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Afrika

Der Kontinent ist Chinas Liebling

Ramschobjekte und Prestigeprojekte: Chinas Geschäfte mit Afrika boomen, aber sie sind nicht unumstritten. Staatschef Hu Jintao verspricht auf seiner Afrika-Reise, mehr für die Entwicklung des Kontinents zu tun.

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Stammgast in Afrika: Chinas Präsident Hu Jintao

Wer in einer Air France-Maschine von Paris nach Niamey sitzt, dem kann es passieren, dass er an Bord nur Chinesisch zu hören bekommt. Der Flieger ist meistens ausschließlich mit chinesischen Geschäftsleuten besetzt. Bisher hatte Frankreich in Mali und im Senegal die Hausmacht - aber wenn Chinas Präsident Hu Jintao dort auftaucht, ist die alte Kolonialmacht schnell vergessen. Die Grande Nation kann mit dem afrikanisch-chinesischen business nicht mithalten.

Big Business mit Afrika

Namibia China Präsident Hu Jintao in Windhoek

Ob Brücken, Krankenhäuser, Schulen, Parlamentsgebäude oder Straßen: Hu Jintao hat viele Projekte in der Tasche, wenn er in diesen Tagen in Mali, Senegal, Tansania und Mauritius unterwegs ist. Er ist ein gern gesehener Gast. Die Handelsbeziehungen zwischen China und dem afrikanischen Kontinent werden immer enger. Die Exporte der Volksrepublik nach Afrika hatten 2008 ein Volumen rund 51 Milliarden Dollar (rund 40 Milliarden Euro), das waren rund 36 Prozent mehr als im Vorjahr - zumindest sagt das die chinesische Statistikbehörde. China liefert vor allem Autos, Motorräder, Maschinen, Stahl, Textilien und Schuhe auf den Kontinent.Zugleich importierte die Volksrepublik im vergangenen Jahr Waren im Wert von 56 Milliarden Dollar aus Afrika, ein wertmäßiges Plus von 54 Prozent. Damit verzeichnete China im vergangenen Jahr ein deutliches Defizit im Handel mit Afrika, nach einem leichten Plus im Jahr zuvor. Das große wertmäßige Plus resultiert vor allem aus der Explosion der Rohstoffpreise vergangenen Jahr. China importiert aus Afrika vor allem Öl und andere Rohstoffe.

Fluch und Segen - Afrikas Rohstoffe

Der wichtigste Handelspartner der Volksrepublik in Afrika war im vergangenen Jahr Angola, der größte chinesische Öllieferant auf dem Kontinent. Dahinter rangiert Südafrika. China hat seinen Handel mit Afrika seit der Jahrtausendwende verzehnfacht, vor allem um der boomenden Wirtschaft in der Volksrepublik ausreichend Rohstoffe wie Öl, Mineralien und Holz zu sichern.

Menschenrechte, business deals und Afrikas sell-out

Sudan - Frau vor chinesischer Flagge

Chinas enge Bande mit Khartoum

Das chinesische Engagement in Afrika wird von Menschenrechtlern kritisch gesehen, weil Peking auch enge Wirtschaftskontakte zu umstrittenen Regierungen wie in Simbabwe und Sudan hält. Allerdings konstatierte die Weltbank, dass Chinas Öffnung nach Afrika dem Kontinent zu einem enormen Schub in der Infrastruktur verholfen habe, was wichtig für die Bekämpfung der Armut sei. In Afrika selbst sehen das viele Menschen anders. "Chinesischer Reis, chinesisches Palmöl, chinesische Baumwolle, Kochtöpfe, Spielzeug,.... die machen unsere Märkte kaputt!", hört man allenthalben, wenn man sich auf den großen Märkten in Westafrika umhört.

Nigeria chinesischer Händler in Lagos China Town Geschäft

Billigprodukte: Konkurrenzlos in China Town Lagos

Auch deutsche Wissenschaftler beobachten den drohenden sell-out Afrikas mit Sorge: "Chinesische Investitionen in Afrika sind durch eine merkantilistische Politik geprägt und stark subventioniert", so Robert Kappel vom Hamburger GIGA-Institut. "Wenn höheres chinesisches Engagement mit dazu beitragen würde, dass Afrika einen Sprung auf der Leiter macht, dann wäre das Investitionsverhalten Chinas der Entwicklung Afrikas förderlich", so Kappel. Gehe es jedoch darum, mit Billigprodukten chinesischer Staatsunternehmen Märkte zu erschließen, so sei diese Entwicklung nur auf dem ersten Blick durch den Bezug billiger Konsumgüter für Afrikaner positiv. "Die Zerstörung der zarten Pflanzen einer afrikanischen Industrie würde die Wirtschaft des Kontinents nachhaltig schwächen und sie noch weniger zukunftsfähig machen. In einigen Ländern des südlichen Afrika und vor allem in Ostafrika wird die chinesische Exportoffensive daher bereits mit gemischten Gefühlen gesehen. Insofern wird sich noch zu erweisen haben, ob Chinas Druck auf die Märkte nicht bald zu afrikanischen Gegenmaßnahmen führen wird."

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