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Fokus Südosteuropa

Das wahre Gesicht des Krieges?

Angelina Jolie will mit ihrem Regiedebüt "In the Land of Blood and Honey" die Grausamkeit des Bosnienkriegs zeigen. Im Balkanland führte das Drama zu widersprüchlichen Reaktionen.

Eine wahrlich komplizierte Geschichte hat sich die Hollywoodschauspielerin für ihr Regiedebüt ausgesucht: Es geht um eine Liebesgeschichte, die im Bosnienkrieg spielt. In einem Krieg, in dem Menschen, die bis gestern noch Nachbarn waren, die Waffen gegeneinander richten. Es ist die Liebesgeschichte der bosnischen Muslimin Ajla und des auf der gegnerischen Seite stehenden Serben Danijel, die zwar schon vor dem Krieg anfängt, im Krieg aber ihre tiefsten Tiefen erreicht.

Der Film sorgt derzeit für viel Aufruhr. Jolie wird, unter anderem, für die brutalen Kriegsszenen kritisiert. "Der Krieg ist aber noch viel brutaler und eigentlich gibt es keinen Weg, im Film den wahren Horror aufzuzeigen, also, wie es sich wirklich anfühlt und wie es ist, im Krieg zu sein“, sagte die 36-jährige Regisseurin nach der Gala-Vorführung des Films in Sarajevo. "Deswegen denke ich, dass wir wenigstens so weit gehen mussten, um die Leute den Krieg fühlen zu lassen.“

Zuspruch und Ressentiments

Harsche Kritik erntete Jolies Film noch vor seiner Premiere vor allem aus der Republika Srpska, jenem Teil Bosnien-Herzegowinas, in dem überwiegend Serben leben. Angelina Jolie wolle die Republika Srpska abschaffen, sie zeige Unwahrheiten auf und stelle die Serben als Massenmörder und -vergewaltiger dar, hieß es in Medienberichten aus diesem Teil des Landes.

Angelina Jolie bei der Premiere von In the Land of Blood and Honey in Sarajevo (Quelle: Amel Emric/AP/dapd)

Mit ihrem Regiedebüt will Angelina Jolie ein Zeichen setzen

Der Film zeige, was mit den Frauen im Krieg wirklich passiert ist, sagen dagegen die Angehörigen der Opferverbände aus dem anderen Teil des Landes, der Föderation von Bosnien und Herzegowina. "Wenn man sich das aus der Sicht der Opfer anschaut, dann muss man sagen, dass 99 Prozent der Geschehnisse aus dem Film den wahren Geschehnissen zu Anfang und auch während der vier Jahre der Aggression entsprechen", sagt Enisa Salcinovic, Vorsitzende des Gefangenenverbandes des Kanton Sarajevo.

Allerdings sind nicht alle Opferverbände dieser Meinung. Der Film "In the Land of Blood and Honey" enthalte auch Szenen, welche die Opfer zutiefst verletzten, meint Bakira Hasecic vom Verband "Frauen - Opfer des Krieges": "All das, was uns passiert ist, konnte man ja nicht auf die Leinwand bringen. Aber eine Liebe zwischen einem Kriegsverbrecher und einem Opfer ist nie vorgekommen und hätte während der Aggression gegen Bosnien-Herzegowina auch nie vorkommen können."

Solch unterschiedliche Reaktionen, sowohl bei den Opferverbänden, als auch in der Republika Srpska und in Serbien selbst, zeigten doch nur auf, dass der Film sehr real sei, sagt die Vorsitzende der Organisation "Gesellschaft für bedrohte Völker" in Bosnien und Herzegowina, Fadila Memisevic: "Bosnien-Herzegowina sowie das benachbarte Serbien haben ihre Vergangenheit noch nicht aufgearbeitet. Deswegen sind die Reaktionen auch so ambivalent."

Ein Exempel statuieren

Dass der Film solche Reaktionen hervorrufen würde, war Angelina Jolie vorher klar. Sie wusste auch, dass sie ein heikles Thema behandelt und dass noch nicht alle Wunden 16 Jahre nach dem Krieg verheilt sind. Trotzdem drehte sie den Film, weil sie, wie sie sagt, damit ein Exempel statuieren wollte. Für all die Konflikte, die auch momentan noch aktuell sind, wie in Syrien. Man müsse mit dem Finger auf die Internationale Gemeinschaft zeigen - denn sie sei die Schuldige, so Jolie.

Das Team In the Land of Blood and Honey bei der Berlinale 2012 (Quelle: Angelika Warmuth dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++)

Das Team vpon "In The Land of Blood and Honey" bei der Berlinale

Außerdem wollte der Hollywoodstar aufzeigen, wie das Land vor dem Krieg gewesen sei und wie es zu der Spaltung während des Krieges gekommen sei. "Und ich wollte Charaktere im Film haben, mit denen man sich identifizieren kann. Der Film ist symbolisch für den Westbalkan.“

Während des Kriegs auf dem Balkan sind nach Angaben des Internationalen Gerichtshofs für das Ehemalige Jugoslawien (ICTY) und der UN nahezu 100.000 Menschen getötet worden, etwa 50.000 Frauen wurden vergewaltigt und etliche Familien vertrieben.

Autorin: Marina Martinovic
Redaktion: Blagorodna Grigorova

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