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Kunst

Der auf die Geschichte baut: Stararchitekt Daniel Libeskind wird 70

Der amerikanische Star-Architekt Daniel Libeskind hat über 45 Gebäude in aller Welt entworfen. Darunter Ground Zero und das Jüdische Museum in Berlin. An seinem 70. Geburtstag kehrt er zu einer alten Leidenschaft zurück.

Kurz vor Daniel Libeskinds 70. Geburtstag (12.05.2016) laufen noch die letzten Vorbereitungen für das Konzertprojekt "One Day in Life". Libeskind hat das Projekt für die Frankfurter Alte Oper entworfen. Am 21. und 22. Mai sollen 75 Konzerte an 18 Orten in Frankfurt am Main gespielt werden. Libeskind will Musik dorthin bringen, wo sonst gewöhnlich keine Musik gespielt wird. Etwa in Krankenhäusern, im Schwimmbad oder in versteckten Bunkern. "Das Projekt kombiniert klassische und zeitgemäße Musik, um zu zeigen, dass die Leute hören müssen, wie die Musik zu ihnen spricht. Erst so eröffnet sich ihnen die Stadt", erklärte Libeskind der DW.

Vor der Oper die unverkennbare Handschrift von Daniel Libeskind direkt auf der Straße. Wie geometrische Zeichnungen wirken die Linien, die er auf den Boden gemalt hat und die sich in spitzen Winkeln kreuzen. Ein Architekt, der ein Musikprojekt initiiert? Für Daniel Libeskind ist das nicht ungewöhnlich. Bevor er Architekt wurde, studierte er Musik und galt als begabter Akkordeonspieler. "Jetzt ist die Architektur mein Instrument geworden. Musik und Architektur haben beide etwas sehr technisches, aber am Ende müssen sie deine Seele erreichen."

Der Davidstern als wiederkehrendes Symbol

Architekt Daniel Libeskind und Stephan Pauly stehen auf der Straße, die Libeskind mit zackigen Linien bemalt hat. © picture-alliance/dpa/A. Dedert

Architekt Daniel Libeskind und Intendant der Frankfurter Oper Stephan Pauly bei den Vorbereitungen des Konzertprojektes.

Die Linien auf dem Platz vor der Alten Frankfurter Oper erinnern an einen Davidstern. Der taucht symbolisch auch bei einigen Bauprojekten auf, denn Libeskind ist bekannt dafür, dass er an Orten baut, die eine schwierige Vergangenheit haben. Dazu gehört auch sein erstes großes Bauwerk, das Jüdische Museum in Berlin, das 2001 fertig gestellt wurde. Heute ist das mit Zink verkleidete Gebäude ein Wahrzeichen der Hauptstadt. Der zackige Grundriss soll an einen zerbrochenen Davidstern erinnern. Ein Symbol für die Juden, die in Nazideutschland in den Konzentrationslagern inhaftiert und umgebracht wurden.

Libeskind fühlte sich ein Leben lang als Immigrant

Damit erinnert er auch an seine eigene Geschichte und an die seiner Eltern, die ebenfalls im KZ gefangen halten wurden, aber den Holocaust zum Glück überlebten. Am 12. Mai 1946 wurde der amerikanische Stararchitekt in der polnischen Stadt Łódź geboren. 1957 emigrierten die Eltern zunächst nach Israel, drei Jahre später dann in die USA. "Ich war mein Leben lang Immigrant, meine Eltern auch. Wir müssen lernen, dass uns die Welt, die Stadt, in der wir leben, nicht gehört. Wir sind alle nur vorübergehend da", sagt er in einem Interview mit dem Magazin "Lufthansa Exclusive" und bezieht sich dabei auch auf die Flüchtlingsströme der jüngsten Zeit.

Luftaufnahme vom Jüdischen Museum in Berlin © picture-alliance/dpa/akg-images/D.E. Hoppe

Luftaufnahme vom Jüdischen Museum in Berlin

1989 ging Daniel Libeskind mit seiner Familie und seinem Studio nach Berlin, um dort das Jüdische Museum zu planen. Nachdem er im Februar 2003 die Architekturausschreibung zur Neubebauung des Areals rund um das einstige World Trade Center gewonnen hatte, zog er nach New York und richtete dort ein neues Studio ein, mit seiner Frau Nina Libeskind als Geschäftsführerin.

Ground Zero, ein Mammutprojekt

Das Projekt "Groud Zero" ist noch lange nicht beendet. Wegen der Kosten und der Ausführung der Pläne von Libeskind gab es einigen Streit, auch vor Gericht. Dennoch ist Daniel Libeskind stolz auf seine Mitarbeit. Viele sagen zwar, von seinen ursprünglichen Entwürfen sei nicht viel geblieben, doch Libeskind erkennt ganz klar seine Handschrift. Die Lage und Höhe der Gebäude und auch der Charakter der Straßen folge seinen Zeichnungen. Und der "Freedom Tower", heute das "One World Trade Center" sei, wie von ihm geplant, 1776 Fuß hoch. Eine Zahl, die das Jahr der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten von Amerika symbolisiert.

Die Symbolik und die Art der Erinnerungsarchitektur, die Daniel Libeskind pflegt, ist nicht unumstritten. Gelobt werden sein komplexes Architekturverständnis und seine neuen Ausdrucksformen. So wurde er 2010 von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit mit der Buber Rosenzweig-Medaille ausgezeichnet, weil es ihm gelinge, "einen Dialog zwischen Architektur und der Geschichte der Juden herzustellen". Kritiker werfen ihm dagegen vor, er überfrachte seine Projekte mit Theorien und unverständlicher Symbolik, die sich den Nutzern seiner Gebäude nicht erschlössen.

Panoramabild von Ground Zero in New York © picture-alliance/B. Beytekin

Das Projekt "Ground Zero". In der Mitte der Tower des "One World Trade Centers"

Bauwerke als Mahnmale

Gerade bei seinen öffentlich finanzierten Bauwerken geht es oft um die Erinnerung und den Bruch mit der Vergangenheit. Architektonisch drückt Daniel Libeskind diesen Bruch aus, indem er historische Bauwerke mit modernen, spitz in die Höhe ragenden, geometrischen, glitzernden Gebäudeteilen aus Stahl und Glas durchbricht oder ergänzt. Die spitzen Winkel, die harten Kanten, sowie das Licht und der leere Raum sind sein Markenzeichen.

Dabei fasziniert ihn die Form und Beschaffenheit von Kristallen, die geschliffen, stark und belastbar sind und das Licht der Sonne reflektieren. Doch ein Kristall sei nicht nur eine starke Form, sondern auch ein Symbol für ihn, erläutert Libeskind der DW: "Kristalle verkörpern Schönheit, Wärme und Intimität." Das gelte auch für Gebäude, meint Libeskind. "Gebäude haben eine harte Außenseite - aber sie müssen sich in die häusliche Umgebung einfügen."

Von rund 100 Libeskind-Projekten ist die Hälfte noch in Arbeit

Weltweit hat Daniel Libeskind über 45 Bauprojekte umgesetzt. Zu seinen Hauptwerken zählen neben dem Jüdischen Museum in Berlin auch das Militärische Geschichtsmuseum in Dresden, das Kunstmuseum in Denver, die Keppler-Bay-Wohntürme in Singapur und das Kongresszentrum im belgischen Mons.

Architekt Daniel Libeskind vor Modellen seiner Bauwerke. © picture-alliance/dpa/J. Schmitt-Tegge

Architekt Daniel Libeskind in seinem New Yorker Studio

Auch mit 70 Jahren ist Daniel Libeskind noch umtriebig. Rund 50 seiner Projekte befinden sich noch in Arbeit. Darüberhinaus entwirft er auch Möbel und Einrichtungsgegenstände. Gerade hat sein Büro offiziell bestätigt, dass Libeskind in Erbil, im Norden des Irak, in der Autonomen Region Kurdistan, den Auftrag erhalten hat, ein Museum und Kulturzentrum zur Geschichte und Kultur des Kurdischen Volkes nach seinen Plänen zu realisieren.

Auf der einen Seite will Libeskind die reiche Kultur und die Zukunft von Kurdistan zeigen, auf der anderen Seite die Unterdrückung durch den irakischen Diktator Saddam Hussein in der Vergangenheit. Ein emotionales Bauwerk zwischen Trauer und Hoffnung, so ist es auf Libeskinds Homepage zu lesen. .

Mit der Realisierung muss er allerdings noch eine Weile warten, denn die Region im Nordirak ist immer wieder Kriegsgebiet und die Regionale Regierung Kurdistans hat derzeit nicht das Geld, um einen Stararchitekten wie Libeskind bezahlen zu können.

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