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Asien

Shah Rukh Khan ist das Gesicht Bollywoods

Spätestens der Auftritt des indischen Superstars bei der Berlinale zeigte, dass Shah Rukh Khan auch in Deutschland bei einer großen Fangemeinde überaus beliebt ist. Sein Erfolg ist ein weltweites Phänomen.

Ob jung oder alt: In Indien gilt Shah Rukh Khan als Halbgott. Fast alle Filme des 47jährigen sind Megahits. Als Schauspieler, Produzent, Werbestar oder Showmaster im Fernsehen wird er mit Auszeichnungen überschüttet und ist inzwischen Milliardär. Für die indischen Medien ist Shah Rukh Khan, oder kurz SRK, der "König von Bollywood". Dabei macht den bescheidenen Shah Rukh Khan sein Erfolg selbst stutzig. Nach dem frenetischen Empfang in Deutschland bei der Berlinale, als hunderte Fans stundenlang bei Minusgraden für einen kurzen Blick auf ihr Idol ausharrten, sagte er im Gespräch mit der Deutschen Welle: "Nachdem ich hier in Deutschland derart warm empfangen wurde, habe ich mich für einen kurzen Moment selbst gefragt, ob ich etwa selbst Deutscher bin oder die Deutschen eigentlich Inder."

Star mit Familienwerten

Die Filmkritikerin Shubhra Gupta aus Neu Delhi hält Shah Rukh Khan derzeit für den Indiens Filmstar mit dem größten Charisma, der weltweit die Menschen in seinen Bann schlagen kann und trotzdem nicht als unerreichbar gilt: "Er hat inzwischen das positive Image eines Familienmenschen. Er ist Vater und Ehemann. Oft hat er betont, dass er nur solche Filme machen will, die auch seinen Kindern gefallen." Ob als gebrochener Held, Lover oder eben Familienvater: seine Rollen hat Khan seinem persönlichen Lebensweg angepasst, was ihn für seine Fans glaubwürdig macht.

Shah Rukh Khan und seine Ehefrau Gauri (Foto: Getty Images)

Shah Rukh Khan und Ehefrau Gauri führen eine skandalfreie Ehe

Khan studierte zunächst Wirtschaftswissenschaften, trat dann in Theater- und Fernsehproduktionen auf. Erst mit Mitte 20 - was im indischen Filmgeschäft als spät gilt - drehte er seinen ersten romantischen Film "Deewana" (Der Verliebte). Danach experimentierte er mit dunklen Charakteren und Psychopathen in Filmen wie "Darr" (Angst), "Baazigar" (Der Spieler) und "Anjaam" (Die Konsequenz), bevor er sich wieder dem romantischen Genre zuwendete. Zu seinen bekanntesten in Deutschland gezeigten Filmen gehören "In guten wie in schweren Tagen" von 2001, "Lebe und denke nicht an morgen" von 2003 und "Om Shanti Om" von 2008. Khan kommt inzwischen auf knapp hundert Filmrollen. Sogar ein Tabubruch konnte seiner Karriere nicht schaden. Seine Frau Gauri, die er 1991 heirate, gehört dem hinduistischen Glauben an. Das Ehepaar hat zwei Kinder. Für viele im noch immer konservativen Indien ist eine solche Verbindung zwischen einem Muslim und einer Angehörigen der Hindu-Gemeinschaft nicht akzeptabel.

Bollywoods Siegeszug

Manche Besonderheiten des Bollywoodkinos wie die Musik- und Tanzszenen scheinen auf den ersten Blick nicht geeignet, ein weltweites Publikum anzusprechen. Die Bollywood-Filme, die der deutsche Fernsehsender RTL 2 seit 2005 ausstrahlt, wurden zwar synchronisiert, die Lieder wurden aber in Hindi belassen. Für Shah Rukh Khan nichts Besonderes: "Ich glaube nicht, dass es bei unserer Art des Kinos oder bei den Liedern darum geht, die Sprache zu verstehen. Es geht darum, was die Menschen fühlen."

Seit einigen Jahren werden die großen Blockbuster des Bollywood-Kinos nicht nur für kurze Zeit in großen Städten wie Köln, München oder Hamburg gezeigt. Durch Filmverleiher wie "Rapid Eye Movies" laufen viele Filme auch deutschlandweit in den Kinos an. Die Journalistin und DW-TV-Moderatorin Monika Jones hat Shah Rukh Khan mehrfach interviewt und beschreibt ihn als "charmant, geistreich und sehr klug." Monika Jones meint, Shah Rukh Khan habe eine gute Wirkung auf die Deutschen gehabt. "Vieles muss hier immer ernst sein, man zeigt seine Gefühle nicht. Das tut schon gut, diese mal rauszulassen."

Gesicht und Botschafter Bollywoods

Shah Rukh Khan in Berlin 2012 (Foto: Getty Images)

"Einfach ein exzellenter Botschafter"

Doch auch Bollywood hat sich verändert. Der technische Standard der Filme ist besser geworden, die Themen spiegeln immer mehr einen westlichen Lebensentwurf, ihre filmische Sprache ist globaler geworden. Die Filmemacherin und Kuratorin Dorothee Wenner aus Berlin betreut seit langem die Auswahl indischer Filme für die Berlinale und kennt Shah Rukh Khan gut. Für wie groß hält sie seine Rolle beim Siegszug des indischen Kinos? "Mit dieser Frage beschäftigen sich inzwischen vier Universitäten in Europa", sagt Wenner. Es gibt ihrer Meinung nach nicht nur einen Faktor. "In Indien sind die letzten beiden Filme Shah Rukh Khans hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Andere Stars laufen ihm den Rang ab, manche sagen sogar, er sei inzwischen zu alt. In Deutschland kommt all das erst zeitversetzt an." Doch Wenner betont, dass Khan sicherlich einen großen Anteil am weltweiten Erfolg des Bollywood-Kinos hat: "Er ist einfach toll und ein exzellenter Botschafter."

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