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Europa

Der Stern aus Bukarest leuchtet nicht mehr

Der rumänische Fussballrekordmeister Steaua Bukarest hat offiziell das letzte internationale Spiel unter dem traditionsreichen Namen gespielt. Die Markenrechte gehören dem Vereinsgründer - der Armee.

Alles sei bestens, mögen die fachunkundigen Besucher denken, wenn sie die offizielle Website des rumänischen Traditionsvereins Steaua Bukarest anschauen. Links oben das berühmte Logo - drei rote und zwei blaue senkrechte Streifen, mit einem gelben Stern (rumän. Steaua) in der Mitte. Unten die Tabelle, die den Rekordmeister aus Bukarest auf dem komfortablen ersten Platz zeigt. Der 26. Titel ist zum Greifen nah, kaum ein rumänischer Club gilt heute als ernsthafter Herausforderer. Doch obwohl Steaua fleißig die Punkte auf dem Platz sammelt, verliert der Verein etwas viel Wichtigeres: seinen Namen, das Logo und die Vereinsfarben.

Grellgelb als erste Hilfe

Das oberste Gericht Rumäniens erkannte dem Verein vor kurzem das Eigentum an der Marke Steaua ab. Diese gehöre ausschließlich dem Verteidigungsministerium, das 1947 Steaua - ursprünglich unter anderem Namen - als Sportclub der Armee gründete. "Eigentlich machen die früheren Inhaber etwas, was man noch vor 25 Jahren mit allen Brands hätte machen müssen, und das nicht nur im Sport: einen Namen und eine Marke schützen", kommentiert der rumänische Journalist Cristian Ștefănescu. Gegenüber der DW sagt er, den Vorgang solle man nicht überdramatisieren: Ein Name könne ein bedeutendes Image-Plus sein, das sei aber schon alles.

Fußball Mannschaftsfoto Steau Bukarest Europapokal der Landesmeister 1985/1986 (Foto: Steaua Bukarest)

Sternezeiten für Steaua 1985/86: Die Mannschaft gewann den Europapokal der Landesmeister mit einem Sieg gegen den FC Barcelona

Das letzte Liga-Heimspiel gegen CSMS Jassy absolvierten die Steaua-Spieler in neutralen grellgelben Trikots mit überklebtem Wappen. Auf der Anzeigetafel, da wo Logo und Namen dargestellt werden sollen, stand bloß: Gastgeber. Mit dieser Darstellung waren die Fans aber nicht zufrieden: "Wir sind Steaua", skandierten sie wiederholt. Aber nicht alle seien über diese Entwicklung traurig, sagt Ștefănescu, ein großer Teil der Fußballöffentlichkeit in Rumänien fühle gerade Schadenfreude. "Es wird nicht vergessen, dass Steaua und der größte Rivale Dinamo Bukarest beide Produkte der kommunistischen Diktatur sind. Lange Zeit waren sie geführt und gesponsert von der Armee bzw. von der gefürchteten Geheimpolizei Securitate. So haben Armee und die Polizei jahrzehntelang den sportlichen Wettbewerb dominiert."

"Die Armee will Geld"

Doch, da sind sich die rumänischen Sportkenner einig, der Gerichtsstreit bedeutet nicht unbedingt das Aus für die Marke Steaua. Die Armee will einfach Geld für die Namensverwendungsrechte kassieren, meint Tennis-Legende Ilie Năstase, selbst ein Armee-General. "Ich bin sicher, dass es zu einer Einigung kommen wird, denn in diesem Konflikt hat niemand etwas zu gewinnen", sagt er. Eine solche Entwicklung deutete auch der Ex-Nationalcoach Anghel Iordănescu an, ebenfalls ein General, der als enger Freund des Innenministers Gabriel Oprea gilt.

Eine Geste des guten Willens zeigte die Armeeführung am vergangenen Montag (08.12.2014), als sie dem ehemaligen Europapokalsieger von 1986 erlaubte, den alten Namen noch im Spiel gegen den ukrainischen Verein Dynamo Kiew zu tragen, was von Medien als "Waffenstillstand" bezeichnet wurde. Die Begegnung war für die rumänischen Fans nicht nur wegen des Kampfes um das Weiterkommen wichtig - sie hatte auch große symbolische Bedeutung. In den glorreichen Achtzigerjahren gewann der Bukarester "Stern" den europäischen Supercup ausgerechnet gegen Dynamo Kiew. Diesmal verlor Steaua diesen Kampf mit 2:0 und schied somit aus der Europa League aus.

Dubioser Privatbesitzer

Die Zeiten der historischen Siege von Steaua sind längst vorbei, der Glanz vergangener Tage scheint nicht mehr zu erreichen sein. Zu den treuesten Steaua-Fans von damals zählte auch der stalinistische Diktator Rumäniens Nicolae Ceaușescu, der in der antikommunistischen Revolution in Dezember 1989 gestürzt und hingerichtet wurde. Nach der Wende wurde auch in Rumänien der Weg für die Privatisierung von Staatsvermögen im ganzen Land freigemacht, die Fußballvereine gehörten auch dazu.

Steaua Bucharest Besitzer Gigi Becali, Rumänien (Foto: DANIEL MIHAILESCU/AFP/GettyImages)

George "Gigi" Becali

Den Sportclub Steaua erwarb ein dubioser Wendegewinner:

George "Gigi" Becali

- nach eigenen Angaben der reichste Rumäne. Der medial omnipräsente Unternehmer mischte sich auch in die Politik ein, er saß sogar eine Zeitlang als Abgeordneter im rumänischen und dann im Europäischen Parlament. Allerdings fiel er nicht so sehr durch seine politischen Ideen auf, sondern eher wegen seiner homophoben und antisemitischen Äußerungen. Oder auch durch seine Robin-Hood-Selbstinszenierungen, etwa als er die Kosten in Höhe von 200.000 Euro beglich, die die Bürger in einem Bukarester Viertel dem Staat für Strom schuldeten.

Becali erwarb seinen Reichtum vorwiegend mit Marktspekulationen, unter anderem in einem umstrittenen Landtausch mit dem Verteidigungsministerium. "Das bedeutet, dass sich die beiden Seiten, die um die Steaua-Marke kämpfen, gegenseitig schon gut kennen", bemerkt der Journalist Ștefănescu ironisch. Eine Einigung sei daher gut vorstellbar. Allerdings könnten die Verhandlungen etwas kompliziert sein: der Fußballfan "Gigi" Becali sitzt zurzeit wegen Korruption im Gefängnis.

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