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Wirtschaft

Der sicherste Tanker der Welt

Als im Herbst 2002 der Tanker "Prestige" versank, liefen Tausende Tonnen Öl ins Meer. Eine der häufigsten Ursachen solcher Unfälle ist Maschinenversagen. Ein Hamburger Reeder baut jetzt das "sicherste Schiff der Welt".

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250 Meter vor der spanischen Küste versinkt die "Prestige" im Meer

Die Küstenabschnitte Frankreichs und Spaniens sind wieder sauber – optisch jedenfalls. Doch die Folgen der Ölpest vom Herbst letzten Jahres wirken nach Angaben von Umweltexperten fort. Als der Tanker "Prestige" im November 2002 vor der spanischen Küste versank, war er mit 77.000 Tonnen Schweröl beladen. Nach Schätzungen der Umweltorganisation World Wildlife Fund (WWF) treiben davon noch immer bis zu 10.000 Tonnen auf offener See. Mehr als 100.000 Seevögel starben. Auf die nächsten zehn Jahre gerechnet, wird das Tankerunglück der "Prestige" allein Spanien acht Milliarden Euro kosten, so der WWF. Umweltschützer und Behörden warnen, dass sich eine solche Katastrophe jederzeit wiederholen kann.

Sicherheits-Risiko Nummer Eins: Maschinenversagen

Eine der Hauptursachen von Tanker-Unfällen sei das Versagen der Antriebsmaschinen, sagt Günter Kordts von der Hamburger Reederei Wappen im Gespräch mit DW-WORLD. Um dem vorzubeugen, enwickelte die Wappen-Reederei zusammen mit der Lindenau-Werft in Kiel eine neue Schiffskonzeption: den SCOT 8000-Tanker. Das Kürzel "SCOT" ist Programm: Es steht für "Safety Chemical Oil Tanker". Das Besondere des Tanker-Typs und seines Prototyps "Wappen von Hamburg": Bei dem so genannten Doppelhüllentanker wird nicht nur die Außenwand gleich zweifach gebaut.

Doppelte Ausstattung erhöht die Sicherheit

"Von den Maschinen bis zur Kommandobrücke ist beim SCOT 8000-Tanker alles doppelt vohanden", beschreibt Günter Kordt das Sicherheitskonzept. Das neuartige Schiff wird mit zwei Hauptmaschinen, zwei Steuerungen und einer doppelten Löschvorrichtung geliefert, die je in einem der beiden voneinander getrennten Schiffteile liegen. Diese eigenständige maschinelle Ausstattung von Backbord- und Steuerbord könne unabhängig voneinander genutzt werden, so Kordts. Fällt etwa die Ruderanlage auf der rechten Seite aus, wird sie gefahrlos von ihrem Pendant auf der linken Seite ersetzt. Diese Redundanz macht das Schiff gerade für den Transport von Schweröl so verlässlich. Außerdem verfügt die SCOT 8000 über einen Anti-Kollisions-Radar und eine so genannte Black Box, die – wie bei Flugzeugen – Gespräche und Daten aufzeichnet. Laut Greenpeace wird der SCOT-Tanker damit zum "sichersten Schiff der Welt".

Die Idee für das Tanker-Modell hatte Günter Kordts im Jahr 1999. Drei Jahre später, am 3. Dezember 2002, konnte der Prototyp des SCOT 8000-Tankers auf den Namen "Wappen von Hamburg" getauft werden. Das vorerst letzte Schiff der sechsteiligen Tanker-Serie soll Anfang Februar 2004 fertig werden: die "Wappen von Leipzig". Alle sechs Schwesternschiffe entsprechen mit knapp 120 Metern Länge und einer Ladekapazität von 8.000 Tonnen dem gleichen Bauprinzip. Mit 17 Millionen Euro kosten sie nur etwa 6 Prozent mehr als ein gewöhnlicher Tanker. "Es gibt heute keinen Tanker, der gegen Versagen besser ausgerüstet wurde und der gleichzeitig so gut in den Kosten liegt", sagt Kordts.

Ab 2010: EU-Verbot aller Einhüllentanker

Aus Brüssel bekommt die Hamburger Reederei Rückenwind: Seit dem 21. Oktober 2003 darf in EU-Gewässern kein Schweröl mehr in einwandigen Schiffen transportiert werden. Und von 2010 an sollen alle Einhüllentanker aus dem Verkehr gezogen werden – bis vor kurzem wollte man damit noch bis zum Jahr 2015 warten. Mit der Verordnung – die im Übrigen den seit neun Jahren geltenden US-Bestimmungen entspricht – hat die EU auf das Unglück vom 13. November vergangenen Jahres reagiert. Risiko-Tanker wie die "Prestige" sind damit ab sofort zumindest auch aus Häfen der EU-Mitgliedsstaaten verbannt.

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