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Nordkoreas ehrgeiziges Rüstungsprogramm

Demonstratives Militärmanöver nach Nordkoreas Raketentest

Nordkorea hat nach US-Angaben zum zweiten Mal innerhalb eines Monats eine Interkontinentalrakete getestet. Als "militärische Antwort" trafen sich Soldaten aus Südkorea und den USA zu einem Manöver mit scharfer Munition.

Die US-Streitkräfte feuerten als Warnung an die kommunistische Führung Nordkoreas vor der Ostküste Südkoreas Kurzstreckenraketen ins Meer. Zuvor hatten die USA und Südkorea angekündigt, über "mögliche militärische Antwortoptionen" zu beraten. Der Generalstabschef der US-Streitkräfte, Joe Dunford, und US-Pazifik-Kommandeur Harry Harris hätten dem südkoreanischen Generalstabschef Lee Sun Jin in einem Telefonat außerdem die "unumstößliche" Solidarität Washingtons versichert. Die Regierungen Japans und Südkoreas beriefen Sitzungen ihrer nationalen Sicherheitsräte ein.

Nordkorea hatte am Freitag zum zweiten Mal innerhalb eines Monats eine Interkontinentalrakete abgefeuert und damit gegen UN-Resolutionen verstoßen. Das Geschoss sei etwa tausend Kilometer weit geflogen und innerhalb der 200-Meilen-Zone Japans ins Meer gestürzt, rund 170 Kilometer von der Insel Hokkaido entfernt, sagte ein Sprecher des Pentagon. Inzwischen bestätigte Nordkorea den zweiten erfolgreichen Test der Langstreckenrakete Hwasong-14. Diese habe eine Höhe von 3.724 Meter erreicht. 

Internationale Kritik

Die internationale Gemeinschaft verurteilte den Raketentest. US-Präsident Donald Trump sagte, der Test sei die jüngste "rücksichtslose und gefährliche" Handlung des Regimes in Pjöngjang. Das Streben nach Interkontinentalraketen isoliere das Regime, schwäche die Wirtschaft und schade der Bevölkerung.

Die Regierung Japans sprach von einem weiteren Verstoß gegen UN-Resolutionen. Nach Angaben aus Tokio landete die Rakete womöglich innerhalb der sogenannten ausschließlichen Wirtschaftszone Japans im Meer. Das russische Militär erklärte derweil, nach seinen Erkenntnissen habe es sich vermutlich um eine Mittelstreckenrate gehandelt.

Der neue Raketentest war seit Tagen erwartet worden, da an Nordkoreas Testgelände verstärkte Aktivitäten beobachtet wurden. Erst am 4. Juli, dem amerikanischen Unabhängigkeitstag, hatte das Land eine Interkontinentalrakete abgefeuert, die vor Japan ins Meer stürzte. Dies hatte in Washington heftigen Protest und besorgte Reaktionen ausgelöst. Die nun getestete Rakete sei weiter entwickelt als die Rakete von Anfang Juli, teilte das südkoreanische Militär mit.

Guterres mahnt diplomatische Lösung an

UN-Sprecher Farhad Haq bezeichnete es als "frustrierend", dass die Appelle von UN-Generalsekretär Antonio Guterres zur Deeskalation des Konflikts nicht erhört würden. Alle beteiligten Parteien müssten ihren "besonderen Einfluss" geltend machen, um zu einer Lösung beizutragen, sagte Haq offenkundig in Richtung Chinas, des wichtigsten Verbündeten Nordkoreas.

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Nordkorea testet erneut Interkontinentalrakete

Das chinesische Außenministerium verurteilte wenig später den Raketentest und rief das Nachbarland dazu auf, UN-Sanktionen zu beachten und alles zu unterlassen, was die Spannungen in der Region verschärfen könnte.

Die EU warf Pjöngjang "eine ernsthafte Bedrohung des internationalen Friedens" vor. Nordkorea habe damit gegen zahlreiche Resolutionen des UN-Sicherheitsrats verstoßen, kritisierte der Auswärtige Dienst der Europäischen Union.

Der Raketentest am Freitag erfolgte wenige Stunden nach einer Abstimmung des US-Senats, der neue Sanktionen gegen Nordkorea beschloss. Japan hatte kurz zuvor Strafmaßnahmen gegen zwei chinesische Firmen wegen ihrer Geschäftsbeziehungen zu Nordkorea erlassen.

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Neue Sanktionen gegen Russland, Iran und Nordkorea

Mehrere UN-Sanktionen

Die Führung des international isolierten Landes arbeitet seit Jahren an der Entwicklung von Atomwaffen sowie Langstreckenraketen, mit denen atomare Sprengköpfe womöglich bis in die USA getragen werden könnten. Der UN-Sicherheitsrat verhängte mehrfach Sanktionen gegen das ostasiatische Land.

Diese Sanktionen verbieten es Nordkorea, Raketen zu entwickeln oder zu testen. Dennoch hat die Führung in Pjöngjang vor allem seit Anfang vergangenen Jahres zahlreiche Raketen in bislang nie dagewesener rascher Folge getestet. Auch zwei der insgesamt fünf Atomtests fanden in diesem Zeitraum statt. Experten zufolge ist Nordkorea allerdings noch Jahre davon entfernt, eine Interkontinentalrakete mit einem atomaren Sprengkopf bestücken zu können.

kle/mak (afp, rtr, dpa)

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