1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Deutschland

Der neue "Perso" ist da!

In Deutschland gibt es ab sofort einen neuen Personalausweis. Er soll noch mehr Sicherheit und viele Zusatzfunktionen für die Identifikation in der digitalen Gesellschaft bieten. Es lauern aber auch Gefahren.

Alter und neuer Personalausweis (Foto: dpa)

Der neue Personalausweis ist kleiner als der alte

In Deutschland gilt die Ausweispflicht. So hat jeder Bundesbürger einen Personalausweis, mit dem er sich gegenüber Behörden, Polizei und Firmen ausweist, die auf eine eindeutige Identifikation bestehen. Der bisherige "Perso" trug ein Foto des Inhabers, seine Adresse, Geburtsort und Geburtsdatum, die eigenhändige Unterschrift und eine Kennziffer. Alles maschinenlesbar.

Der neue Personalausweis, der an diesem Montag (01.11.2010) erstmals von den Ämtern ausgegeben wird, ist gerade mal so groß wie eine Kreditkarte. Damit ist er kleiner und handlicher als der alte Ausweis. Das soll zu einem bequemeren Umgang beitragen. Sichtbar gibt es nur eine neue Angabe auf dem Dokument. Der Wohnort wird um die Postleitzahl ergänzt. Der neue Ausweis erfüllt damit erst einmal nur die hoheitliche Funktion der offiziellen Identifizierung durch persönliche Vorlage.

Ausweis mit Zusatznutzen

Lesegeräte für den neuen Ausweis (Foto: dpa)

Lesegeräte ermöglichen die Identifikation im Internet

Neu ist eine Zusatzfunktion, die man dem Ausweis gar nicht ansieht. Unsichtbar eingeschweißt, enthält der neue Personalausweis einen so genannten RFID-Chip, einen Mini-Sender, der die Daten des Personalausweises als Identifikation ins Internet überträgt. Damit sollen für viele Aktivitäten und Geschäfte des täglichen Lebens im Internet die vielen oft unterschiedlichen Passwörter und Geheimkennungen entfallen. Die schnelle, sichere und allgemein anerkannte Identifizierung im Internet gab es bisher nicht. Und das ist auch schon der Grund, warum es den neuen Personalausweis überhaupt gibt: Kein nationales Gesetz und kein Politiker in Brüssel haben bestimmt, dass ein neuer Personalausweis eingeführt werden müsste.

Mit dem alten Ausweis gab es schließlich keine Probleme. So muss auch niemand, der noch einen alten, zehn Jahre gültigen Personalausweis hat, einen neuen beantragen. Der Wechsel erfolgt erst mit dem Auslaufen der Gültigkeit des alten Exemplars. Es sind damit alleine der technische Fortschritt, die Machbarkeit und klare wirtschaftliche Interessen, die den neuen Personalausweis kommen lassen.

Wirtschaft wollte neuen Ausweis

Der Ausweis vor einem Auto (Foto: DW)

Die neue Ausweis erleichtert auch KFZ-Anmeldungen

Der Staat habe natürlich ein großes Interesse daran, den Wirtschaftsstandort weiter zu entwickeln, sagt Matthias Gärtner vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik. Und verweist auf die international führende Rolle im Bereich der Informationstechnologie. Auch deshalb habe sich Deutschland "an die Spitze der Entwicklung" stellen wollen. "Wenn man da nicht dabei ist, werden die Entwicklungen von anderen gemacht und dann haben wir Standards in Deutschland, die uns eventuell nicht gefallen", so Gärtner im Interview mit DW-WORLD.DE.

Wer nun einen neuen Personalausweis erhält oder beantragt, kann sich gegenüber Internetshops oder gegenüber Behörden elektronisch ausweisen. Dazu wird der Ausweis in ein neues Lesegerät am Computer gesteckt und zusätzlich eine nur dem Eigentümer bekannte PIN-Nummer eingegeben. Lesen können die Daten künftig nur noch Ämter, Banken oder Geschäfte, die bei den deutschen Sicherheitsbehörden ein Zertifikat erworben und sich damit ihrerseits identifiziert haben. Die bisherige Unsicherheit bei angewählten Institutionen im Internet entfällt theoretisch. Kritisch sehen das viele Computer-Experten, die den Datenaustausch getestet haben.

Ausweis verlangt umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen

So sieht der neue Personalausweis aus (Foto: dpa)

So sieht der neue Personalausweis aus

Der "Chaos Computer Club", ein Zusammenschluss von Programmierungsfachleuten, macht schon seit vielen Jahren auf Sicherheitslücken aufmerksam, indem er Software "knackt". Genau das hat er auch bei den Zusatzfunktionen des neuen Personalausweises getan: Von einem anderen Rechner aus wurde die PIN des fremden Ausweises geändert, um anschließend auch Rechtsgeschäfte mit diesem Ausweis zu erledigen. Die Experten sprechen von einem klassischen, elektronischen Identitätsdiebstahl.

Wie kann das geschehen, wenn der neue Personalausweis doch absolut sicher sein soll? Matthias Gärtner vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik verweist darauf, dass es Schad- und Spionageprogramme gibt, die teilweise fremde Tastatureingaben mitlesen können. Das sei aber kein Angriff auf einen vermeintlich unsicheren Personalausweis, sondern auf einen nachweislich unsicheren Computer, der sich in dem Moment der Testangriffe nicht sicher im Internet bewegt habe.

Wer ganz sicher gehen will, der muss künftig seinen Computer gegen Angriffe von außen absichern und alle neuen Programme dazu installiert haben. Auch drahtlose Datenleitungen (WLAN) sind umfangreich zu schützen. Wem das zu kompliziert ist, der kann auf die Internetfunktion des neuen Personalausweises komplett verzichten: Diese Zusatzfunktion ist nämlich, wie auch die Speicherung von biometrischen Daten, etwa eines Fingerabdrucks, freiwillig.

Datenschutz gilt in vollem Umfang

Auge mit Zahlen (Grafik: DW)

Wachsamkeit ist unerlässlich

Was bleibt, ist der Verdacht, dass sich mit dem unsichtbar integrierten RFID-Chip im Personalausweis so genannte "Bewegungsprofile" erstellen lassen. Die Polizei könnte zum Beispiel feststellen, wo man sich gerade aufhält. Der Befürchtung tritt Matthias Gärtner entgegen. "Die Wege, die diese Funkkommunikation beschreiten muss, sind relativ kurz, das sind weniger als zehn Zentimeter, um eine vernünftige Kommunikation herbeizuführen, das ist momentan noch nicht möglich und ist zudem streng verboten."

Dem stimmt sogar der Datenschutzbeauftragte der Bundesregierung, Peter Schaar, zu. Er war bei der Entwicklung des neuen Personalausweises stets eingebunden und hat auch darauf geachtet, dass Angaben wie Vermögensverhältnisse, Krankheiten oder etwaige Vorstrafen nicht im Personalausweis gespeichert werden dürfen.

Entwickler wollten Transparenz

Rund fünf Jahre reichen die Vorbereitungen zu dem neuen Personalausweis zurück. Das zuständige Bundesinnenministerium ließ diesen Prozess durch unzählige Studien begleiten. Von Anfang an sollten Öffentlichkeit, Verbraucher- und Datenschützer sowie Juristen eingebunden sein, um das Mammutprojekt zu einem Erfolg zu machen.

Die Möglichkeiten des neuen Personalausweises stehen im Übrigen auch all jenen zu, die noch keine deutsche Staatsangehörigkeit haben. Sie sollen eine Sonderanfertigung des Ausweises erhalten. Denn für die Behörden steht auch fest, dass in Deutschland lebende Ausländer nicht diskriminiert werden dürfen.

Autor: Wolfgang Dick

Redaktion: Michael Borgers

WWW-Links