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Tennis - French Open

Der Joker sticht nicht mehr

Mitfavorit Novak Djokovic scheitert bei den French Open fast schon kläglich. Stattdessen erreicht ein Österreicher das Halbfinale gegen Seriensieger Rafael Nadal. Kann er den Sandplatzkönig stoppen?

Novak Djokovic lag nach einem Ausrutscher hilflos am Boden und hatte sein Racket weggeschmissen: Das Bild des gestürzten Titelverteidigers in der roten Asche von Paris hatte Symbolcharakter. Das Viertelfinal-Aus von Djokovic bei den French Open gegen Dominic Thiem aus Österreich kam über weite Strecken einer Demütigung des Serben gleich. 

"Das tut mir jetzt ein bisschen weh. Das ist kein schönes Bild dieser Legende", sagte der ernüchterte Eurosport-Fernseh-Experte Boris Becker über die Endphase der 6:7 (5:7), 3:6, 0:6-Pleite seines ehemaligen Schützlings Djokovic, der erstmals seit sieben Jahren nicht im Halbfinale von Roland Garros steht.

Damit platzte auch das von vielen ersehnte Gigantenduell von Djokovic gegen Sandplatzkönig Rafael Nadal in der Vorschlussrunde. Der nach seinem zehnten Paris-Titel greifende Spanier spielt nach seinem 6:2, 2:0-Abbruchsieg im Viertelfinale gegen seinen verletzten Landsmann Pablo Carreno Busta am Freitag nun gegen den formstarken Thiem (Nr. 6). "Ein Traum ist in Erfüllung gegangen", sagte der Österreicher nach seinem ersten Sieg im sechsten Vergleich mit Djokovic.

Sinnkrise nach dem Höhenflug

Der 30-Jährige Djokovic, der vor einem Jahr den vorerst letzten seiner zwölf Grand-Slam-Titel geholt hatte, saß nur 21 Minuten nach seiner schmerzhaften Niederlage im Pressesaal des Philippe-Chatrier-Stadions. "Es ist hart, diese Niederlage zu kommentieren. Es ist ein Fakt, dass ich momentan nicht annähernd an meine beste Leistung herankomme", sagte er und meinte relativ gefasst: "Ich habe in den letzten sieben, acht Monaten nicht viel gewonnen. Und das ist eine neue Situation und eine große Herausforderung für mich."

Was ein Neubeginn nach der Sinnkrise sein sollte, wurde zur Ernüchterung. Und das an einem Ort, an dem sich "Nole" vor exakt zwölf Monaten am Ziel seiner Träume sah. Durch den ersehnten ersten French-Open-Coup, dem vierten Grand-Slam-Titel nacheinander, hatte er im Mai 2016 am Bois de Boulogne seine Major-Sammlung komplettiert. Was folgte, waren ungewohnte Niederlagen - und Eheprobleme. Seit den berauschenden Tagen von Paris gewann Djokovic nur noch zwei Turniere. Bei den Australian Open im Januar war er als Titelverteidiger sogar schon in der zweiten Runde ausgeschieden.

"Alle Topspieler sind schon durch solche Phasen gegangen. Ich muss und werde einen Weg finden, da wieder herauszukommen", sagte der Familienvater, der Anfang Mai sein gesamtes Trainerteam gefeuert hatte. Übrig blieb nur Mental-Guru Pepe Imaz, der Licht und Liebe predigt.

Hoffen auf Agassi

Neue Inspiration soll Djokovic Ikone Andre Agassi geben. Der Amerikaner trainierte bei den French Open bereits mit dem Weltranglistenzweiten, reiste aber wie geplant am vergangenen Wochenende wieder ab. "Ich habe alle Höhen in meinem Sport erreicht. Und diese Erinnerung gibt mir den Glauben, dass ich es wieder schaffen kann", sagte Djokovic, für den Wimbledon (ab 3. Juli) die nächste große Herausforderung ist.

Frankreich Paris - French Open - Novak Djokovic gegen Dominic Thiem (Reuters/P. Rossignol)

Paris ist auch "sein" Turnier: Dominik Thiem erreicht wie im Vorjahr das Halbfinale

Powerspieler Thiem (23) indes darf weiter von seinem ersten Grand-Slam-Titel träumen. "Aber gegen Nadal wird es sicher nicht einfacher", sagte der letztjährige Paris-Halbfinalist. Dabei war der "DomiNator", der vom ehemaligen Becker-Coach Günter Bresnik trainiert wird, als Jugendlicher von einer jahrelang nicht entdeckten Darminfektion zurückgeworfen worden.

Nadal ist also gewarnt. Doch der Publikumsliebling will alles dafür tun, seinen zehnten Paris-Titel ("La Decima") zu holen. Es wäre eine historische Leistung - in der Open Era seit 1968 ist es noch keinem Profi gelungen, ein und dasselbe Grand-Slam-Turnier so oft zu gewinnen.

Murray und Wawrinka weiter

Auch der topgesetzte Brite Andy Murray steht im Halbfinale der French Open und kommt seinem ersten Paris-Titel immer näher. Trotz eines Fehlstarts bezwang der zweimalige Wimbledonsieger den Japaner Kei Nishikori (Nr. 8) in 2:39 Stunden mit 2:6, 6:1, 7:6 (7:3), 6:1.

Murray trifft am Freitag auf Stan Wawrinka. Der Weltranglistendritte aus der Schweiz stellte seine bestechende Form beim 6:3, 6:3, 6:1 gegen Marin Cilic aus Kroatien (Nr. 7) nachdrücklich unter Beweis und blieb auch im fünften Match der mit insgesamt 33,8 Millionen Euro dotierten Veranstaltung ohne Satzverlust.

Pliskova - noch einen Sieg zur Nummer eins

Bei den Damen steht die Tschechin Karolina Pliskova im Halbfinale. Die Weltranglisten-Dritte setzte sich gegen die Französin Caroline Garcia mit 7:6 (7:3), 6:4 durch. Damit müssen die Franzosen weiter auf einen Triumph bei ihrem Heim-Grand-Slam warten. Zuletzt war das Mary Pierce vor 17 Jahren gelungen.

French Open 2017 | Karolina Pliskova, Tschechien (Reuters/B. Tessier)

Gewinnt Karolina Pliskova auch ihr Halbfinale gegen Simona Halep, ist sie die neue Nummer eins der Weltrangliste

Für Pliskova ist es die zweite Halbfinal-Teilnahme bei einem Grand-Slam-Turnier nach den US Open im vergangenen Jahr. Dort hatte sie erst im Endspiel gegen Angelique Kerber verloren. Die Deutsche kann sie in Paris als Weltranglisten-Erste ablösen, dafür muss Pliskova aber das Finale erreichen. "Ich wusste nicht, dass ich auf Sand gut spielen kann. Aber es klappt ganz gut. Ich bin einfach happy", sagte die 1,86 Meter große Pliskova.

In der Vorschlussrunde trifft die Tschechin nun auf Simona Halep aus Rumänien. Die Nummer drei der Setzliste drehte die Partie gegen Elina Svitolina aus der Ukraine (Nr. 5) nach Satzrückstand noch zu ihren Gunsten. Am Ende stand es 3:6, 7:6 und 6:0 für Halep.

to/ck/gri (sid)

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