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Filme

"Das schaffen wir schon": Angela Merkel, die Politik und der Film

Kino und Politik, in Deutschland keine einfache Beziehung. Vor allem, wenn es um aktuelle Politik und noch aktive Politiker geht. Unser Blick auf Komödien und Dokudramen, TV-Serien und Politsatiren.

Man kann dem deutschen Film nun wirklich nicht vorwerfen, dass er nicht auf die Geschichte des Landes schaut. Deutsches Kino und Fernsehen beschäftigen sich seit einem halben Jahrhundert intensiv mit der Verarbeitung der historischen und gesellschaftlichen Vergangenheit. Ob Nazi-Geschichten oder Linksterrorismus, ob NS-Terror oder DDR-Historie - es gibt unzählige Fernsehserien, TV-Filme und Kinodramen, die sich vor allem in den Jahren nach der Jahrtausendwende diesen Themen zugewandt haben.

In den USA werden aktive Politker härter angegangen

Doch vor dem direkten Blick auf ganz aktuelles Politikgeschehen scheuen deutsche Produzenten zurück. Das mag verständlich sein. Liegt ein Ereignis erst einmal ein paar Jahre zurück, ist die Faktenlage gesichert und der Rauch über manch hitzige Diskussion zu aktuellen Politthemen verzogen, bewegt man sich als Filmschaffender auf relativ sicherem Terrain.

Anders als in den USA, wo die großen Studios mächtig und einflussreich sind und beim Blick auf die politische Gegenwart keine Scheu haben, zieren sich die Deutschen bei die Auseinandersetzung, wenn es um Politik und Wahlkampf der unmittelbaren Gegenwart geht. "Primary Colors" ("Mit aller Macht"/1998) ist ein Beispiel für die zeitnahe Verarbeitung eines Wahlkampfs in Literatur und Film in den USA. 

Filmstill aus Das schaffen wir schon mit drei Darstellern (Drei-Freunde Filmverleih)

Arbeiten für die Kanzlerin: "Das schaffen wir schon"

Oder sie weichen ins Komödienfach aus. "Das schaffen wir schon" heißt der neue Film von Regisseur Andreas Arnstedt, der am 7. September und damit knapp drei Wochen vor der Bundestagswahl in die Kinos kam. Arnstedt zeigt in seiner Komödie u.a. Kanzlerin Angela Merkel und den Grünen Cem Özdemir, die während einer Wahl-Diskussion im Fernsehen vor laufender Kamera in Geiselhaft genommen werden. Eine entlassene Putzfrau lädt ihren ganzen Frust über ihren Jobverlust an den Politikern ab. "Das schaffen wir schon" ist eine Politgroteske mit allerdings oft müden Witzen.

Hape Kerkeling glänzte als Merkel-Herausforderer

Lustiger waren da schon die beiden Komödien, die im Jahre 2009 in die deutschen Kinos kamen. In "Isch kandidiere" von und mit Hape Kerkeling trieb die Kunstfigur Horst Schlämmer ihr Unwesen auf der großen Kinoleinwand: Schlämmer will in "Isch kandidiere" Bundeskanzler werden und tritt gegen Angela Merkel an. Für alle Kerkeling- und Schlämmer-Fans war "Isch kandidiere" ein herrlicher Spaß.

Auch der im gleichen Jahr gestartete Film "Die Partei" des ehemaligen Chefredakteurs des Satiremagazins "Titanic", Martin Sonneborn, blickte mit beißendem Witz im Stile einer Pseudodokumentation auf das Innenleben des Politbetriebs hierzulande.

Filmstill aus Hape Kerkelings Isch kandidiere mit Kerkeling und Kanzlerin-Darstellerin (picture-alliance/dpa/Constantin Film)

Wer hat die besseren Argumente: Horst Schlämmer oder Angela Merkel?

Spielte "Die Partei" nur mit den Mitteln des Dokumentarfilms, so waren die Filme "Denk ich an Deutschland … - Herr Wichmann von der CDU" (2002) und "Herr Wichmann aus der dritten Reihe" (2013) tatsächlich Dokumentationen - auch wenn viele Szenen in beiden Filmen, die den Alltag eines CDU-Kandidaten und Politikers im brandenburgischen Landtag schildern, von vielen Zuschauern als Satire wahrgenommen wurden. Regisseur Andreas Dresen gelang ein hinreißender Spagat zwischen Satire und realem Wahnsinn.

1980 mischten sich Kluge, Schlöndorff und Co. in den Wahlkampf ein

Ganz ernst war es dagegen den vier Regisseuren und Journalisten Stefan Aust, Alexander von Eschwege, Volker Schlöndorff und Alexander Kluge vor 37 Jahren. Als der CSU-Politiker und Ministerpräsident Bayerns, Franz Josef Strauß, damals als Kanzler-Kandidat der Unionsparteien nominiert wurde, entschlossen sich die Filmemacher zum Wahlkampf im Kino. Mit viel Engagement und einer klaren Meinung inszenierten sie ihren Film "Der Kandidat", der erfolgreich im Kino lief.

Franz Josef Strauß letzter Auftritt beim Aschermittwoch (picture alliance/augenklick/firo Sportphoto)

An ihm rieben sich die Filmregisseure: Franz Josef Strauß

Man stelle sich vor: Tom Tykwer ("Lola rennt"), Fatih Akin ("Gegen die Wand") und Florian Henckel von Donnersmarck ("Das Leben der Anderen") täten sich anno 2017 zusammen, um einen Politfilm über Martin Schulz oder Angela Merkel zu drehen. Undenkbar - und wohl auch ein Zeichen für den Zeiten-Wandel.

In den späten Siebziger Jahren war die Stimmung im Lande aufgeheizt: der RAF-Terrorismus (die linksradikale "Rote Armee Fraktion" bekämpfte den Staat mit Morden und Entführungen) war auf seinem blutigen Höhepunkt, ein deutscher Literatur-Nobelpreisträger wurde als Terror-Sympathisant verunglimpft und der bayrische Politiker versprach eine Politik der harten Hand. Schriftsteller, Künstler, aber auch Film-Regisseure und Journalisten sahen es damals als ihre Pflicht an, Stellung zu beziehen und das künstlerisch umzusetzen.

Strauß blieb eine beliebte Fernsehfigur

Franz Josef Strauß war - nach heutigem Maßstab - eine schillernde Politiker-Persönlichkeit und so war es kein Zufall, dass die Galionsfigur der CSU (der bayrischen Schwesterpartei der CDU) auch noch viele Jahre nach seinem Tod für Produzenten und Regisseure zur dankbaren Filmfigur wurde. Regisseur Roland Suso Richter inszenierte 2014 in seinem Film "Die Spiegel-Affäre" einen legendären politischen Skandal aus dem Jahre 1962 für das deutsche Fernsehen. Damals wurde dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" Landesverrat vorgeworfen, nachdem sich die Zeitschrift zuvor kritisch mit der Rüstungspolitik der Bundesrepublik auseinandergesetzt hatte. Der Film spießte genüsslich die inneren Mechanismen des deutschen Politbetriebs vom Herbst 1962 auf.

Francis Fulton-Smith als Strauß in Die Spiegel-Affäre (Bild: BR/Wiedemann & Berg Film)

Francis Fulton-Smith als Strauß in "Die Spiegel-Affäre"

"Die Spiegel Affäre" steht beispielhaft für einen Trend der letzten Jahre, in dem sich Autoren und Regisseure Politik und Politikern nähern - fast ausschließlich im Fernsehen. Dabei kommen dann manchmal auch noch aktive Politiker ins Blickfeld. Sogar Deutschlands Privatsender mischen mit: 2014 spielte niemand geringeres als "Superweib" Veronica Ferres eine Bundeskanzlerin in "Die Staatsaffäre". Die Kanzlerin verliebt sich dabei in den französischen Staatspräsidenten. "Schlimmes Werbefernsehen" monierte die Kritikerin der "Süddeutschen Zeitung" nach der Ausstrahlung.

Angela Merkel inspirierte zahlreiche Schauspielerinnen

Ein Jahr später lieh Iris Berben in "Die Eisläuferin" der deutschen Kanzlerin (die hier nicht Angela Merkel, sondern Katharina Wendt heißt) ihr Gesicht. Auch dieser Film setzte auf satirische Zuspitzung: Nachdem der Kanzlerin ein Holzschild auf den Kopf fällt, verliert sie ihr Gedächtnis und fordert vehement: "Die Mauer muss weg!".

Regisseur und Maskenbildner verliehen der Hauptdarstellerin der "Eisläuferin" den typischen Mode-Look der aktuellen Kanzlerin. Auf den trifft man auch im Film "Der Minister" (2013), der den Aufstieg und Fall des Karl-Theodor zu Guttenberg unter die Lupe nimmt. Hier wird die Kanzlerin (Angela Murkel!) von Katharina Thalbach gespielt.

Filmstill Der Minister mit Katharina Thalbach als Kanzlerin (Sat1)

Katharina Thalbach als Kanzlerin Murkel

Die allermeisten dieser TV-Filme trauen sich zwar auch derzeit noch aktive Politiker zu karikieren, doch geschieht das eher in sanft ironischem und immer humoristischem Stil. Humor und Spaß statt packender und ernst zu nehmender Politik-Thrill lautet die Devise in Deutschland.

Eine deutsche Politserie macht ernst: "Die Stadt und die Macht"

Sehr respektabel gelang dagegen im vergangenen Jahr der Versuch internationalen Politikserien wie "Borgen" und "Home of Cards" nachzueifern. Die sechsteilige Miniserie "Die Stadt und die Macht" von Regisseur Friedemann Fromm überzeugte mit Verve, packender Dramaturgie und einem originellen Figurenarsenal beim Blick hinter die Kulissen des Politikbetriebs: Eine Rechtsanwältin soll als Bürgermeisterkandidatin für die deutsche Hauptstadt aufgebaut werden und verheddert sich im lokalen Politik-Sumpf Berlins. Auch wenn "Die Stadt und die Macht" nicht ganz das Format von "House of Cards" erreichte, bot insbesondere der Blick auf die Politikberater-Szene glänzende Szenen und originelle Figuren.

Filmstill aus Die Stadt und die Macht mit Anna Loos als Bürgermeisterkandidatin für Berlin (ARD)

Beachtliche deutsche Politserie im Fernsehen: Anna Loos als Bürgermeisterkandidatin für Berlin

Auf den großen Film über Angela Merkel und die Regierungszeit der Rekordkanzlerin muss Deutschland wohl weiter warten. Ein vor drei Jahren angekündigtes Kinoprojekt über Merkel, das eigentlich 2017 in die Lichtspielhäuser kommen sollte, kam nicht zustande.

Dass die Politikerin aus der Uckermark genügend Potential dazu liefert, hat der britische Starregisseur Stephen Frears längst erkannt. Als 2006 sein Film "Die Queen" in die Kinos kam, sagte er in einem Interview: "Angela Merkel ist auch eine gute Filmfigur". Vielleicht überlegt sich Frears das ja noch - er würde seinen deutschen Regie-Kollegen damit ein Schnippchen schlagen.

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