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Kultur

Der D-Day im Kino

Das Genre des Kriegsfilms ist so alt wie die Filmgeschichte. Auch der D-Day fand auf der Leinwand statt. Meist aus der Sicht Hollywoods. Die Filme bewegen sich zwischen Propaganda und dokumentarischen Ansätzen.

Es sind vor allem zwei D-Day-Filme, die dem Zuschauer im Gedächtnis hängen geblieben sind: "Der längste Tag" (1962) und Steven Spielbergs "Der Soldat James Ryan" (1998). Dabei hat Hollywood das Thema durchaus intensiv behandelt, in den 1950er Jahren, der großen Zeit des Kriegsfilm-Genres. Das europäische Kino hat sich zurückgehalten.

Es gibt ein paar französische und britische Filme, die sich der Landung der Alliierten in der Normandie 1944 gewidmet haben. "

Deutsche Filme

haben sich hingegen fast nur mit den nachrichtendienstlichen Tätigkeiten im Vorfeld des D-Days beschäftigt", sagt der Filmpublizist Fabian Tiedtke, der als Co-Kurator eine

Filmreihe zum Thema D-Day im Deutschen Historischen Museum

in Berlin zusammengestellt hat. Die militärischen Handlungen und Abläufe tauchten in deutschen Filmen dagegen nicht auf.

Ein Kino-Thema der Sieger

Das Thema D-Day im Kino ist offensichtlich ein Thema der Sieger: "Die Filme sind fast durchweg Filme des Triumphes", sagt der Filmwissenschaftler

Claus Löser

im Gespräch mit der Deutschen Welle. "Die geballte Kraft des Guten" sollte dargestellt werden, die "Generalabrechnung mit dem Nazismus" sei die übergeordnete Klammer aller D-Day-Filme gewesen.

Filmstill Der längste Tag (Foto: Verleih)

Materialschlacht auf der Leinwand: Der längste Tag

Eine Ausnahme stellt lediglich

Regisseur Bernhard Wicki

dar. Wicki war einer von vier Filmemachern, die den mehr als dreistündigen, mit enormem Aufwand produzierten Film "Der längste Tag" verantwortete. Produzent Darryl F. Zanuck löste damals die gewaltigen historischen Stoffmassen auf, indem er gleich vier Regisseure für seinen Film anstellte. Bernhard Wicki, der sich mit dem eindrucksvollen Antikriegsfilm

"Die Brücke" (1959)

international einen Namen gemacht hatte, steuerte die Sequenzen bei, in denen es um die Rolle der deutschen Soldaten ging.

Kriegsfilm als Ausstattungsoper

Vom logistischen Aufwand her habe Produzent Darryl F. Zanuck damals mit einer gigantischen Film-Maschinerie versucht, die historische Kriegsszenerie nachzuempfinden, meint Löser. Zu Beginn der 1960er Jahre, als das Kino angesichts des aufkommenden Fernsehens in die Krise geriet, sollten Filme wie "Der längste Tag" die Zuschauer mit Technik, Ausstattung und Statistenheeren von der Überlegenheit des Mediums Kino überzeugen.

Filmstill 13 Rue Madeleine (Foto: (Mary Evans Picture Library)

Vorgeschichte des D-Days: 13 Rue Madeleine

Doch "Der längste Tag" bot trotz seines monumentalen Anspruchs - nicht zuletzt Dank Bernhard Wicki - eine erstaunlich differenzierte Sicht der Dinge und verzichtete weitgehend auf Klischees. Darüberhinaus erfüllte "Der längste Tag" auch noch eine andere Aufgabe: "Mitten im Kalten Krieg schien die Erinnerung an den letzten 'heißen' Krieg Europas ein probates Mittel der

heroischen Rückbesinnung

zu sein", so Claus Löser.

D-Day-Filme als Zuschauerfutter

Heute weniger bekannt sind Filme über die Ereignisse rund um den 6. Juni 1944 von klassischen Hollywood-Regisseuren wie Henry Hathaway und William A. Wellman. Hathaway drehte bereits zwei Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs "13 Rue Madelaine" mit einem Star wie James Cagney in der Hauptrolle. Die historischen Ereignisse seien damals noch in frischer Erinnerung gewesen, meint Löser. In "13 Rue Madelaine" wird ein amerikanisches Ausbildungslager von einem deutschen Agenten ausspioniert.

Filmstill Battleground (Foto: imago/United Archives International)

Kriegsgeschehen und privates Leben: The Battleground

William A. Wellman inszenierte zwei Jahre später "The Battleground", der von der deutschen Ardennen-Offensive 1944 und dem heroischen Einsatz der alliierten Soldaten erzählt - eine von unzähligen militärischen Episoden innerhalb der D-Day-Historie. Explizit den Sturm der Alliierten auf die nordfranzösischen Küsten nahm dann 1998 Steven Spielberg in seiner Großproduktion "Der Soldat James Ryan" (unser Foto oben) ins Visier. Spielbergs technisch brillantes Kinospektakel setzte neue Maßstäbe bei der Inszenierung des Kriegsgeschehens. Insbesondere die halbstündige Eröffnungssequenz, die minutiös die Landungsoperation in der Normandie schildert, forderte die Zuschauer heraus.

Europäische D-Day-Filme

Das britische und französische Kino über den D-Day fiel ein paar Nummern kleiner aus. Als Low-Budget-Film drehte der Engländer Stuart Cooper 1975 den Film "Overlord", der sich auf das Schicksal eines jungen britischen Soldaten konzentriert. Der wird für den Einsatz in Nordfrankreich ausgebildet und stirbt dann - noch im Landungsboot sitzend - im deutschen Kugelhagel. Ein auch heute noch ungemein beeindruckender Film, der sowohl ästhetisch als auch inhaltlich Standards gesetzt habe, urteilt Claus Löser.

Filmstill Indigènes Tage des Ruhms (Foto: INDIGENES aka )

Auch sie riskierten ihr Leben am D-Day: Algerier kämpften für Frankreich

Der französische Regisseur René Clément drehte 1966 für einheimische und amerikanische Produzenten den Film "Paris brûle-t-il?", in dem er die Wochen nach dem D-Day und die Befreiung von Paris ins Blickfeld rückte. Ein Thema, mit dem sich vor kurzem auch Volker Schlöndorff in seinem Kammerspiel "Diplomatie" intensiv auseinandersetzte. War es bei Cooper ein individuelles Soldatenschicksal, so stellten die französischen D-Day-Filme in der Regel den Beitrag der französischen Soldaten ins rechte Licht und überhöhten den Widerstands-Kampf unter General de Gaulle. Neuere Filme wie "Tage des Ruhms" (2006) des algerisch-stämmigen, französischen Regisseurs Rachid Bouchareb thematisierten den Beitrag der Soldaten aus den ehemaligen Kolonien am D-Day.

Fokus Militärgeschichte

Für Film-Kurator Fabian Tiedtke bleibt als Fazit: "Der D-Day-Film war in allererster Hinsicht ein Militär- und Kriegsfilm". Die historische Wende, der D-Day als Beginn einer Nachkriegsordnung, bleibe in den Filmen meist ausgeklammert. "Auf die Militärgeschichte haben sich alle verständigen können." Auf die Deutung des 6. Juni als erster Tag einer möglichen Neuordnung Europas hingegen nicht. So verwundert es kaum, dass sich das sowjetische Kino mit dem D-Day so gut wie überhaupt nicht beschäftigt hat.

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