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Kultur

Vermeidbare Katastrophen

Der Tanker mit dem irreführenden Namen "Prestige" hat seinem Namen keine Ehre gemacht. Schwimmender Schrott vor Europas Küsten bleibt eine ständige, aber vermeidbare Gefahr für die Umwelt.

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Die "Prestige": Zerbrochen und gesunken

Am Dienstag (19.11.) ging der havarierte Öltanker unter – jetzt herrscht höchste Gefahr für die nordspanische Küste in Galizien. Zähflüssiges Schweröl droht Vögel, Fische und Pflanzen zu vergiften. Dabei ist dies nicht die erste Ölkatastrophe vor Galizien: Im Dezember 1992 war der griechische Tanker "Aegean Sea" in der Bucht von La Coruña explodiert. 100.000 Tonnen Rohöl liefen aus und hatten 200 Kilometer Küste verschmutzt.

Umweltschützer fordern seit langem härtere Vorschriften für die internationale Schiffahrt. Die Politik reagiert, aber nur langsam: Die EU, die USA und die International Maritime Organisation (IMO) haben festgelegt, dass ab 2015 nur noch doppelwandige Öltanker die Häfen anlaufen dürfen. Ein Schritt in die richtige Richtung, meint der Meeresreferent der Umweltorganisation WWF, Hans-Ulrich Rösner: "Dieser Beschluss war zwar ein Fortschritt, aber auch die Frist bis 2015 ist viel zu lang." Nach Schätzungen von Greenpeace sind derzeit immer noch mehr als 3.600 Ölfrachter unterwegs, die nicht den Sicherheitsanforderungen genügen.

Schlechte Koordination

Ein weiteres Problem ist, dass Vorbeugung meistens erst nach einem Unglück stattfindet. "Das hat vor allem die Ölkatastrophe der "Pallas" Ende 1998 im norddeutschen Wattenmeer gezeigt", meint der Fachmann vom WWF. Damals ging wertvolle Zeit verloren, weil die einzelnen Landesbehörden nicht schnell genug kooperiert hatten. In Deutschland richten die Bundesländer zur Zeit ein gemeinsames Havariekommando ein. "Aber wir befürchten, dass dieses beim nächsten Unfall auf See noch lange nicht in dem Zustand ist, dass es wirklich zu einer deutlichen Verbesserung der Situation führen würde", kritisiert Rösner.

Ölteppich erreicht Spanien

Fischfang ist an der verschmutzten Küste verboten.

Bereits seit 1991 übt die Helsinki Kommission zum Schutz der Ostsee (Helcom) die die praktische Koordination bei Ölunfällen. Jedes Jahr wird ein Unfall simuliert, zuletzt an der Küste Lettlands. Anstelle von Öl verwendet Helcom dabei Popcorn, das sich Wasser ähnlich verhält wie Öl. Zumindest die Übung im vergangenen August war erfolgreich. Innerhalb von sechs Stunden war das Leck unter Kontrolle - dank der Zusammenarbeit Lettlands mit seinen Nachbarstaaten. Aber: Diese Kooperation beschränkt sich bisher auf die Ostsee. Anderswo - wie zum Beispiel in der Nordsee - macht sich Hilflosigkeit vor technischen Problemen breit. Aus der vor der Westküste Dänemarks havarierten "Pallas" wurde noch Monate später Restöl abgepumpt.

Rostiger Schrott

Erst langsam wächst das Bewusstsein, dass auch die Auftraggeber von gefährlichen Transporten für die Bedingungen mitverantwortlich sind. Dass sie ihre Verantwortung bisher kaum wahrnehmen, zeigt der Unfall der 1999 vor der bretonischen Küste gesunkenen "Erika". Das Schiff war von dem französischen Konzern Totalfina gechartert und brach ausgerechnet vor der eigenen Küste auseinander. Nicht zuletzt deshalb schockte das Unglück die französische Öffentlichkeit.

Auffällig ist das meist hohe Alter der Unglücksschiffe. Die "Erika" war 24 Jahre alt und die "Aegean Sea" 19 Jahre. Der jetzt havarierte Unglückstanker "Prestige" ist 26 Jahre alt. Der Grund: Nach wie vor ist es billiger, ein Schiff teuer zu versichern als ein neues zu kaufen. Die Minister mehrerer Ostsee-Anrainerstaaten haben zwar kürzlich beschlossen, dass Besatzungen auch in Umweltfragen geschult sein sollen, aber das ist in so genannten Billigflaggenländern nicht selbstverständlich: Die "Prestige" war für eine griechische Reederei unter der Flagge der Bahamas unterwegs.

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