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Erdbeben im Iran

"Das Rote Kreuz ist immer ein Begriff"

Der Iran ist für die Rettungsmaßnahmen nach dem Erdbeben an der Grenze zum Irak gut aufgestellt, sagt Mark Hofmann, der Auslandsdelegierte des Deutschen Roten Kreuz (DRK) für den Iran.

Ein Mann der Iranischen Roten Halbmonds mit seinem Suchhund auf Trümmern, im Hintergrund zerstörte Gebäude (Foto: Getty Images)

Ein Team der iranischen Rettungshundestaffel ist nach dem Erdbeben auf der Suche nach Verschütteten

Deutsche Welle: Wenn es zu einer Naturkatastrophe kommt: Wie sind die ersten Schritte, um Hilfe leisten zu können?

Hofmann: Im Iran sind die Kollegen bemüht, möglichst schnell Teams vor Ort zu haben, um die Lage einzuschätzen und zu wissen, welche Rettungsmaßnahmen eingeleitet werden müssen und in welchem Umfang. Das Beben am Sonntagabend in der Grenzregion zum Irak war durchaus eine Herausforderung. Der Iran ist der Mitteleuropäischen Zeit zweieinhalb Stunden voraus, das heißt, es war schon dunkel. Die Witterung ist auch im Iran mittlerweile kalt. Das muss berücksichtigt werden, um die Bevölkerung mit den wichtigsten Dingen zu versorgen.

Wer fordert die Hilfe an?

Im Iran haben wir das Glück, dass der Iranische Rote Halbmond (IRH) eine sehr starke nationale Gesellschaft ist, die sehr viele Rettungskräfte und -mittel hat. Deswegen hat sie auch von staatlicher Seite das Mandat, die verschiedenen Maßnahmen einzuleiten. Nach bisherigem Augenschein wird der IRH das auch allein bewältigen können.

Das DRK versucht, nicht nur Katastrophenhilfe, sondern auch -vorsorge zu leisten. Generell kann man Erdbeben zeitlich kaum vorhersagen. Im Iran haben Sie geholfen, die Strukturen der Hilfe zu verbessern, indem Sie zum Aufbau der Rettungshundestaffel beigetragen haben. Wie kam es dazu?

Nach dem starken Beben im Dezember 2003 bei der Stadt Bam mit vielen Toten und Verletzten kam der IRH auf uns zu, um den Aufbau der Rettungshundestaffel zu beschleunigen. Bis dahin gab es nur eine kleine Zahl von Teams. Jetzt gibt es im ganzen Land verteilt 74. Ich habe schon die Rückmeldung vom IRH erhalten, dass seit heute Nacht 26 Rettungshundeteams vor Ort sind.

Die Hunde werden für die Lebendsuche ausgebildet. Nach so einem Erdbebenfall haben wir 72 Stunden, in denen Menschen unter den Trümmern überleben können. Es gibt seltene Ausnahmen, noch danach Überlebende zu finden. Da ist der Rettungshund das adäquateste und schnellste Mittel, Verschüttete zu orten.

Ein Mann im DRK-Kleidung schreibt auf einem Klemmbrett (DRK/Karo Kleine-Cosack)

Mark Hofmann im Iran bei einem Training der Rettungshundestaffel im November 2016

Im Nahen Osten gibt es einige Regionen, in denen die Sicherheitslage politisch gesehen angespannt ist. Inwiefern ist Ihre Arbeit als ausländische Hilfsorganisation davon berührt, wenn der Katastrophenfall in einem solchen Gebiet eintritt?

Im Iran haben wir keine Beeinträchtigungen, so dass die Rettungsteams ungehindert arbeiten können. Die Sicherheit der Rettungsmannschaften hat oberste Priorität und muss gewährleistet sein. Sie kann durch unsichere Gebiete beeinträchtigt sein, es kann aber auch ein vom Einsturz bedrohtes Gebäude sein.

Heißt das also, wenn die Sicherheitslage angespannt ist, dass Sie nicht hinfahren, wenn Sie gebraucht werden?

Wenn eine Gefährdung der Rettungskräfte gegeben wäre, dann wäre das die Konsequenz, ja.

Können Sie Kriterien benennen, wann es nicht mehr vertretbar ist, Mitarbeiter hinzuschicken?

Das muss im Einzelfall abgewogen werden. Der dortige Einsatzleiter ist zuständig und schätzt die Lage ein. Vor Ort greifen wir auch auf die Erfahrung und die Kenntnis der dortigen Einsatzkräfte zurück.

Haben Sie selbst so eine Erfahrung schon gemacht?

Bei mir war es Gott sei Dank nicht so, dass etwas wegen eines Gefährdungspotenzials nicht umsetzbar war. Generell kann es vorkommen, dass in Krisen- oder Kriegsgebieten Hilfslieferungen aufgrund einer schwer einschätzbaren Sicherheitslage durchaus verzögert in die betroffenen Gebiete fahren. Die Entscheidung muss vor Ort getroffen werden.

Wir arbeiten als DRK immer mit der dortigen nationalen Gesellschaft zusammen. Das Rote Kreuz oder der Rote Halbmond ist den verschiedenen Bevölkerungsgruppen immer ein Begriff. Eigentlich ist allen Beteiligten klar, dass Hilfe geliefert wird, und die Einsatzkräfte werden - in welcher Form auch immer - von der Bevölkerung unterstützt.

Mark Hofmann ist der Auslandsdelegierte des Deutschen Roten Kreuzes für den Iran. Seit 2007 ist er in Kooperation mit dem Iranischen Roten Halbmond als Projektleiter für den Aufbau von Rettungshundestaffeln verantwortlich.

Das Interview führte Uta Steinwehr.

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