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Sport

Der Gewinner steht schon fest

Brasilien als Gastgeber der WM bleibt auf seinen Milliarden-Investitionen sitzen und die FIFA kassiert groß ab. So sieht es auf den ersten Blick aus. Bei näherer Betrachtung ergibt sich jedoch ein etwas anderes Bild.

Noch können sich 32 Fußballnationen mehr oder weniger berechtigte Hoffnungen darauf machen, im Juli als Fußball-Weltmeister jubeln zu dürfen - doch der eigentliche Sieger steht schon fest. Der globalisierte Fußball ist über alle politischen und kulturellen Grenzen hinweg ein Milliarden-Geschäft, in dem der gewinnt, der am meisten kassiert - und das ist der Weltfußballverband FIFA.

Den Umsatz, den das Turnier in Brasilien erzielen wird, hat Henning Vöpel vom Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) auf Grund der bislang vorliegenden Daten errechnet: "Die direkten Kosten belaufen sich auf zehn Milliarden Euro. Das sind Investitionen vor allem in die Stadien, aber auch in Flughäfen, Telekommunikation und so weiter." Auch die Höhe der Einnahmen kann er schon beziffern: "Man rechnet mit ungefähr 3,5 Milliarden Euro, ungefähr zwei Milliarden kommen aus den TV-Rechten, der Rest aus dem Marketing".

Was passiert mit dem Geld?

Kay Schiller, Historiker an der Universität von Durham in Nordengland und Autor des Buches "WM 74 - Als der Fußball modern wurde" (Rotbuch-Verlag), hat über das Thema "Fußballweltmeisterschaften" geforscht. Er bestätigt, dass die FIFA bei einer WM kassiert und nicht bezahlt. Aber der Verband, so Schiller, gebe den Großteil seiner Einnahmen gleich weiter: "Die FIFA nimmt nur zehn Prozent vom Gewinn und 90 Prozent gehen an die einzelnen Mitglieds-Verbände."

Dafür gebe es auch genaue Regeln, so Schiller. Geld bekämen die "Teilnehmer der WM-Endrunde - je nach dem, wie weit sie im Turnier kommen, und die Mannschaften, die an der Qualifikation teilgenommen haben."

Fußball WM 2014 Brasilien Stadien Rio Maracana Stadion

Das weltberühmte Stadion Maracana in Rio de Janeiro wurde für die WM aufwändig modernisiert.

Zehn Prozent der Einnahmen behält die FIFA, das werden im Juli also voraussichtlich 350 Millionen Euro sein. Kay Schiller: "Alle Welt spricht von den wahnsinnigen Kapitalreserven der FIFA." Man dürfe aber nicht vergessen, dass die FIFA noch 2001"am Rand des Ruins" gestanden habe. "Erst seitdem sie das Marketing und die Fernsehrechte wieder ins Haus geholt hat, hat sie angefangen, Reserven anzulegen, um für den Fall, dass so eine Weltmeisterschaft einfach mal ausfällt, abgesichert zu sein."

Es würde auch oft übersehen, fügt Schiller hinzu, dass der Fußball-Weltverband hohe Ausgaben habe. Schließlich richte die FIFA "nicht nur die WM aus, sondern insgesamt 15 internationale Turniere. Und diese anderen Turniere sind Zuschussbetriebe."

Joao Havelange Brasilianischer Fußballverband IOC

Mit Joao Havelange begann die Kommerzialisierung des Fußballs.

Football is coming home?

Bei seinen Recherchen hat der Historiker herausgefunden, dass die Weltmeisterschaften nicht immer die Gelddruckmaschinen waren, als die sie heute erscheinen: "1966 war die erste WM, für die man nachweisen kann, dass sie einen Gewinn eingebracht hat. Da waren es etwa 12 Millionen Pfund."

Für die WM 1974 in Deutschland konnte ebenfalls nur ein bescheidener Gewinn ausgemacht werden. Erst danach, so Schiller, wurden die Turniere lukrativ. Auslöser war ein Wechsel an der Spitze der FIFA: Auf den englischen Funktionär Sir Stanley Rous folgte der geschäftstüchtige brasilianische Rechtsanwalt Joao Havelange: "Das war in den 70er Jahren das erste Mal, dass ein Geschäftsmann an der Spitze der FIFA stand. Der hat das dann sehr extensiv ausgeweitet."

Schweiz Fußball FIFA Präsident Joseph Sepp Blatter Korruption

FIFA-Chef Sepp Blatter steht unter ständiger Kritik.

Die Kommerzialisierung des Weltfußballs wird oft dem Schweizer Sepp Blatter zugeschrieben, der Havelange 1998 als FIFA-Präsident abgelöst hatte. Doch tatsächlich, so Kay Schiller, habe Blatter nur den Weg seines brasilianischen Vorgängers fortgesetzt. Mit der Fußball-WM 2014 in Brasilien kehrt der Weltfußball quasi in jenes Land zurück, in dem der Grundstein für seinen kommerziellen Erfolg gelegt worden war.

Wo profitiert der Gastgeber?

Auch wenn die FIFA das ganze Geld einsteckt: In der Rechnung des HWWI- Ökonomen Henning Vöpel kann auch Gastgeber Brasilien profitieren - und zwar durch die Nachhaltigkeit seiner Investitionen. Zwar sei "eine Straße hin zu einem Stadion, das nicht mehr genutzt wird, eben so unsinnig wie das Stadion selbst." Aber Brasilien müsse eine starke Urbanisierung meistern. Immer mehr Brasilianer lebten in Städten, die "Investitionen in die Infrastruktur brauchen. Diese Investitionen werden vorgezogen und bleiben auch nach der WM nützlich. Das sind sinnvolle Investitionen."

Brasilien Rio De Janeiro Verkehrschaos

Das tägliche Verkehrschaos in Rio de Janeiro - Brasilien braucht dringend Infrastrukturinvestitionen.

Dazu kämen auch "weiche" Faktoren, wie etwa ein Imagegewinn: "Wir sehen gerade für Schwellenländer wie Brasilien, dass dieses Signal an ausländische Investoren besonders wichtig ist. Dass man zeigt: Wir sind in der Lage, ein solches Event auszurichten. Wir können das auch. Das ist ein ganz wichtiges Signal."

"Da überschätzt sich Europa"

"Die FIFA kommt, der Ball rollt, das Geld fließt" - das klingt so einfach, aber die Erfahrung der letzten Jahrzehnte scheint das zu bestätigen. Kay Schiller muss lachen, als er das so simple wie erfolgreiche Geschäftsmodell der FIFA beschreibt: Die habe eben etwas im Angebot, das jeder haben will und "das man nicht verkaufen muss. Das ist sozusagen ein Selbstläufer. Da muss man sich nicht groß anstrengen."

Den Fußball will beinah jeder - um ihn selbst zu spielen, ihn anzuschauen oder mit ihm zu werben. Am Konsumenten allein hänge der Erfolg der Ware Fußball: "Der einzige Weg, wie das Geldverdienen aufhören würde, wäre, wenn wir alle entschieden: Wir gucken das nicht mehr."

Außerdem sei die Kritik an Sepp Blatter und der FIFA auch nur in Westeuropa so deutlich zu hören: "International gibt es ein Publikum, das sich vor allem für den Fußball interessiert. Diese Kritik an der FIFA gibt es vor allem in Ländern wie Deutschland und England. Das ist nicht so global, wie es manchmal dargestellt wird. Da überschätzt man sich in Europa."

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