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Wirtschaft

Der Euro kommt nach Malta – nicht alle freuen sich

Malta, das kleinste Mitgliedsland der Europäischen Union, wird 2008 den Euro einführen. Nicht alle Bewohner der Insel zwischen Italien und Tunesien hegen freudige Erwartungen.

Euroscheine (Quelle: Bilderbox)

Viele bunte Euros - bald auch für Malta

Malta im Hochsommer. Eigentlich sind auch hier Ferien. Doch die Link School of English ist voll. Die Mädchen und Jungen, die hier die Schulbank drücken, sind nach Malta gekommen, um Englischkurse zu besuchen. Englisch ist die offizielle Sprache der ehemaligen britischen Kolonie. Die jungen Urlaubsgäste gehören zu den wichtigsten Einnahmequellen auf der Insel. Die meisten Sprachschüler kommen aus Frankreich und Spanien. Doch bevor der zweiwöchige Lern-Urlaub losgeht, müssen sie Geld tauschen: Euro in maltesische Lira. Ein lästiges Übel für all jene, die sich daran gewöhnt haben, dass man im Urlaub in Europa mit der heimischen Währung zahlt.

Dass die maltesische Lira vom Euro abgelöst wird, das kann auch Gillian De Gaetano kaum erwarten. Gemeinsam mit ihrem Mann leitet sie die Sprachschule. Auf den Schreibtischen in ihrem kühlen Büro türmen sich die Papierberge. Mit dem Euro würden sie viel Geld sparen. Etwa die Wechselkosten, wenn die Eltern der Schüler die Kursgebühren in Euro überweisen. Und mit der EU-Einheitswährung, so ihre Hoffnung, könnten sie den Sprachschülern auch mehr Freizeitveranstaltungen und Ausflüge verkaufen.

Preise in zwei Währungen

Preisauszeichnung in mehreren Währungen (Quelle: DW-TV)

Preisauszeichnung in mehreren Währungen

Der Tourismus ist der wichtigste Wirtschaftszweig der Insel. Mehr als eine Million Urlauber kommen jedes Jahr nach Malta. Allen voran: Briten und Deutsche. Und die erwarten zunehmend gehobenen Standard. Malta ist Anlaufpunkt für Kreuzfahrtschiffe geworden, immer mehr Luxus-Hotels entstehen auf der Insel. Der Einfluss der Touristen ist auch auf dem Wochenmarkt in Valletta sichtbar. Kleine Holzstände in der engen Merchand’s Street sind behangen mit T-Shirts, Sonnenbrillen und Hüten.

Früh am morgen aber sind die Einheimischen noch in der Überzahl. Sie bleiben am Blumenstand stehen oder bei dem alten Händler, der Unterwäsche verkauft. In den Portmonees haben die Malteser noch ihre Lire. Doch auf den Preisschildern steht neben Lire auch Euro. Eine Lira = 2,3 Euro. Seit Juni müssen hier alle Preise in beiden Währungen angegeben werden.

Die Euro-Umstellung soll "gerecht" sein

Belebte Einkaufsstraße in Valetta (Quelle: AP)

Republic Street in Valletta

Nur 120 km von Sizilien entfernt, konnten die Malteser verfolgen, wie italienische Händler die Euroumstellung zur Preiserhöhung genutzt haben. Die maltesischen Geschäftsleute wollen beruhigen und haben Preisstabilität versprochen. Überall in der Republic Street kleben grün-blaue Aufkleber an den Schaufenstern der Läden: "Fair" steht darauf – "gerecht".

Neben dem Tourismus ist der Handel für den Inselstaat Malta wichtig. Handel – fast immer mit der EU. Ein Umschlagplatz dafür ist die "VGT" – das größte Speditionsunternehmen im Grand Harbour. Geschäftsführer Peter Darley lässt hier jährlich mehr als 30.000 Lkw und Container ein- und ausladen.

Preiserhöhungen im Alltag befürchtet

Sein Geschäft wird der Euro nicht stark verändern, meint er. Weil die Lira schon seit zwei Jahren fest an den Euro gekoppelt ist. Preiserhöhungen im Alltag befürchtet er allerdings auch: "Die Regierung versucht, das zu kontrollieren. Aber weil der Mensch eben ist wie er ist, wird es wohl Folgen haben, ein kleiner Knick in der Wirtschaft. Aber langfristig ist der Euro gut für Malta."

Daten und Fakten zu Malta

Wie Peter Darley hoffen alle Malteser, dass der Euro ihre Wirtschaft ankurbelt und dass auch sie davon profitieren. Denn zur Zeit verdienen sie nur etwa ein Fünftel dessen, was der durchschnittliche EU-Bürger bekommt. Und doch ist die Geldpolitik der Europäischen Union für viele hier noch ganz weit weg. In Sachen Euro muss auch Busfahrer Stephen erst einmal seinen Kollegen fragen: "Sag mal, was halten wir eigentlich vom Euro? Ist der gut oder schlecht? – Keine Ahnung – wir müssen’s ausprobieren." Sagt’s und steuert seinen Bus zur Haltestelle. Ein paar Monate muss er sich noch gedulden. Dann gehört Malta zum Euroland.

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