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Wirtschaft

Der Aufschwung geht weiter

Der wirtschaftliche Aufschwung in Deutschland wird sich im kommenden Jahr fortsetzen - darüber sind sich alle Experten einig. Aber wie stark wird das Wachstum wirklich ausfallen? Hintergründe von Karl Zawadzky.

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Geht's weiter aufwärts?

2006 war das bislang beste Jahr im laufenden Konjunkturzyklus; in dem Jahr nahm die Wirtschaftsleistung in Deutschland um 2,9 Prozent zu. Ein so starkes Wachstum hatte es seit sechs Jahren nicht mehr gegeben. Im nun zu Ende gehenden Jahr 2007 beträgt das Wirtschaftswachstum 2,5 Prozent.

Karl Zawadzky

Zwischen den Wachstumsraten der beiden Jahre besteht ein enger Zusammenhang. Denn wegen der heftigen Mehrwertsteuererhöhung gleich um drei Prozentpunkte haben die Verbraucher viele Anschaffungen höherwertiger Güter - vom Auto über die Wohnzimmereinrichtung bis zum Computer - vorgezogen. Klar: Die vorgezogenen Käufe, die 2006 die Konjunktur antrieben, fehlten 2007. Mittlerweile ist die Mehrwertsteueranhebung kein Thema mehr, doch dafür fehlt es nicht an neuen Störfaktoren für die Konjunktur. Schwächung der privaten Nachfrage In Amerika geht dem Aufschwung in der Folge der Krise am Immobilien- und Hypothekenmarkt die Puste aus. Mehr noch: Viele sehen in den USA bereits wieder das Gespenst der Rezession. Das schlägt weltweit auf die Stimmung, schließlich ist Amerika die mit weitem Abstand größte Volkswirtschaft und damit ein wichtiger Mitspieler in der Weltwirtschaft. Die Hypothekenkrise hat den Banken rund um den Globus das Geschäft verhagelt. Denn alle wollten an den Schrotthypotheken mitverdienen, nun haben alle den Verlust - nicht nur amerikanische Banken, sondern auch Schweizer Großbanken oder deutsche Sparkassen. Wieder einmal hat die Gier den Verstand besiegt; das Ergebnis wird die Wirtschaft noch eine Weile belasten. Hinzu kommen der hohe Ölpreis und der teure Euro. Und damit nicht genug: Weltweit sind die Rohstoffe knapp, zum Beispiel wegen der starken Nachfrage aus China und Indien, das treibt den Preis. Und weil die steigenden Preise bei den Verbrauchern zu einem Entzug an Kaufkraft führen, halten die ihr Geld zusammen. Das schwächt die private Nachfrage. Exportrekord und Investitionsboom Dennoch: "Die deutsche Wirtschaft befindet sich weiterhin in einem soliden Aufschwung", stellt die Deutsche Bundesbank in ihrem aktuellen Konjunkturbericht fest. Dafür gibt es gute Gründe. Weltweit - vor allem in den rohstoffreichen Schwellenländern mit hohen Exporteinnahmen und teilweise gigantischen Devisenreserven - wird in die Infrastruktur sowie in den Ausbau der Industrie investiert und der neue Reichtum kräftig konsumiert. Kein anderes Land kann die entsprechenden Güter in der Qualität liefern wie Deutschland, ob es sich um Baumaschinen, Industrieanlagen, Nobelautos oder hochwertige Lebensmittel handelt. Hinzu kommt, dass die Unternehmen aus Deutschland nicht nur über die passende Exportpalette verfügen, sondern auch einen herausragenden Service bieten. Und: In den Jahren der Wirtschaftsschwäche im Inland haben die Firmen ganz gewaltig auf dem Weltmarkt expandiert. Das zahlt sich jetzt aus. Das Ergebnis ist neben dem Exportrekord ein Investitionsboom im Inland, denn viele Unternehmen passen ihre Produktionskapazitäten der stärkeren Nachfrage an. Inflationsrate bereitet Sorgen Aber die Wirtschaftsschwäche in den USA, die Probleme der Banken, der hohe Ölpreis und der teure Euro sorgen für einen abgeschwächten Anstiegswinkel der Konjunktur. Die Bundesbank geht deswegen für 2008 von einem Wirtschaftswachstum von 1,9 Prozent aus, einige wirtschaftswissenschaftliche Forschungsinstitute nur noch von 1,5 bis 1,6 Prozent. Das heißt: Der Aufschwung geht weiter, aber mit deutlich verringerter Dynamik. Ob sich damit der gegenwärtige Konjunkturzyklus bereits seinem Ende zuneigt, oder ob die Konjunktur sich 2009 wieder verstärkt, das kann niemand zuverlässig prognostizieren. Auf der einen Seite steht die deutsche Wirtschaft im Vergleich zu früheren Jahren auf einem sehr viel stärkeren Fundament, auf der anderen Seite bereitet die Inflationsrate zunehmende Sorgen. Im November lag die Preissteigerungsrate beim Vergleich mit November vorigen Jahres bei 3,1 Prozent, also deutlich außerhalb des von der Europäischen Zentralbank tolerierten 2-Prozent-Korridors. Eigentlich müssten die Währungshüter darauf mit Zinssteigerungen reagieren, doch das ist angesichts der Bankenkrise nicht möglich. Im Gegenteil: Die Zentralbanken rund um den Globus pumpen Milliarden über Milliarden in den Geldkreislauf - und fördern damit die inflationären Tendenzen. Was heute nötig erscheint, kann schon auf mittlere Sicht den Aufschwung abwürgen.

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