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Europa

Der schleichende Zerfall Jugoslawiens

Vor zehn Jahren wurden Kroatien und Slowenien von der gesamten damaligen EG völkerrechtlich anerkannt. Somit war der Zerfall Jugoslawiens besiegelt. Doch der Prozess des Zerfalls setzte schon viel früher ein.

Im Sommer 1986 veröffentlichte die Serbische Akademie der Wissenschaften und Künste (SANU) ein Memorandum zur Lage in Jugoslawien. Darin diagnostizierte die höchste wissenschaftliche Institution der Serben, dass das "Serbentum in Jugoslawien gefährdet" sei.

Unmutsäußerungen über den gemeinsamen Staat hatte man bis dahin nur aus Kreisen der Albaner und Kroaten, der Slowenen und Mazedonier gehört: Unzufriedenheit vor allem, weil die Serben in der Kommunistischen Partei und der staatlichen Administration, im Militär und der Polizei überproportional vertreten waren. Von ihnen fühlten sich die anderen Völker Jugoslawiens unterdrückt und ausgebeutet. Und so hatte das SANU-Memorandum Signalwirkung: Nun fühlten sich also auch Serben "gefährdet" - die Tage Jugoslawiens schienen gezählt.

"Retter des Serbentums"

Ein Jahr später ernannte sich Slobodan Milosevic zum "Retter" des Serbentums. Mit markigen Sprüchen wühlte er die Emotionen auf:

"Wir werden die Konterrevolution in Kosovo stoppen und Reformen des politischen Systems durchführen, die es ermöglichen werden, dass die Republik Serbien auf dem ganzen Territorium ihre Kompetenzen verwirklicht."

Milosevic stürzte seinen Ziehvater Ivan Stambolic und setzte sich selbst an die Spitze der Kommunisten Serbiens. Dann löste er die Autonomie der serbischen Provinzen Kosovo und Vojvodina auf und ersetzte die legitime Führung in Montenegro durch eine ihm ergebene Mannschaft. Nach zwei Jahren hatte er in allen Gremien der Partei und des Staates die Hälfte der Stimmen hinter sich. Somit konnte er - auf quasi demokratischem Wege - unliebsame Vorschläge blockieren und seine eigenen durchsetzen.

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