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Fußball

Das Schwarze Loch

Der Schock nach der 0:1-Niederlage im WM-Halbfinale gegen Spanien sitzt tief. Nicht nur bei den Fans, auch bei der deutschen Fußball-Nationalmannschaft.

Co-Trainer Hans-Dieter Flick bei der Pressekonferenz mit schwarzem Hintergrund. Foto: AP

Co-Trainer Flick im "Schwarzen Loch"

Schwarze Löcher gibt es nicht nur im Weltall, sondern auch im Fußball. Nach einer Niederlage in einem überaus wichtigen Spiel scheint sämtliche Energie erst einmal in einem solchen Loch zu verschwinden. Das geht nicht nur den deutschen Fans so, die am Tag nach dem 0:1 gegen Spanien im WM-Halbfinale ohne Antrieb, mit langen Gesichtern durch die Gegend laufen. Auch die Nationalspieler haben die Niederlage noch längst nicht verdaut. Kapitän Philipp Lahm sieht alles andere als glücklich aus und spricht von einer "großen Enttäuschung, weil man schließlich nicht alle vier Jahre in einem Halbfinale steht". Co-Trainer Hans-Dieter Flick sagt: "Ein großes Ziel, der Traum vom Finale ist geplatzt."

Philipp Lahm hält sich bei der Pressekonferenz die Hand vor den Mund und blickt deprimiert in die Runde. Foto: AP

Statt Finale nur das Spiel um Platz drei - das hatte sich Kapitän Lahm anders vorgestellt

Sehr, sehr gut oder top

Wie eine Seifenblase, könnte man ergänzen. Aber warum? "Wir haben es als Mannschaft nicht geschafft, unsere Topleistung abzurufen", erklärt Lahm, ohne ins Detail zu gehen. Auch Flick will keine Sündenböcke benennen. Das Spiel der deutschen Elf habe "vielleicht passiv gewirkt. Aber wir sind einfach nicht dahin gekommen, den Gegner zu Fehlern zu zwingen". Die Spanier also sind schuld. Iniesta, Xavi, Villa und Co. seien, so Flick, "mit die Besten, die es auf der Welt gibt, sehr eingespielt, sehr ballsicher und lauffreudig. Wenn eine Mannschaft ihre Kombination so aufzieht, wie es die Spanier getan haben, dann kommst du gar nicht an den Mann heran." Immerhin lässt der Co-Trainer dann doch noch durchblicken, es sei "ärgerlich, dass wir durch eine Standardsituation verloren haben". Als Puyol nach einem Eckball frei zum Kopfball gekommen sei, hätten die Verteidiger nicht optimal gestanden. Aber, gibt Philipp Lahm zu bedenken, hier gehe es nur um den feinen Unterschied zwischen "sehr, sehr gut" (Deutschland) und "top" (Spanien): "Es hätte auch ein bisschen Glück gebraucht, das muss man zugeben."

Ersatzspieler belohnen

Deutsche Spieler mit betrübtem Blick im Mannschaftsbus. Foto: AP

Enttäuschung pur in den Gesichtern der Spieler

Das Spiel um Platz drei am Samstag (10.07.2010) in Port Elizabeth gegen Uruguay ist noch nicht so richtig in den Köpfen angekommen. Früher habe er sich diese WM-Duelle der Halbfinalverlierer nicht einmal angesehen, sagt Kapitän Lahm, doch seit der WM vor vier Jahren im eigenen Land habe sich seine Einstellung zum "kleinen Finale" geändert: "2006 war für uns ein sehr schönes Erlebnis, vor allem wenn man dieses Spiel gewinnt. Dann fährt man mit einem guten Gefühl nach Hause." Mit anderen Worten, der Bronze-Platz würde ein wenig dabei helfen, sich aus dem großen Schwarzen Loch herauszuhangeln. Die deutsche Mannschaft wird im Spiel gegen Uruguay wohl ein verändertes Gesicht haben. Möglicherweise, sagt Hans-Dieter Flick, werde man "Spieler belohnen, die bisher noch nicht gespielt haben".

Bundespräsident Wulff kommt zum kleinen Finale

Kanzlerin Merkel freut sich über ein deutsches Tor beim WM-Spiel gegen Argentinien

Trost von Kanzlerin Merkel (hier beim Spiel gegen Argentinien)

Politiker lassen sich auch in Schwarzen Löchern hören: Bundespräsident Christian Wulff hat seinen Besuch angekündigt, als "eine Referenz an die tolle junge deutsche Mannschaft". Und auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hat mit Bundestrainer Joachim Löw und Teammanager Oliver Bierhoff telefoniert und sich dafür bedankt, dass die Mannschaft ein "hervorragendes Bild von Deutschland vermittelt hat". Immerhin ein kleiner Trost, dass sich alle Welt einig ist, dass der jungen deutschen Elf die Zukunft gehört. Philipp Lahm glaubt, dass die Mannschaft das Top-Niveau Spaniens erreichen kann: "Ich habe gesehen, wie hungrig sie ist, wie akribisch sie arbeite. Wir müssen weiterarbeiten. Wir haben die Möglichkeit auch dahin zu kommen." Auf eine Trainer-Diskussion will sich der Kapitän nicht einlassen: "Die Mannschaft braucht einen guten Trainer. Unser Trainer ist ein guter. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen." Und auch beim Thema Machtkampf um die Kapitänsrolle bleibt Lahm einsilbig: "Die Macht liegt nur bei einer Person und das ist der Bundestrainer." Wenn der entscheide, dass Michael Ballack wieder an der Spitze der Mannschaft stehen solle, könne er damit leben. Das Schwarze Loch verschluckt offenbar auch die heiklen Themen.

Autor: Stefan Nestler
Redaktion: Andreas Ziemons

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