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Politik

Der Iran und die Wahlen im Irak

Der von einem Regime schiitischer Geistlicher beherrschte Iran spielt mit, wenn am 30. Januar im Irak die Nationalversammlung gewählt wird: Teheran könnte den USA im Irak zusätzliche Schwierigkeiten bereiten.

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Irans Präsident Mohammed Chatami auf alle Eventualitäten vorbereitet


Wenn man Vertretern der Übergangsregierung von Ijad Allawi Glauben schenken will, dann ist der Iran schon längst tief verstrickt im Irak und versucht, die Dinge dort in seinem Sinn zu beeinflussen. Teheran hat dies bisher immer dementiert, unbestritten ist aber, dass der Iran ein massives Interesse an den Vorgängen und Entwicklungen in seinem Nachbarland hat. Jahrzehnte tiefer Feindschaft, vor allem wegen des langen und für beide Seiten sehr verlustreichen Golfkrieges, haben im Iran schlechte Erinnerungen zurückgelassen.

Islamische Repuplik

Dagegen steht freilich, dass der Erzfeind USA im Irak steht und mit dem Irakkrieg zum direkten Nachbarn geworden ist. Aber Teheran hat gute Beziehungen wenigstens zu Teilen der schiitischen Bevölkerung im Irak. Beziehungsweise zu einigen ihrer politischen Führer. So waren die Führer der "SCIRI" – der wichtigsten irakisch-schiitischen Widerstandsbewegung – lange Jahre im Iran stationiert und sie unterhalten weiterhin gute Beziehungen zu Teheran. Auch der bei den Amerikanern in Ungnade gefallene schiitische Exilführer Achmed Chalabi soll eng mit Teheran zusammenarbeiten. So eng, dass die irakische Übergangsregierung ihm Geheimnisverrat vorwarf und ihn festnehmen ließ.

In Teheran weiß man genau, dass die meisten Schiiten im Irak nicht gerade von einer Kopie der "Islamischen Republik" träumen. Man fühlt allerdings dennoch mit den Schiiten und setzt darauf, dass sie aus den bevorstehenden Wahlen zum ersten Mal als führende Kraft hervorgehen werden. Deswegen hat Teheran bislang alles daran gesetzt, ein Übergreifen der Gewalttätigkeiten auf den schiitischen Teil des Irak zu verhindern.

Irans mäßigende Rolle

Nach außen hin zeigt der Iran, dass er mit den Radikalen vom Schlage eines Moussab a-Zarqawi nichts zu tun haben will, auch nicht mit Anhängern des Ancien Régime. Deshalb hat das Land sogar an amerikanisch initiierten Geberkonferenzen für den Irak teilgenommen und Hilfe angeboten - unter anderem mit engere wirtschaftliche Kontakte. Und der Iran hat eine beispiellose Medien-Offensive im und gegenüber dem Irak gestartet: Das iranische Fernsehen und der iranische Rundfunk senden professionell gemachte Programme in Arabisch, die speziell für den Irak zugeschnitten sind. Sie haben damit längst ihren festen Teil des irakischen "Medienkuchens".

Trotz der immer wiederkehrenden Verteufelungen des Iran durch Mitglieder der Bagdader Übergangsregierung spielt Teheran bisher eine mäßigende Rolle im Irak. Das dürfte man in Washington auch wissen. Ebenso, wie man dort weiß, dass der iranische Einfluss im Irak im Falle einer amerikanischen Aggression gegen den Iran leicht zur Waffengewalt mutieren könnte. Trotz der klaren nationalen Abgrenzung der irakischern Schiiten von ihren iranischen Glaubensvettern werden diese sicher nicht tatenlos zusehen, wenn Washington den Krieg auf den Iran auszudehnen versuchen sollte. Dann aber droht den USA im Irak ein Inferno, dem gegenüber die bisherigen Probleme noch ein Sonntagsspaziergang waren.

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