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Europa

Der Abschwung hat sich verlangsamt

Geht es noch weiter abwärts mit der wirtschaftlichen Entwicklung oder ist die Talsohle endlich erreicht? Im Interview dazu ist Peter Westerheide vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW).

Über einem Bündel Euro-Scheine, liegt eine Schärpe mit der Aufschrift Konjunkturpakte (Bild: DW)

Die Hoffnung, dass die Konjunkturpakete wirken, wirkt sich positiv aus

DW-WORLD.DE: Das Konjunkturbarometer des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW ) in Mannheim weist im April erstmals seit fast zwei Jahren positive Zahlen auf. Herr Westerheide, geht es nun wieder aufwärts, ist der Abschwung bald vorbei?

Peter Westerheide vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung ZEW

Peter Westerheide vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW)

Peter Westerheide: Das muss man sicherlich sehr differenziert beantworten. Zunächst einmal gehen wir davon aus, dass sich der Abschwung zumindest verlangsamt hat. Das ist auch ein Grund für den doch deutlich optimistischen Indikator, den wir veröffentlicht haben. Der zweite Aspekt ist natürlich, dass wir schon vergleichsweise tief gefallen sind in der Einschätzung der konjunkturellen Situation, sodass es von dort aus automatisch auch wieder ein Stück weit nach oben gehen muss. Viel schlechter kann es eigentlich gar nicht mehr werden. Von daher gibt es zwei verschiedene Aspekte, die hier zu berücksichtigen sind: Wir sehen im Grunde genommen eine Abschwächung des Abschwungs und wir sehen sicherlich auch die Hoffnung darauf, dass die Konjunkturpakete in den nächsten sechs Monaten zu wirken beginnen und wir dementsprechend wieder mit zumindest etwas positiveren Signalen rechnen können. Das haben wir heute im Grunde genommen in diesem Indikator gesehen.

In Deutschland fordern jetzt Teile der Industrie ein weiteres Konjunkturpaket. Ist das unnötig?

Ich denke, zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist das sehr schwer zu beurteilen. Man sollte zunächst einmal abwarten, ob und in welchem Maße die bisher eingeleiteten Maßnahmen, bevor man über ein drittes Paket nachdenkt und tatsächlich wieder mehr Geld ausgibt.

Die Unterschiede innerhalb der Eurozone sind relativ groß. Polen hat beispielsweise jetzt einen IWF-Kredit beantragt, Rumänien hat einen solchen Kredit erstattet bekommen. Kann man die positiven oder verhalten positiven Ergebnisse ihrer Untersuchung auch auf Osteuropa beziehen?

Das Logo des IWF neben einem Bündel Geld (Symbolbild: DW)

Einige ostmitteleuropäische Länder haben Kredite beim Internationalen Währungsfonds beantragt

Wir fragen die osteuropäischen Länder nicht differenziert ab. Von daher haben wir im Wesentlichen Westeuropa im Fokus. Hier kann man deutlich sagen, dass wir in Deutschland mit die positivste Einschätzung und mit den positivsten Trend haben. In den anderen großen europäischen Ländern ist es ähnlich ausgeprägt - etwas schlechter allerdings, als wir das für Deutschland sehen. Für Osteuropa können wir hier auf der Basis unserer gegenwärtigen Umfrage keine Aussage machen.

Kommen wir auf Westeuropa zu sprechen: Wann ist die Krise vorbei? Haben Sie da schon erste Indikatoren?

Nein, das können wir auf der Basis einer solchen, sich auf sechs Monate beziehenden Umfrage schwer sagen. Wir befinden uns im Moment auf einem sehr niedrigen Level. Wir erwarten jetzt, dass es langsam, aber sicher wieder aufwärts gehen wird - auf die Sicht von sechs Monaten. Das heißt aber nicht, dass die Krise damit vorbei wäre, sondern zunächst heißt es, dass wir eine Art Bodenbildung eingeleitet haben. Von dort aus können wir dann wieder nach vorne gucken. Jetzt zu terminieren, wann dieser Abschwung, wann diese Krise vorbei sein wird, das wäre sicherlich vermessen.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat vergangene Woche angekündigt, in Zukunft keine konkreten Prognosen mehr zu geben. Das sei in wirtschaftlich extremen Zeiten wie diesen nicht seriös. Wie aussagekräftig sind Ihre Zahlen?

Wir haben keine konkrete Konjunkturprognose in Form eines bestimmten Punktwerts angegeben, sondern nur gesagt: Es gibt eine gewisse positive Einschätzung, basierend auf einer Umfrage unter mehreren Hundert Finanzmarktexperten. Wir haben eine Marktmeinung zusammengefasst und verdichtet. Und wir haben bestimmte Motive, bestimmte Beweggründe, bestimmte Hintergründe gefunden. Nicht mehr und nicht weniger haben wir getan. Das, denke ich, ist vertretbar in der gegenwärtigen Situation. Es ist möglicherweise sehr schwierig, konkrete Wachstumsraten zu nennen, darauf bezieht sich das DIW. Man kann geteilter Meinung sein, ob man das machen möchte oder nicht. Das muss jedes Institut für sich selbst entscheiden.



Das Interview führte Manfred Götzke.

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