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Wirtschaft

Der Erfolg der Millenniumsziele entscheidet sich in Afrika

Armut halbieren, Schuldbildung garantieren, Kinder- und Müttersterblichkeit senken. Aids und Malaria bekämpfen. Diese Ziele haben sich die Vereinten Nationen bis 2015 gesteckt - sie werden sie wohl kaum erreichen.

Aus Planen zusammengebaute Hütte im Kongo

Armut im Kongo - bald ein Bild der Vergangenheit?

Es begann in der Nacht vom 6. auf den 7. April 1994. Da entlud sich der Konflikt in Ruanda. In den folgenden einhundert Tagen wurden schätzungsweise 800.000 Menschen massakriert. Zwölf Jahre sind seither vergangen. In den Köpfen der Menschen, vor allem jener in den Industrienationen, stehe Ruanda aber noch heute für Völkermord und Terror, sagt Luiz Ramalho von der deutschen Entwicklungsgesellschaft Inwent: Ruanda werde noch immer mit Chaos und Genozid gleichgesetzt, weshalb Investitionen ausblieben. "Dabei hat Ruanda Reformen durchgeführt, sich politisch stabilisiert und weniger Korruption als viele andere Länder."

Stille Fortschritte

Dennoch: nicht nur Ruanda, sondern viele Länder Afrikas haben in den vergangenen Jahren Fortschritte gemacht - ohne dass die Weltöffentlichkeit Notiz davon nahm. Afrikanische Regierungen haben Reformen setzten durch, die zu mehr Investitionen führten. Lediglich die OECD-Länder und Osteuropa waren im Schnitt noch reformfreudiger als Afrika. In 17 Ländern des Kontinents wuchs die Wirtschaft in den letzten zehn Jahren um mindestens vier Prozent, in zehn Ländern gar um mehr als sieben oder acht Prozent.

Um die so genannten Millenniumsziele zu erreichen, wird dieses Wachstum aber nicht ausreichen. Bis 2015 möchten die Vereinten Nationen die Armut in der Welt halbieren. Die Privatwirtschaft sei dabei essentiell für die Erreichung der Millenniumsziele, sagt Luiz Ramalho. "Ohne die Dynamik von Unternehmen - seien es afrikanische oder internationale - werden wir die Ziele mit Sicherheit nicht erreichen."

Interessante Märkte

Es gibt wirtschaftliche und soziale Gründe, warum sich Unternehmen in Afrika engagieren sollten. Denn tatsächlich gibt es Märkte auf dem Kontinent, die für Unternehmer attraktiv sind. So sind gerade in den am wenigsten entwickelten Ländern Medikamente ein Vielfaches teurer als in Industriestaaten. Auf solchen Märkten können Firmen also aufgrund der hohen Preise Gewinne machen, gleichzeitig aber eine wichtige soziale Aufgabe übernehmen, indem sie die Preise für die Medikamente drücken. Arun Kashuyp vom United Nations Development Programme hat deshalb bei Unternehmern vorgetastet und gefragt, ob sie grundsätzlich bereit wären, Waren und Dienstleistungen für Menschen am Rande der Gesellschaft zu produzieren. Die Reaktion sei durchweg sehr positiv gewesen, sagt Kashuyp. "Was allerdings fehlte war das Wissen. Sie verstehen den Markt nicht besonders gut, sie wissen nicht, wie die Nachfrage aussieht und wie man den Wunsch auch in die Tat umsetzen kann. Und das bringt uns zurück zu Institutionen wie Inwent, Weltbank sowie multi- und bilateralen Entwicklungspartner." Diese müssten den Unternehmen beibringen, wie sie die Märkte überhaupt einschätzen können. Wissen zu vermitteln reiche aber reiche nicht aus, um das gesamte Potenzial der Privatwirtschaft zu nutzen, sagt Djordjija Petkoski vom Weltbankinstitut.

Korruption und mangelnde Verantwortung

Das größte Problem sei, dass in vielen Ländern noch immer eine verantwortungsbewusste Regierungsführung fehle und Korruption vorherrsche, sagt Petkoski. "Leider sind unter den 20 korruptesten Ländern der Welt zwölf aus Afrika. Das untergräbt sämtliche Entwicklungsbemühungen."

Die Afrikanische Union schätzt, dass die Korruption 25 Prozent des gesamten afrikanischen Volkseinkommens auffrisst.

Hoffnung auf Wendepunkt

Die gute Nachricht sei aber, dass man gerade den Punkt erreiche, an dem Unternehmen und Regierungen begriffen, dass Korruption teuer sei, sagt Petkoski. "Dass selbst diejenigen, die erfolgreich korrumpieren, sehen: sie werden früher oder später auch einen höheren Preis dafür zahlen. Ich bin wirklich optimistisch, dass wir da an einem Wendepunkt angekommen sind."

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