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Journalisten im Exil

Dear Germany | "Manchmal ergibst du keinen Sinn"

Wie blicken geflüchtete Journalisten auf ihr neues Leben in Deutschland? In der DW-Videoserie "Dear Germany" erzählt der Syrer Bilal Eid, wie er Deutschland sieht - und da passt vieles nicht zusammen.

Video ansehen 02:08

Dear Germany | "Manchmal ergibst du keinen Sinn" (Teil 1)

Fünf Journalisten aus Syrien, Uganda, Afghanistan, Pakistan und Aserbaidschan haben sich auf das Projekt "Dear Germany"  eingelassen. Die Deutsche Welle wollte wissen: Wie ergeht es ihnen - ein, zwei oder eben acht Jahre nach ihrer Flucht? Wie denken sie über ihre neue Heimat? Was frustriert sie, worauf hoffen sie? Was wäre, wenn sie einfach mal alles aufschreiben könnten, einen Brief an Deutschland verfassen? Die Idee von "Dear Germany" war geboren. 

Gemeinsam mit der DW schrieb jeder Teilnehmer einen offenen Brief an Deutschland. So unterschiedlich wie die Lebensläufe der geflüchteten Journalisten, so unterschiedlich fielen auch die Videobotschaften bei "Dear Germany" aus.

"Warum gibt es hier Obdachlose?" 

Der 28-jährige gebürtige Syrer Bilal Eid kam vor zwei Jahren nach Deutschland. Er studiert in Darmstadt Medienwissenschaften. In seinem Leben gab es schon viele Umbrüche: Schon früh zieht er in die Vereinigten Arabischen Emirate, studiert an der Universität in Schardscha Kommunikationswissenschaften. Über seine Flucht möchte er nicht sprechen. Stattdessen beschreibt er, wie er Deutschland empfindet – für ihn ein Land voller Widersprüche.

"Deutschland, manchmal ergibst du keinen Sinn", sagt er. Die vielen bürokratischen und für ihn teils absurden Regeln machen ihm zu schaffen: Für eine Wohnung braucht man ein Konto und für ein Konto braucht man - richtig, eine Wohnung. Doch auch die deutsche Gesellschaft stellt er in Frage: "Ich muss zugeben, du warst so oft so gut zu mir. Hier konnte ich zur Ruhe kommen. Dennoch, wenn ich durch deine Straßen gehe, frage ich mich: Deutschland gibt einem doch Gerechtigkeit, Würde, Freiheit und so weiter. Trotzdem gibt es hier auch Obdachlosigkeit, Frauen verdienen immer noch weniger als Männer, es gibt Rassismus und vieles mehr. Das passt nicht zusammen, oder?"

Trauriger Rekord 

Weltweit gesehen ist Syrien laut "Reporter ohne Grenzen" das gefährlichste Land für Journalisten. Mit Zensur und Überwachung versucht das Assad-Regime kritische Berichterstattung zu unterbinden. Kritische Journalisten werden gefoltert und ermordet, dschihadistische Gruppen überfallen und bedrohen ganze Redaktionen. Bislang sind seit Ausbruch des Bürgerkriegs bereits mehr als 130 Medienschaffende gestorben. Ausländische Reporter wagen sich kaum noch ins Land. 

Die gefährlichsten Länder für Journalisten sind neben Syrien, Afghanistan, Mexiko, der Irak und der Jemen. "Reporter ohne Grenzen" zählte für das vergangene Jahr insgesamt 74 Morde an Medienschaffenden, 53 wurden gezielt wegen ihrer Arbeit getötet. Andere starben während eines Einsatzes. Doch auch aus Ländern wie Aserbaidschan und der Türkei müssen zunehmend immer mehr Journalisten fliehen, sagt Jens-Uwe Thomas von "Reporter ohne Grenzen". Nach ihrer Flucht nach Deutschland müssen sie ganz von vorne anfangen - und sich oftmals zunächst von ihrem Traumberuf verabschieden. Der Prestigeverlust wiegt schwer. "Das ist sicherlich frustrierend", sagt Thomas. 
 

Dear Germany | Fünfteilige Video-Serie

Realisation und Konzept: Madelaine Meier

Kamera und Schnitt: Madmo Cem Adam Springer

Redaktion: Verica Spasovska

 

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