen Schub bei der Anwerbung von Fachkräften.

Das Goethe-Institut in Delhi. (Foto: Goethe-Institut)

Das Goethe-Institut in Delhi

Schmeicheleien und hartes Geschäft. So könnte man die deutsch-indischen Regierungskonsultationen im April 2013 in Berlin umschreiben. Immer wieder warb die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel für Deutschland als Standort, gab sich bei der Pressekonferenz mit dem indischen Premierminister Manmohan Singh charmant und offen: "Ich darf allen, die aus Indien gekommen sind, sagen: Inzwischen gibt es eine Vielzahl von Studiengängen in Deutschland, die in Englisch abgehalten werden. In Deutschland sind Studenten aus Indien sehr willkommen."

Derzeit studieren in Deutschland nur etwa 6.000 indische Studenten - zum Vergleich: aus China sind es 25.000. Viele geben die deutsche Sprache als größte Hürde an. Und auch Indiens hochqualifizierte Elite von IT- und Telekommunikationsspezialisten, Wissenschaftlern und Ingenieuren zieht es eher in das englischsprachige Ausland - in die USA, nach Großbritannien, Australien oder Kanada - wo trotz vielfältiger europäischer Initiativen wie der "BlueCard" die Abschlüsse leichter anerkannt werden.

Der Fachkräftemangel in Deutschland, der bis 2030 Untersuchungen zufolge in einigen Branchen aufgrund der demographischen Entwicklung eklatant sein wird, ist die "Achillesferse der deutschen Wirtschaft", bestätigte auch Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen kürzlich. Vor allem in Mathematik, Informatik und den Naturwissenschaften fehlt schon jetzt der Nachwuchs.

Auswahl der Schulen wurde getroffen

Kinder strömen aus einer staatlichen Schule am östlichen Stadtrand von Delhi (Foto: Sandra Petersmann) Datum: 19.11.2012

1000 Deutschschulen in Indien bis 2017

Dabei genieße Deutschland in Indien einen ausgezeichneten Ruf, sagt Puneet Kaur vom Goethe-Institut in Neu Delhi der Deutschen Welle: "Das Image Deutschlands in Indien ist extrem positiv. Hohe Qualität, herausragende Ingenieurleistungen, all dies wird mit Deutschland assoziiert." Auch für die deutsche Kultur gebe es Interesse, und natürlich, vor allem bei den Jungen, an deutschen Autos.

Kaur ist Leiterin des Projekts "Deutsch an 1.000 Schulen" beim Goethe-Institut und dafür verantwortlich, dass bis 2017 Deutsch als erste Fremdsprache an den 1.000 Schulen der staatlichen Kette Kendriya Vidyalaya eingeführt wird. Unterstützt wird das Projekt vom Goethe-Institut und dem Auswärtigen Amt.

Zwar haben viele private und staatliche Schulen in Indien Deutsch, Französisch oder Spanisch als freiwillige Fremdsprache angeboten. Doch flächendeckend Deutsch verpflichtend als erste Fremdsprache neben Hindi und Englisch einzuführen, ist in dieser Größenordnung ein einzigartiges Projekt. Die Kendriya Vidyalay-Schulen genössen einen ausgezeichneten Ruf in Indien, betont Kaur: "Diese Schulen werden von einer autonomen Vereinigung überwacht, die ihren Sitz in der Hauptstadt Neu Delhi hat. Sie wurden vor über 50 Jahren für Kinder von Beamten und Mitarbeitern staatlicher Organisationengegründet, die oft versetzt werden." Die Kinder sollten nicht darunter leiden, dass sie es in jedem Bundesstaat mit anderen Lehrplänen und Unterrichtsmaterialien zu tun haben.

Suche nach motivierten Lehrern

Allerdings ist das Lehrergehalt in Indien nicht sehr üppig. (Foto: ddp images/AP Photo/Mukhtar Khan)

Allerdings ist das Lehrergehalt in Indien nicht sehr üppig

Bisher gibt es nur sehr wenige Inder, die Deutsch sprechen. Zehn Goethe-Institute gibt es im ganzen Land. Qualifizierte Deutschlehrer zu finden sei daher die größte Herausforderung, sagt Projektleiterin Puneet Kaur: "Im Moment haben wir etwas mehr als 300 Deutschlehrer gefunden. Ende 2013 sollen es 400 sein." Kaur besucht Sprachschulen und Universitäten, die Germanistik und ähnliche Studiengänge anbieten, und versucht, die Studenten für das Projekt zu gewinnen. Die mehrmonatige pädagogische Zusatzausbildung ist kostenlos. Wichtig ist nur, dass die zukünftigen Lehrkräfte ihren Schülern beim Deutschlernen voraus sind. "Ausreichende Grundkenntnisse", so ist zu hören, reichen zunächst einmal für den Einstieg.

Eine Hürde für das Projekt könnte sein, dass in Indien das Lehrergehalt nicht sehr üppig ist. Es liegt bei etwa 25.000 bis 30.000 Rupien (380 bis 460 Euro). Nur wenige Sprachschüler entscheiden sich daher für den Lehrerberuf und wandern lieber in die Wirtschaft ab. Viele Schulen von Kendriya Vidyalay befinden sich zudem in Kleinstädten und abgelegenen Regionen. Die Klassen sind mit bis zu fünfzig Schülern sehr groß.

Und dennoch: "Als wir vor etwa 14 Monaten mit der Umsetzung des Projekts begonnen haben, habe ich zunächst gedacht, dass dies nicht funktionieren kann", erinnert sich Kaur. "Immerhin denke ich jetzt nicht mehr so. Es ist viel Arbeit, es wird eine Zeit in Anspruch nehmen. Aber wir werden das schaffen." Mit dem Deutschlandjahr in Indien, dass vor kurzem zu Ende ging, und dem Indienjahr in Deutschland, das noch läuft, wird mit einer Vielzahl kultureller Veranstaltungen zudem der Initiative ein Rahmen verliehen. Damit es bis 2017 an 1.000 Schulen in Indien heißt: Hindi, Englisch, Deutsch.

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