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Politik

Das Kriegsende in Asien 1945

Der Zweite Weltkrieg endete in Asien erst am 15. August 1945 mit der Kapitulation Japans. Die damit verbundene Hoffnung auf eine dauerhafte Weltfriedensordnung erwies sich bald als trügerisch.

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Japan ergibt sich

Im Bewusstsein vieler Europäer endete der Zweite Weltkrieg am 8. Mai 1945 mit der bedingungslosen Kapitulation Hitler-Deutschlands. Diese eher eurozentristische Sicht verkennt allerdings, dass der von Hitler ausgelöste verbrecherische Krieg erst durch Pearl Harbor und das Ringen Japans und der USA um Vorherrschaft im Asien-Pazifik-Raum zum Weltkrieg wurde.

Keim für neue Konflikte

60 Jahre Danach - Bildergalerie - Hiroshima 02/20

Das zerstörte Hiroshima nach dem Bombenabwurf. Am 6.8.1945 wurde über der japanischen Stadt die erste Atombombe abgeworfen. Die Bombe legte die Stadt in Schutt und Asche und tötete schätzungsweise 140.000 Menschen.

Erst am Montag (15.8.2005) vor 60 Jahren schwiegen die Waffen endgültig - nachdem Kaiser Hirohito nach den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki die Kapitulation des militärisch ohnehin längst vernichtend geschlagenen Japans verkündet hatte. Die Konsequenz des Weltkrieges mit Dutzenden von Millionen Toten hätte eine dauerhafte Weltfriedensordnung sein müssen, doch schon kurze Zeit später war der Keim gelegt für neue Konflikte, die weitere Millionen Menschenleben forderten.

Am 15. August 1945 endete, was Hardliner innerhalb der japanischen Armee 1931 mit dem Einmarsch in die Mandschurei eingeleitet hatten: Der Versuch Japans, die Vorherrschaft in Asien zu erringen. Ausgeblutet und in tiefer Angst, Japan könne durch den mit den Westmächten abgesprochenen Kriegseintritt der Sowjetunion unter kommunistische Herrschaft geraten, kapitulierte das Kaiserreich.

Japans verspäteter Imperialismus

60 Jahre Danach - Bildergalerie - Hiroshima 19/20

Japanische Schulkinder gedenken in Hiroshima des Bombenabwurfes

Deshalb ist es ein Mythos, erst der Abwurf der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki habe das Kaiserreich in die Knie gezwungen. 210.000 Menschen wurden durch die Bomben mit den harmlos klingenden Namen "Little Boy" und "Fat Man" ausgelöscht - doch die Hardliner der militärischen Führung Japans hätten ohne den Befehl des Tenno sicherlich auch noch Frauen und Kinder in einem sinnlosen Endkampf verheizt.

Der Schlusspunkt 15. August 1945 markiert das Ende eines Krieges in Fernost, der nur zum Teil um moralische Werte geführt wurde. Das Bild vom Ringen zwischen einem demokratischen Westen und der expansionistischen orientalischen Despotie Japan stimmt nicht. Sicher: Japan war eine aggressive Macht, die sich die Rohstoffe Asiens aneignen und die Vorherrschaft in Asien erringen wollte. Doch das Kaiserreich verhielt sich zunächst als "verspätete imperialistische" Nation nicht wesentlich anders als seine späteren Kriegsgegner.

Als Japan auf den Plan trat, hatten die westlichen Kolonialmächte - Großbritannien, Frankreich, Holland, Portugal und die USA - Asien längst unter sich aufgeteilt: Indien, Indochina, Indonesien, Teile Chinas wurden von ihnen kontrolliert. Die USA hatten Ende des 19. Jahrhunderts das Königreich Hawaii annektiert und Spanien die Philippinen abgenommen. Deshalb ist das bis heute von nationalistischen Kräften in Japan vorgebrachte Argument, das rohstoffarme Land habe lediglich den ihm zustehenden "Platz an der Sonne" in Asien erkämpfen wollen, nicht völlig von der Hand zu weisen.

Unmenschliche Kriegsführung

Doch es gab einen qualitativen Unterschied, der Japans Imperialismus völlig diskreditierte: Das "Reich der aufgehenden Sonne" trat in seinen Kolonien und in seiner Kriegsführung die Menschenrechte und die Regeln des Kriegsvölkerrechts mit Füßen. Schlimmstes Beispiel ist die Mordorgie von Nanjing, wo eine entfesselte Soldateska in der Frühphase des Eroberungsfeldzuges gegen China nach Schätzungen zwischen 100.000 und 300.000 Menschen bestialisch ermordete.

Lehren für eine gerechtere Welt und eine globale Friedensordnung hat der Zusammenbruch Japans allerdings kaum gebracht. Die Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki waren bereits, wie seriöse Historiker belegen, eine Drohung an die Adresse der Sowjetunion im beginnenden Kalten Krieg. Sie lösten den atomaren Wettlauf aus, der zum "Gleichgewicht des Schreckens" führte und dennoch die Menschheit wohl mehr als einmal an den Rand eines nuklearen Schlagabtausches brachte.

Fehler der Westmächte

Unbelehrbar waren die westlichen Kolonialmächte. Anstatt die anfängliche Begeisterung richtig zu deuten, mit der die japanischen Truppen zunächst auf ihrem Siegeszug in Südostasien begrüßt wurden, ignorierten die Westmächte die Unabhängigkeitserklärungen der Region und provozierten so blutige Befreiungskriege mit Millionen Toten.

Am Ende des Zweiten Weltkrieges in Asien hätte die Durchsetzung des Selbstbestimmungsrechtes der Völker stehen können. Doch der schon 1945 existierende Geist von Bandung - die Abkehr vom Kolonialismus und ein Dritter Weg zwischen den Blöcken im Kalten Krieg - setzte sich nicht durch. Blockiert haben ihn gemeinsam die beiden großen Sieger von 1945 - die USA und die Sowjetunion.

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