1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Kultur

Der neue Mann des Papstes in Berlin

Nikola Eterovic ist neuer Vatikan-Botschafter in Berlin. In diesem Amt hat der Kroate die Aufgabe, zugleich Ohr, Mund und verlängerter Arm des Papstes in Deutschland zu sein in den Bereichen Politik und Kirche.

Dass es in der katholischen Weltkirche möglich ist, auch in hohem Alter noch Karriere zu machen, belegen allein die beiden vergangenen Papstwahlen: Aus Joseph Ratzinger wurde mit fast 78 Jahren Papst Benedikt XVI. und aus dem 76-jährigen Jorge Mario Bergoglio erst im vergangenen März Papst Franziskus. Zwar zählt der neue Apostolische Nuntius in Deutschland "erst" 62 Lenze, befindet sich jedoch damit in einem Alter, in dem andere möglicherweise beginnen, sich auf den Ruhestand einzustellen. Die Ernennung des kroatischen Erzbischofs Nikola Eterovic muss durchaus als weitere Sprosse nach oben auf dessen Karriereleiter gewertet werden, gilt der Posten in Berlin doch als besonders begehrt und angesehen im Rahmen des internationalen Engagements der römisch-katholischen Kirche.

Herausragende Diplomatenstellung

Mit der Akkreditierung beim Bundespräsidenten am 20. November hat Eterovic offiziell sein Amt angetreten. Als Diplomat ist Nikola Eterovic Vertreter des Heiligen Stuhls. Er vertritt damit die Interessen des Papstes gegenüber der deutschen Regierung und ihren Behörden. Im Konkordat, also dem Staatskirchenvertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem Heiligen Stuhl ist zudem festgeschrieben, dass der Apostolische Nuntius in Deutschland zugleich Doyen des Diplomatischen Korps ist, also der Erste unter Gleichen. Damit verbunden sind einige Ehrenrechte. Bei offiziellen Anlässen darf er im Namen aller Diplomaten das Wort führen. Zudem vertritt er die Anliegen kleinerer Staaten.

Auf katholischer Ebene kommt auch dem neuen Nuntius Eterovic die Aufgabe zu, die Interessen des Papstes gegenüber der Ortskirche zu vertreten und zu wahren. Er ist der Vertreter des Kirchenoberhauptes bei der Deutschen Bischofskonferenz und gegenüber den Bistümern.

Nikola Eterovic im Kreis von Teilnehmern der Afrika-Synode im Vatikan im Jahr 2009- Foto: EPA/MARIO DE RENZIS

Nikola Eterovic (r.) im Kreis von Teilnehmern der Afrika-Synode im Vatikan im Jahr 2009

Lenkende Funktion

Besonders mit Blick auf die Bistümer könnte der Neue an der Spree demnächst deutlich seine Handschrift und damit die von Papst Franziskus hinterlassen - denn er ist eine Schlüsselfigur mit Blick auf anstehende Bischofswahlen. Die Weihe eines Bischofs ist nur nach der Nominierung durch den Papst möglich, manche Ortsbischöfe werden direkt von ihm ernannt. In jedem Fall aber muss die Wahl eines Bischofs durch den Papst bestätigt werden. Kein Papst wird eine solche Entscheidung treffen, ohne zuvor das Urteil des Nuntius eingeholt zu haben. Im deutschen Episkopat sind derzeit die Bistümer Erfurt, Passau und Freiburg ohne Chef. Im traditionsreichen, einstmals weltweit reichsten und bis heute immer noch bedeutenden katholischen Bistum, dem Erzbistum Köln, ist die Suche im Gange. Im Bistum Limburg womöglich demnächst zwingend notwendig. Herausforderungen - erst recht für den langen Arm des Papstes.

Weltweite Erfahrung

Dass den neuen Apostolischen Nuntius in Deutschland die Vielfalt der Aufgaben überfordern könnte, steht nicht zu befürchten. Der 1977 zum Priester geweihte heutige Erzbischof bringt einen reichhaltigen Schatz an Erfahrungen aus Nuntiaturen in aller Welt mit. So war er zuvor unter anderem Vatikanbotschafter in Nicaragua, Spanien und von 1999 bis 2004 in der Ukraine. Seitdem machte er sich als Generalsekretär der Bischofsynode in Rom einen Namen als hervorragender Organisator. In dieser Funktion war er direkt dem Papst unterstellt.

Als klerikaler Weltenbummler spricht Nikola Eterovic neben seiner Muttersprache Kroatisch auch Polnisch, Ukrainisch, Russisch, Englisch, Französisch, Spanisch und Italienisch. Deutsch selbstverständlich auch. Ob er aber tatsächlich das versteht, was deutsche Katholiken schon seit Jahren an vielfältigen Reformwünschen äußern und warum? Angesichts der angespannten Beziehungen verlautete der Vatikan-Diplomat bereits, dass Meinungsverschiedenheiten über den Kurs der Kirche normal seien und dass sie "zur Pluralität des Katholischen hinzugehören". Ob er Deutschlands Katholiken wirklich verstanden hat, werden die in sechs Jahren wissen, denn dann endet die Amtszeit von Nuntius Nikola Eterovic. Der wird dann knapp 69 Jahre alt sein. Bestes Papstwahlalter also.

Die Redaktion empfiehlt