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Wirtschaft

Hoffnungsschimmer trotz Konjunktureinbruch

Die Wirtschaft wird um mindestens 4 Prozent einbrechen - da sind sich die Experten einig. Uneins sind sie aber in der Frage, wie lang die Rezession anhalten wird.

Containerschiff im Hamburger Hafen (Quelle: dpa)

Drastischer Exporteinbruch: Die Verladekräne bekommen immer weniger zu tun

Deutschland steckt noch tiefer in der Rezession, als viele es bislang gefürchtet hatten. Das ist die schlechte Nachricht. Die Gute: Schon ab Sommer könnte es wieder bergauf gehen. Der neue Chef der Wirtschaftsweisen, Wolfgang Franz rechnet mit einem Einbruch der Wirtschaftsleistung von bis zu vier Prozent. Allerdings hält er es für möglich, dass die Abwärtsbewegung der Konjunktur im Sommer zum Stillstand kommt.

Skulptur vor der Börse in Frankfurt (Quelle: AP)

Börsenprofis rechnen mit Verbesserung ab Sommer

Auch Börsenprofis sehen einen Hoffnungsschimmer: Das ZEW-Barometer für die Konjunkturerwartungen von Anlegern und Analysten stieg im März überraschend auf den besten Wert seit Mitte 2007. Der Grund: Ab Sommer können staatliche Hilfsprogramme, niedrige Zinsen und gesunkene Rohstoffpreise ihre Wirkung entfalten.

Das IWH-Institut in Halle hatte am Dienstag (17.3.) verkündet mit einem Absturz des Wachstums in diesem Jahr um 4,8 Prozent zu rechnen. Und ist mit dieser Einschätzung pessimistischer als alle anderen Institute. "Es kann durchaus schlechter kommen. Ich sehe mich nicht als Pessimist", sagte IWH-Konjunkturchef Udo Ludwig zu gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

Korrektur nach unten

Zwar haben zwei der großen Wirtschaftsforschungsinstitute in Deutschland ihre Prognosen inzwischen nach unten korrigiert, sie sehen aber nicht ganz so schwarz wie das ZEW. Ihre Erwartung: 2009 wird die Wirtschaftsleistung um fast vier Prozent einbrechen. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) sagt einen Rückgang des jährlichen Bruttoinlandsprodukts um 3,7 Prozent voraus. Das Hamburger Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) ist noch pessimistischer und prognostiziert 3,8 Prozent. Noch im Dezember hatte das IfW nur einen Rückgang um 2,7 Prozent vorausgesehen, das HWWI sogar nur 1,2 Prozent.

Spektakuläre Einbrüche

17.02.09 DW-TV Made in Germany MIG Thomas Straubhaar 2

HWWI-Chef Thomas Straubhaar: "Die Welt ist nicht mehr wie sie war."

Mit dem Zusammenbruch der amerikanischen Investmentbank Lehmann-Brothers sei die Weltwirtschaft nicht mehr so wie vorher, sagte der Chef des HWWI, Thomas Straubhaar. Seit Herbst 2008 habe sich der Abschwung in einem Maße verschärft, das über eine zyklische Rezession deutlich hinausgehe. Die Forscher des Kieler IfW betonten, dass die deutsche Wirtschaft Ende des letzten Jahres deutlich stärker eingebrochen sei als erwartet. Vor allem die Exporte seien "geradezu spektakulär" zurückgegangen.

Auch das Hamburger Institut geht aber davon aus, dass die Wirtschaft bereits in der zweiten Jahreshälfte 2009 wieder Tritt fassen wird und im nächsten Jahr um ein Prozent wachsen könnte. Das HWWI räumt aber ein, dass diese Voraussage mit "immensen konjunkturellen Unwägbarkeiten" behaftet sei. Weniger optimistisch als das HWWI geben sich die Kieler Wissenschaftler. Sie erwarten eine Stabilisierung der Konjunktur erst im Frühjahr 2010.

HWWI sieht Unternehmen gefordert

Das Schild ueber dem Eingang der Agentur fuer Arbeit in Gelsenkirchen. (AP Photo/Martin Meissner)

Die Nürnberger Arbeitsmarktforscher werden immer pessimistischer

Entscheidend für die Entwicklung der Konjunktur in den nächsten Monaten ist nach Ansicht von HWWI-Chef Straubhaar die Beschäftigungspolitik der Unternehmen. Falls die Firmen weitgehend auf Entlassungen verzichteten und die Krise mit Kurzarbeit überbrückten, könnten Einkommen und Konsum stabil bleiben. Das setze aber voraus, dass die Konjunkturpakete in Deutschland positive Folgen hätten. Sollte die Talfahrt drastischer auf den Arbeitsmarkt durchschlagen, bestünde die Gefahr einer Abwärtsspirale von Beschäftigung, Einkommen und Nachfrage, warnte Straubhaar.

Für das IfW steht im Gegensatz zu ihren Hamburger Kollegen schon fest, dass sich der Arbeitsmarkt in diesem Jahr in Deutschland nicht positiv entwickeln wird. Das Institut erwartet im vierten Quartal 2009 rund 800.000 mehr Arbeitslose als im Vorjahr. Das bedeutet im Jahresdurchschnitt einen Anstieg um 400.000 auf 3,6 Millionen Arbeit suchende Menschen.

Die Arbeitsmarktforscher der Nürnberger Bundesagentur für Arbeit sind da noch einen Tick pessimistischer. Die weltweite Rezession werde den deutschen Stellenmarkt weitaus härter treffen als erwartet, sagen sie. Angesichts dramatischer Auftragseinbrüche in der deutschen Industrie sei nun mit 3,6 bis 3,7 Millionen Erwerbslosen im Jahresdurchschnitt 2009 zu rechnen, prognostizierte das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) am Donnerstag in Nürnberg. Bislang war das Forschungszentrum der Bundesagentur für Arbeit (BA) lediglich von einer durchschnittlichen Arbeitslosigkeit von 3,3 bis 3,4 Millionen ausgegangen. 2008 waren im Schnitt 3,27 Millionen Menschen arbeitslos.