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Deutschland

Der lange Weg nach Mekka

In diesen Tagen pilgern wieder Millionen gläubiger Muslime aus aller Welt nach Mekka. Auch aus Deutschland werden 20.000 Menschen erwartet. Doch eigentlich beginnt die Reise schon Monate früher - mit der Vorbereitung.

Dicht an dicht kreisen über zwei Millionen gläubige Muslime um die Kaaba in Mekka (Foto: dpa)

Zum Opferfest kreisen rund zwei Millionen gläubige Muslime um die Kaaba in Mekka

Muslimische Pilger am Flughafen in Instanbul auf ihrem Weg nach Saudi-Arabien (Foto: dpa)

Viele Muslime nehmen eine lange Reise auf sich, um nach Mekka zu gelangen

Aufrecht sitzt Engin Karahanci hinter seinem Schreibtisch. Der 35-Jährige ist Anwaltsgehilfe in einer Bonner Kanzlei. In einer Ecke des Büros hat er einen kleinen grünen Gebetsteppich ausgebreitet: Die Richtung zeigt nach Mekka. In nur wenigen Tagen wird der Familienvater selbst dort sein. Aufgeregt spricht er vom schönsten Ereignis im Leben eines Muslims: "Die Hadsch ist wie eine Neugeburt. Man legt alle Sünden ab, um das höchste Wohlgefallen von Allah zu erlangen."

Es ist aber auch ein Ereignis, das einiges kostet. Um die 3000 Euro zahlen Muslime aus Deutschland für Flug, Unterkunft und Reisebegleitung. Denn die Pilgerfahrt dauert bis zu vier Wochen. Wer sich die Reise jedoch nicht leisten kann oder körperlich zu schwach ist, der ist laut Koran auch nicht dazu verpflichtet.

Disziplin und moderne Behörden

Mevdudi Can vor dem Computer in seiner Kölner Hadsch-Agentur (Foto: DW/ Rottscheidt)

Mevdudi Can organisiert Hadsch-Reisen mit seiner Kölner Agentur "Merve Hac Kervani"

Mevdudi Can leitet in Köln eine Reiseagentur, die auch Hadsch-Reisen anbietet. Er warnt die Pilger davor, die körperlichen Strapazen zu unterschätzen: "Die Wallfahrer müssen lange Strecken zu Fuß zurücklegen. Dabei sind sie meist der prallen Sonne ausgesetzt." Deshalb solle sich jeder gut überlegen, ob er wirklich fit genug ist. Viele seien bereits erschöpft, wenn sie in Jeddah, dem Hadsch-Flughafen, landen. Sie haben dann meist schon eine lange Anreise hinter sich.

Wenn zwei Millionen Menschen zur gleichen Zeit nach Mekka pilgern, komme es außerdem jedes Jahr zu Massenpaniken, bei der es auch Tote und Verletzte gibt. Neben religiöser Besinnlichkeit sei daher vor allem eins gefordert: Disziplin.

Damit die Pilgerreise in Saudi-Arabien möglichst kontrolliert abläuft, hat das dort zuständige Ministerium eines der modernsten Visa-Systeme der Welt entwickelt. Mit der Neuregelung seit 2007 sind es die Reisebüros selbst, die die Pass-Informationen in ein einheitliches Computersystem eingeben. Die Behörden in Saudi-Arabien erhalten dann nur noch eine Registriernummer und können das Visum freigeben. Bis zu zwei Millionen Anfragen können so gleichzeitig bearbeitet werden.

Einreisen darf aber nur, wer seine Pilgerfahrt bei einer beglaubigten Hadsch-Agentur gebucht hat. Die Agenturen müssen im Vorfeld die bezahlten Hotel- und Flugverträge sowie eine Sicherheitszahlung beim saudischen Ministerium hinterlegen. Erst dann können sie die entsprechenden Visa für ihre Reisegruppe beantragen. Den Teilnehmern sollen so böse Überraschungen erspart bleiben, zum Beispiel dass sich das gebuchte Hotel bei der Ankunft in Mekka als einfaches Zeltlager entpuppt.

Die Reiseagentur im Herkunftsland weist die Pilger zudem auf noch fehlende Dokumente hin. Besonders für Impfungen gibt es strenge Vorgaben. Denn Krankheiten können sich rasend schnell ausbreiten, wenn Millionen Gläubige unterwegs sind. Dieses Jahr ist neben der üblichen Meningokokken-Impfung auch ein Grippe-Schutz Pflicht.

Hilfreiche Tipps zum Kofferpacken

Zusätzlich zum Internationalen Impfausweis müssen einige Pilger noch ein weiteres Dokument vorlegen: die schriftliche Bestätigung, dass sie gläubige Muslime sind. "Wenn jemand Christian heißt, dann ist es wahrscheinlich, dass er kein Muslim ist", sagt Engin Karahanci. Das Hadsch-Ministerium verlangt dann einen entsprechenden Nachweis der Moscheegemeinde.

Mevdudi Can zeigt sein Hadsch-Visum (Foto: DW/ Rottscheidt)

Nur wer auch nachweislich ein Muslim ist, bekommt das begehrte Hadsch-Visum

All diese Details verdeutlichen, wie entscheidend eine gute Reisevorbereitung ist. Erfahrene Veranstalter bieten deshalb schon Monate vor der Abreise spezielle Seminare für ihre Teilnehmer an. Dort erfahren die Pilger nicht nur Genaueres über die religiösen Riten; sie erhalten auch praktische Tipps zum Kofferpacken.

Engin Karahanci hat schon mehrfach an der Hadsch teilgenommen und weiß, was unbedingt ins Gepäck sollte. Als Sitzunterlage würde sich die Isomatte der deutschen Bundeswehr besonders empfehlen, wie Karahanci sagt. Die sei so schön leicht und passe in jede Tasche. Außerdem dürften bequeme Schlappen nicht fehlen - bei der Fußwaschung vor dem Beten kann man sie schnell und unkompliziert ausziehen. Auch Kohletabletten seien hilfreich - gegen mögliche Durchfallerkrankungen. Auf keinen Fall würde er selber auf sein deutsches Pumpernickel verzichten: "Gesunde Ernährung ist bei der Pilgerreise sehr wichtig, damit man bei Kräften bleibt."

Mit dem Nötigsten gewappnet reist die Gruppe von etwa 40 Personen dann gemeinsam nach Mekka, inklusive Reiseleiter. Auch Engin Karahanci kann ruhigen Gewissens nach Saudi-Arabien aufbrechen. Erst musste er zwar das "OK" seiner Frau einholen. Schließlich muss sie sich in seiner Abwesenheit um die vier Kinder kümmern. Doch sie hat zugestimmt. Das sei ein schönes Gefühl, sagt er und fügt mit einem Augenzwinkern hinzu: Im Grunde mache seine Frau ja ein gutes Geschäft. Während sie der Geduldsprobe in Mekka entgehe, kämen ihr die Bittgebete ihres Mannes dennoch zugute.

Autorin: Elisabeth Jahn
Redakteur: Kay-Alexander Scholz