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Politik

Das lange Warten auf den Wiederaufbau in Aceh

Ein Jahr nach der Tsunami-Katastrophe ist das Leben in der indonesischen Provinz Aceh immer noch weit von der Normalität entfernt. Die Ziele der Wiederaufbaubehörde sind noch längst nicht erreicht.

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Viele Familien haben noch kein festes Dach über dem Kopf

Banda Aceh

Zerstörungen an der Küste von Banda Aceh (Februar 2005)

Adlan schüttelt noch immer den Kopf, wenn er zu seinem Haus geht - also dorthin, wo es mal stand. Er zeigt auf das blanke Fundament. Das ist alles, was übrig geblieben ist: "Als die Flutwelle kam, sind wir davongerannt. Wir haben unsere Kinder geschnappt und sind den Berg hochgelaufen", erzählt Adlan. "Das war unser Glück. Denn hier ist nichts übrig geblieben." Das Haus, das Boot - alles sei weg gewesen. Die Familie sei nun auf Hilfe angewiesen. Adlan ist Fischer. Aber nur selten fährt er noch auf See. Früher war er selbstständig, jetzt arbeitet er für andere. Oder gar nicht.

Zum Warten verdammt

Vor einer Ansammlung von Bretterbuden steht Ramli. "Seit Januar leben wir hier", sagt er. "Wir haben die Bretter aufgesammelt, die der Tsunami von unseren Häusern übrig gelassen hat, und haben uns diese Hütten gebaut." Fünf bis sechs Quadratmeter pro Familie, da leben sie nun, seit fast einem Jahr. Und warten noch immer auf Hilfe. "Wir müssen geduldig sein. Uns bleibt doch nichts anderes übrig", sagt Ramli. "Wir haben keine Häuser mehr, wir können nirgendwo anders hingehen. Also sitzen wir hier. Und warten."

Karte von Banda Aceh Indonesien

Banda Aceh auf der Karte

Dazu sind viele in Aceh verdammt. Die indonesische Wiederaufbaubehörde hatte für das erste Jahr 30.000 Häuser geplant, aber nur 10.000 sind bis jetzt fertig. Viele Menschen sind frustriert, weil sie immer noch in Zelten und Baracken leben müssen.

"Es soll perfekt werden"

Aber Ramli hat immerhin eine Zusage: Er steht auf einer Liste. Und: Er kann inzwischen zusehen, wie sein Haus tatsächlich gebaut wird. Vor wenigen Wochen erst wurde der Grundstein gelegt. 40 Häuser, in einer Reihe, die vom Deutschen Roten Kreuz gebaut werden. In nur vier Monaten soll die Siedlung fertig sein. Azhan, der Bauingenieur, weiß, dass das keine leichte Aufgabe ist. "Dieses Land hier haben wir von den Behörden zugewiesen bekommen", sagt er. Es sei eigentlich nicht zum Bauen geeignet, da das Gelände sehr steil sei. Zudem gebe es weder Wasser noch Strom: "Viele Hilfsorganisationen sagen bei so etwas: Hier bauen wir nicht."

Azhan aber malt Linien in die Luft: Da muss noch eine Straße hin, Abwasserkanäle müssen gezogen werden. Die Preise für Baumaterialen sind zwar teilweise um das Doppelte oder Dreifache gestiegen. Aber der Bauingenieur ist zuversichtlich: "Ich arbeite jeden Tag. Das hier soll perfekt werden. Es ist ja ein komplett neues Dorf."

Respekt vor dem Meer

Ramli atmet auf. Er beobachtet die Bauarbeiten und denkt an sein altes Dorf, das es nicht mehr gibt. Dessen Bewohner hätten sich für den neuen Standort entschieden, weil er 200 Meter über dem Meeresspiegel liege: "Trotzdem ist es nah genug am Wasser. Wir sind ja auch Fischer. " Ramli hat Respekt vor dem Meer. Und er ist nicht der einzige.

Soraya steht wieder vor ihrer Klasse und unterrichtet. Ein wenig normaler sei ihr Leben dadurch geworden. Auch den Kindern tue der Unterricht gut. "Sie sind traumatisiert. Immer wenn die Erde bebt, rennen sie völlig panisch in alle Richtungen", sagt sie. "Wir haben dann keine Kontrolle mehr über sie. Diese Schule liegt halt nah am Meer, und vor dem haben sie Angst." Soraya schaut zum Schulhof und lächelt. Über die Kinder, die jetzt wieder spielen. Ziemlich nah am Strand.

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