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Afrika

Der Admiral geht von Bord

Seit Monaten herrscht in Madagaskar Ausnahmezustand, weil sich zwei Politiker um die Macht im Inselstaat streiten. Nun scheint sich ein Ende der Krise abzuzeichnen.

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Das Volk will demokratische Verhältnisse in Madagaskar

Zwei Männer liefern sich seit den Präsidentschaftswahlen im Dezember 2001 eine Schlacht um die politische Macht im afrikanischen Inselstaat. Ex-Präsident Didier Ratsiraka reiste in der vergangenen Woche nach Frankreich aus. Ist das Gerangel damit beendet?

Schlechter Verlierer

Didier Ratsiraka

Didier Ratsiraka

Ratsiraka verlor die Wahl gegen den Kandidaten der Opposition, Marc Ravalomanana. Der Bürgermeister von Madagaskars Hauptstadt Antananarivo bekam 52 Prozent der Stimmen, Ratsiraka 38 Prozent. Doch der langjährige Präsident erkannte die Wahl nicht an - bis heute. Zwei Monate nach der Wahl ließ sich Oppositionsführer Ravalomanana zum Staatsoberhaupt ausrufen.

"Wir sind das Volk"

Der Bürgermeister der Hauptstadt verspricht den 16 Millionen Madegassen eine rigide Bekämpfung der Armut, eine Verbesserung der wirtschaftlichen Verhältnisse und des Gesundheitssystems. Der Bauernsohn ist selbst ein Mann des Volkes: Der Selfmade-Mann brachte es vom bettelarmen Joghurtverkäufer zum millionenschweren Molkereiunternehmer und Arbeitgeber. Als Unternehmer kontrolliert er den Agrarmarkt und beschäftigt in seiner Firmengruppe etwa 5.000 Menschen. Und er gilt als glaubwürdig, denn als Bürgermeister löste er bereits viele seiner Versprechungen ein.

Abgeschnitten von der Außenwelt

Im März 2002 verhängte Ex-Präsident Ratsiraka das Kriegsrecht. Und er versuchte, die Hauptstadt regelrecht auszuhungern. Er ließ die Versorgungswege sperren und schnitt die Hauptstadt von der Außenwelt ab - unter den Augen der internationalen Gemeinschaft.

Der Ex-Marxist, auch der "rote Admiral" genannt, zählt zu den korruptesten Herrschern in Afrika. Misswirtschaft, medizinischer Notstand und Korruption gehen auf das Konto von Ratsiraka, der Madagaskar mit Unterbrechungen 20 Jahre lang regierte und herunterwirtschaftete. Madagaskar zählt heute zu den zehn ärmsten Ländern der Welt. "Die Leute wollen den Wechsel", sagt Rainer Ruffing, Madagaskar-Experte, im Gespräch mit DW-WORLD.

Unruhen im Urlaubsparadies

Armeeeinheiten in Antananarivo, Madagaskar

Armee auf Madagaskar

Seit Anfang Juni warnt das Auswärtige Amt vor Reisen in den Pazifik-Staat. Fast 150.000 Touristen besuchen jährlich die Insel, die sich ihrer 5.000 Kilometern weißen Sandstränden rühmt. Zur Zeit wird die Insel von Unruhen erschüttert. In den Provinzen Tamata und Suarez kämpfen Ravalomanana-treue Milizen gegen die rebellischen Truppen des "Admirals". Die Infrastruktur sei so gut wie nicht mehr existent, meint Ruffing.

Vorsorgeuntersuchung von Kleinkindern in Madagaskar

Vorsorgeuntersuchung von Kleinkindern in Madagaskar

Informationen über Madagaskar, das 1991 demokratisch wurde, sickern nur spärlich nach Europa. Offizielle Meldungen sprechen nur von 12 Toten durch die Unruhen der vergangenen Tage. Allerdings nicht von ungefähr 7.000 Kindern und 4.000 Müttern, die durch die schlechte medizinische Versorgung in den letzten fünf Monaten gestorben seien, sagt Ruffing, der als Arzt auf Madagaskar arbeitete.

Entspannung in Sicht?

Nach der Ausreise des ehemaligen Präsidenten nach Frankreich, ehemalige Kolonialmacht von Madagaskar, hoffen die Madegassen auf eine Stabilisierung der Lage. Auch die USA und die EU haben ein Interesse an einer Übernahme der Regierungsgeschäfte durch den demokratisch gewählten Ravalomanana.

Ab dem 21. Juni wird die Organisation der Afrikanischen Einheit (OAU) in Adis Abeba über eine sogenannte "Versöhnungsregierung" beraten. Der Krisenplan sieht Parlamentswahlen innerhalb des nächsten halben Jahres unter internationaler Aufsicht vor. Ob sich Ex-Präsident Ratsiraka an einer Konsens-Lösung beteiligt, ist bisher noch unklar.

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