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Afrika

Der vergessene Konflikt in Darfur

In den letzten Monaten hat die Weltöffentlichkeit vor allem in den Südsudan geschaut, der seit Anfang Juli ein unabhängiger Staat ist. Der Konflikt in Darfur trat in den Hintergrund - dabei ist die Lage weiterhin prekär.

Rebellen im Süden Darfus (Foto: dpa)

Rebellen der Sudanesischen Befreiungsarmee (SLA) patrouillieren im Süden Darfurs

Die Zahlen sprechen für sich: 300.000 Tote und bis zu 2,7 Millionen Vertriebene. So viele Opfer forderte nach Schätzungen der Vereinten Nationen der Bürgerkrieg in der westsudanesischen Provinz Darfur in den vergangenen acht Jahren. Seit 2003 tobt dort ein blutiger Konflikt zwischen verschiedenen Rebellengruppen und den Truppen der Regierung. Unzählige Friedensabkommen zwischen den Konfliktparteien konnten der Region bisher keinen dauerhaften Frieden bringen. Erst Mitte Juli 2011 hat es erneut ein Friedensabkommen zwischen der Regierung in Khartum und Rebellen in Darfur gegeben.

"Frieden auf dem Papier"

Menschen mit Kanistern an einer Wasserstelle (Foto: UN)

Die Versorgung der Bevölkerung in Darfur bleibt nach wie vor ein Problem

Doch von einem wirklichen Frieden könne noch lange keine Rede sein, erklärt Ulrich Delius, Afrika-Referent der Gesellschaft für bedrohte Völker, gegenüber DW-World.DE. "Wir haben in Darfur im Prinzip einen Frieden auf dem Papier, aber leider keinen Frieden vor Ort. Menschen beklagen sich, dass sie nicht zurückkehren können in ihre zerstörten Dörfer, dass es keine Sicherheit gibt." In Darfur herrsche sehr viel Willkür und Rechtlosigkeit, und man könne nicht einmal ansatzweise von Frieden und schon gar nicht von Versöhnung sprechen.

Nach der Unabhängigkeit des Südsudan Anfang Juli 2011 hat sich politisch im Sudan einiges verändert. Doch wirkt sich die Verschiebung der Machtverhältnisse auch auf die Lage in Darfur aus? "In gewisser Weise schon", meint Ulrich Delius. Die sudanesische Regierung steuere noch einmal einen härteren Kurs gegenüber Darfur. Damit wolle sie verhindern, dass sich die Region ebenfalls abspalte.

Auch der Sudan-Experte Peter Schumann glaubt nicht an einen baldigen Frieden in Darfur. Er ist Gastwissenschaftler an der Universität Konstanz und war jahrelang als führender Mitarbeiter für die UN-Mission im Sudan tätig. "Die Sicherheit ist nicht gewährleistet. In Darfur sind die staatlichen Institutionen mehr auf der Verfolgerseite, als dass sie wirklich die Verantwortung für den Schutz der Bevölkerung wahrnehmen würden."

UNAMID agiert häufig zu spät

Chinesische UN-Soldaten in Darfur (Foto: AP)

Soladaten aus aller Welt sind an UNAMID beteiligt

Von der Regierung ausgerüstete Milizengruppen ziehen in Darfur seit Jahren marodierend durchs Land, verüben Massaker an der Bevölkerung. Nach Schumann gab es auch in den letzten Wochen wieder Bombardierungen und Kämpfe. Die gut 26.000 Mann starke Friedenstruppe UNAMID hat bisher wenig zur Befriedung dieses Konfliktes beitragen können. Seit 2007 soll die gemeinsame Mission von Vereinten Nationen und Afrikanischer Union (AU) in Darfur eigentlich für Sicherheit und Stabilität sorgen. Das Mandat wurde inzwischen um ein weiteres Jahr bis 2012 verlängert.

Das Ergebnis des bisherigen Einsatzes sei äußerst dürftig, erklärt Ulrich Delius. Die Kommentare, die er von Menschen in Darfur höre, seien vernichtend. "Es gibt immer wieder Fälle, wo UNAMID wegschaut, wenn Menschenrechtsverletzungen begangen werden. Wenn sie dann agiert, dann häufig zu spät, oft auch ungeschickt."

Rolle der Afrikanischen Union

Frauen auf der Suche nach Feuerholz (Foto: UN)

Schutzlos: Trotz der Präsenz der Friedenstruppen werden Frauen oft Opfer von Gewalt

UNAMID habe über die Jahre demonstriert, dass sie ihrer Verantwortung nicht gerecht werden könne, kritisiert auch Sudan-Experte Peter Schumann. Trotzdem hält er den Einsatz von UNAMID grundsätzlich für sinnvoll. Politisch gesehen sei die Mission ein wichtiges Konstrukt. Der Versuch, die Afrikanische Union mit einzubeziehen, sei richtig. "Die AU muss eine wichtige Rolle bei der Konfliktlösung spielen, aber sie wird durch die anderen, manchmal auch gegensätzlichen Interessen der Vereinten Nationen doch immer wieder gelähmt", so der Sudan-Experte. "Wir haben da den Versuch einer Heirat zwischen zwei Organisationen, die eigentlich gar nicht so richtig zusammenarbeiten wollen und dadurch natürlich unglaubliche Reibungsverluste haben."

Für ein effektiveres Vorgehen bei der Verlängerung des Einsatzes müsse man sich politisch dringend etwas Neues einfallen lassen, so Peter Schumann. Und da sieht er vor allem auch Deutschland in der Verantwortung. Die Bundesrepublik müsse ihren Sitz im Weltsicherheitsrat stärker nutzen, um politische Lösungen für Darfur voranzutreiben. Deutschland beteiligt sich an UNAMID mit derzeit gut einem Dutzend Soldaten und Polizisten.

Autorin: Katrin Ogunsade
Redaktion: Stefanie Duckstein

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