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Wirtschaft

Der rasante Wandel der Fotowelt

Visuelle Kommunikation spielt heute in nahezu jedem Lebensbereich eine wesentliche Rolle. Entsprechend dynamisch entwickelt sich der Foto- und Imagingmarkt - doch die Branche ist im Umbruch.

Es klingt fast schon kurios: Da schrumpft das Kerngeschäft mit den Kameras und dennoch herrscht Optimismus in der Foto-Branche. Denn die Umsatzmarke des vergangenen Jahres wird voraussichtlich auch 2014 erreicht. "Wir reden in Deutschland von einem Markt von rund 20 Milliarden Euro", sagt Christian Müller-Rieker, der Geschäftsführer des Photoindustrie-Verbandes gegenüber der DW.

Dabei sei dies eine vorsichtige Schätzung, denn es handele sich um eine rein an Hardware orientierte Zahl. Wahrscheinlich sei der Markt noch sehr viel größer. "Wir haben mittlerweile Dienstleistungen aufgenommen, die wir gar nicht bemessen können: Dabei geht es um das Thema Apps, es geht um Social Media und Cloud-Dienste und verwandte Bearbeitungsprogramme beispielsweise für Videos. Diese Liste könnte ich unendlich weiter ausweiten."

Fokus verschiebt sich

Im laufenden Jahr werden in Deutschland voraussichtlich 5,2 Millionen Kameras verkauft, ein Rückgang um 13 Prozent im Vergleich zu 2013 mit sechs Millionen Geräten. Das Umsatzminus fällt mit 4,6 Prozent auf 1,45 Milliarden Euro aber schwächer aus, da die Rückgänge auf die preiswerten Kompaktkameras konzentriert sind. Sie werden von den boomenden Smartphones zunehmend verdrängt. Damit verschiebt sich der Fokus in der Branche auch 2014.

"Wer einmal mit dem Fotografieren oder Videos-Aufnehmen mittels Smartphone 'angefixt' ist", sagt Müller-Rieker, "befasst sich auch mehr mit diesen Themen und möchte dann irgendwann mal eine 'richtige' Kamera kaufen." Dieser Kunde steige dann sicherlich nicht im unteren Bereich ein, sondern direkt bei den Systemkameras mit Wechselobjektiven oder bei den digitalen Spiegelreflexkameras.

Smartphones werden immer billiger

Smartphones legen im Verkauf das sechste Jahr in Folge zu und landen nach einem Plus von fast 1,5 Millionen Geräten bei knapp 24 Millionen. Die Preise sinken allerdings wegen wachsender Konkurrenz, vor allem aus China. Für die Branche bedeute das einen deutlichen Wertverfall, betont der Photoverband: Der Umsatz in diesem Segment wird vorrausichtlich von sechs auf knapp viereinhalb Milliarden Euro sinken.

Die Foto- und Imaging-Industrie stellt bei der diesjährigen Photokina unter dem Oberbegriff "Connectivity" die Vernetzung der Kameras mit anderen Geräten und dem Internet in den Vordergrund. Außerdem habe jede hochwertigere Kamera auch eine Videofunktion. Dafür seien Bearbeitungsprogramme und ähnliches Zubehör notwendig. Das treibe den Markt, so Verbandssprecher Christian Müller-Rieker.

Messe Photokina 2012 in Köln, Stand OLYMPUS (Foto: dpa)

Photokina: Wie schon 2012 werden wieder 180.000 Besucher erwartet.

Hoffnungsträger und Highlights

Er sieht noch weitere Hoffnungsträger für die Branche, beispielsweise die Action-Cam: "Man kann ja nicht mehr in Urlaub fahren, ohne Jugendliche zu sehen, die auf dem Surfbrett, beim Skifahren oder bei welcher Sportart auch immer eine Kamera dabei haben. Das ist auf der Photokina ein Riesenthema."

Durch zusätzliche Anbieter in diesem Marktsegment steige auch die Vielfalt der Modelle. Auch das Thema Video- und Foto-Apps und Cloud-Dienste zählt für den Verbandssprecher zu den Highlights: "Wir zählen mittlerweile so um die 50.000 Apps in diesem Genre - diese kleinen Software-Einheiten, die die Kamerafunktion erweitern, sind natürlich auch ein wichtiges Thema in diesem Jahr in Köln."

3D-Druck und Lichtfeldtechnologie

Bei der sechstägigen Photokina kommen auch Trendthemen wie 3D-Drucktechnik und die Lichtfeldtechnologie ins Spiel: Mithilfe eines speziellen Sensors muss nicht mehr vor dem Auslösen der Kamera scharf gestellt werden, der Fokus kann auch nachträglich beim angefertigten Bild verändert, die Schärfe verstellt werden.

Besonders scharf nehmen auch Kameras mit der neuen 4K-Technik Bilder auf. Sie sind genau viermal schärfer als die herkömmliche HD-Auflösung. Ein Revival soll auch die gute alte Fototapete feiern - allerdings mit selbst gemachten Bildern und Motiven.

Megatrend: Wearables

Die Branche setzt zudem große Erwartungen in sogenannte Wearables - das sind winzige Hightech-Geräte, in Form von Kettenanhängern, Brillen, Broschen oder Armbanduhren. Auch diese sind mit Kameras ausgestattet und liefern so rund um die Uhr Bilder. Wearables könnten nach Meinung von Analysten innerhalb der nächsten zehn Jahre das Smartphone vom Markt verdrängen und ersetzen.

Wohin diese neuen Trends auch führen werden - im 175. Jahr der Fotografie haben sich Nutzung und Funktion von Bildern verändert. "Das Bild dokumentiert nicht nur wie bisher - sondern das Bild übernimmt letztendlich eine Kommunikationsfunktion", sagt Müller-Rieker. "Die täglich milliardenfach hochgeladenen Bilder in den sozialen Netzwerken zeigen ja, dass der Boom des Imagings weiter anhalten wird."

Wie groß dieser Boom ist, illustriert eine Zahl: Statistiker haben berechnet, dass alleine in Deutschland in einer einzigen Sekunde rund 2000 Mal ein Foto geknipst wird.

Vom 16. bis 21. September zeigen rund 1000 Aussteller aus mehr als 50 Ländern auf der Leitmesse Photokina ihre Produkte. Mit knapp 180 Unternehmen, die erstmals dabei sind, darunter Firmen wie Google, GoPro, RED, Blackmagic, Lytro oder Helipro, wird deutlich, wie dynamisch sich der Foto- und Imagingsektor entwickelt und mit welcher Geschwindigkeit sich das Spektrum von Foto, Video und Imaging erweitert. Insgesamt sind 51 Länder vertreten. Erwartet werden - wie vor zwei Jahren bei der letzten Photokina - rund 180.000 Besucher.

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