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Wirtschaft

Der Weg zum Internet der Dinge

Das Internet der Dinge wird kommen - unklar nur noch, wie umfassend es schließlich sein wird. Doch damit es sich entwickeln kann, muss einiges passieren, berichtet Janelle Dumalaon zum Abschluss der MWC16 aus Barcelona.

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MWC zeigt das Internet der Dinge

Beim Schlendern durch die Messehallen des Mobile World Kongress (MWC) in Barcelona, umgeben von all den Neuigkeiten der Branche, zwischen Informationsmaterial und kleinen Aufmerksamkeiten für den Messebesucher, drängt sich ein Gedanke auf: Wie sähe es beim MWC aus, wenn das Versprechen, alles mit allem dauernd zu verbinden, schon eingelöst, das Internet der Dinge also bereits Realität wäre?

Würde das Hemd, das ich trage, meinen Hunger bereits registriert haben, einen Ausstellungsplan konsultieren und mich zum nächsten Würstchenstand führen? Würde es, wenn ich mein Würstchen verdrückt hätte, einen Mülleimer zu mir schicken, damit ich Besteck und Plastikteller dort hinein werfen könnte? Und dann müsste natürlich auf dem Boden eine Lichtleiste, die nur mir gilt, aufblinken und mir den Weg zum nächsten Meeting weisen, von dem die Dinge um mich herum alle genau wissen, wann und wo es ist und dass es ein Termin ist, den ich nicht verpassen darf.

Ein solches Zukunftsszenario wäre noch ziemlich bescheiden. Aber im Kern beschreibt es genau, worum es sich beim Internet der Dinge handelt: Alles und jedes wäre mit Sensoren ausgerüstet, die miteinander kommunizieren und Daten speichern.

"Mit dieser Technologie, also mit Sensoren, die wir überall, wo es möglich ist, eingebaut haben, können wir landwirtschaftliche Probleme lösen, Nahrungsmittel verteilen, die Wasserversorgung steuern", sagt Chuck Robbins, CEO von Cisco - der Konzern stellt Hardware-Komponenten für Netzwerke her. "Bei der Verbindung von Aufzügen, bei Bergbau-Vorhaben, bei der Organisation von Arbeitsabläufen - überall werden neue Applikationen gebraucht."

Die vierte industrielle Revolution

Ganze Branchen versuchen inzwischen herauszufinden, was es mit dieser sogenannten vierten industriellen Revolution genau auf sich hat - mit dem vierten Schritt nach der Erfindung der Dampfmaschine, der Einführung der Massenproduktion und dem Beginn des Informationszeitalters.

Ford beispielsweise war schon auf den vergangenen Messen in Barcelona präsent. Diesmal stellt der US-Autobauer den Kuga vor. Dieses "connected car" verfügt bereits über Fähigkeiten, die ein halb-automatisiertes Fahren ermöglichen: Er hat ein selbständiges Brems- und Parksystem.

"In den kommenden fünf Jahren werden wir unsere Forschungsausgaben verdreifachen, um Fahrer-Assistenz-Systeme und halb-automatische Auto-Techniken zu entwickeln", kündigte Ford-Vorstand Marl Fields an. "Darunter sind auch Stauumgehungssysteme und ein aktiver Park-Assistent."

Genau dahin, zur vollständigen Automatisierung des Autoverkehrs, ist die ganze Branche unterwegs. Ford sagte beim MWC, seine Firma werde in diesem Jahr die größte Flotte autonom fahrender Wagen der ganzen Branche aufbauen und versprach: "In diesem Jahr beginnen wir mit den Tests in Kalifornien."

USA Zentrale von AEP - Server

Ein Kraftwerk in den USA: Es wird von einem Netzwerk gesteuert, das aus Sicherheitsgründen außerhalb des 'normalen' Firmennetzwerkes läuft.

Besonders auf Technologie-Messen wie hier in Barcelona diskutieren Manager die vielfältigen Möglichkeiten des Internets der Dinge mit beinahe atemloser Vorfreude. Dabei, so streicht es Frank Kern vom Software-Hersteller Aricent heraus, fehle es aber vor allem an verbindlichen Standards.

"Sie können bereits Lampen kaufen, die sich selbst an- und ausschalten - aber nur in jeweils ihrem eigenen System. Wir haben keine Absprachen zwischen einzelnen Firmen oder gar über Branchen hinweg", bemerkt Kern. "Aber die großen Unternehmen werden sich zusammenraufen und dabei Standards entwickeln - einfach, weil es für ihr Geschäft unerlässlich ist."

Sicherheit ist ein großes Thema

Und dann bleibt da noch die Frage: Wie sicher ist das alles? In einer Zeit, in der immer mehr Dinge und Menschen miteinander verbunden werden und der Datenaustausch immer mehr zunehmen wird, müssen auch Verschlüsselungssysteme immer umfangreicher werden.

"Eines darf nicht untergehen: Je mehr wir machen von dem, was uns die neuen Technologien ermöglichen - wir dürfen nie vergessen, dass es immer auch um Menschen geht", merkt Chuck Robbins von Cisco an. "Wir brauchen unbedingt Verschlüsselungssysteme, um die Privatsphäre der Menschen zu schützen, wenn wir beispielsweise Gesundheitsdaten über das Internet austauschen."

Das sei gar nicht so einfach, betont das spanische Startup Enigmedia, aber es könne und müsse unternommen werden. Mit dem Internet der Dinge werde alles zu einem "Device", das für sich allein aber nicht so mächtig ist wie ein Smartphone, sagt Gerard Vidal, Gründer von Enigmedia. "Da ist es schwierig, in jedes Device eine Verschlüsselungstechnik einzubauen. Oft haben sogar sensible Systeme, die etwa in Kraftwerken sicherheitsrelevante Daten erheben und verarbeiten, überhaupt keine Verschlüsselung."

Sicherheit und Qualität

Seine Firma habe einen Weg gefunden, die Sicherheit der Sensoren zu verbessern, ohne die Messsensoren selbst verändern zu müssen. Das bewiese, dass es möglich sei, die Sicherheit in Systemen zu erhöhen, in denen Milliarden einzelner Sensoren untereinander Daten austauschen.

Frank Kern von Aricent fordert, die Hersteller in die Pflicht zu nehmen, für höchstmögliche Sicherheit bei den Produkten zu sorgen, die mit dem Internet verbunden sind. "Bislang haben Unternehmen nicht genug für die Sicherheit getan", sagt er. "Sie erklären auch nicht, wie sie Daten schützen." Daher fordert er: "Firmen müssen zertifiziert werden, sie sollten sich Sicherheitsüberprüfungen unterziehen müssen. Für Unternehmen müssen Sicherheit und Qualität die Kriterien sein, an denen sich ihr Erfolg misst."

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